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US-Staatsanleihen: "Sehr riskantes Investment"


13.06.23 13:23
Der Aktionär

Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Das Thema Schuldenbremse ist abgehakt, die Verschuldung nimmt zu, so Lars Friedrich von "Der Aktionär".

Die Anhebung des Schuldenlimits sei absehbar gewesen. Umstritten sei aber, welche Auswirkungen das habe. Ray Dalio habe jedenfalls schon zuvor gewarnt, diese Praxis werde letztendlich zu einem katastrophalen finanziellen Zusammenbruch führen. Dementsprechend skeptisch sei Dalio in Bezug auf eine Anlageklasse.

"Ich denke, es ist ein sehr riskantes Investment", habe Dalio gestern im Interview mit CNBC gesagt, als er zu seiner Einschätzung bezüglich US-Staatsanleihen gefragt worden sei. Es gehe dabei allerdings nicht darum, ob das Geld zurückgezahlt werden könne, schließlich könnte der Staat die Druckerpresse anschmeißen.

Problematisch sei vielmehr, dass der Schuldendienst zunehmend die Staatsausgaben beeinträchtige. Unterdessen habe der schnelle Zinsanstieg zu Verlusten bei vielen Institutionen geführt. Davon sei auch die US-Notenbank betroffen, weil alte Anleihen, für die es weniger Zinsen gegeben habe, inzwischen an Wert verloren hätten. Auch mögliche Sanktionen gegen andere Länder, die Staatsanleihen kaufen würden, seien ein Risikofaktor. Bringe man diese Länder dazu, ihre Anleihen zu verkaufen, "dann ist das ein echtes Problem".

In einem solchen Umfeld, in dem Geld zunehmend entwertet werde, weil immer mehr gedruckt werde, würden Aktien tendenziell besser abschneiden als Staatsanleihen, so Dalio.

Dalios Wort habe Gewicht: Er habe mit Bridgewater Associates den größten Hedgefonds der Welt gegründet und mehrere Bücher zur Entwicklung historischer Wirtschaftszyklen und Schuldenkrisen verfasst.

Neu und überraschend sei Dalios Einschätzung nicht. Allerdings schwanke seine Bewertung von Anlagemöglichkeiten auch relativ häufig. Vor einem Jahr habe Dalio im Interview mit "Der Aktionär" noch gesagt: "Die FED wird die Zinssätze nicht hoch genug anheben, um eine attraktive, reale Rendite zu erzielen. Denn Zinssätze, die hoch genug sind, um unter Berücksichtigung der Inflation attraktiv zu sein, sind zu hoch für eine ausreichend starke Wirtschaft." Dies habe sich bislang nicht bestätigt.

In der Folge habe Dalio seine Aussage relativiert, Bargeld sei Müll. Vor einem Jahr habe Dalio auch noch gesagt, Aktien seien noch schlimmer als Bargeld. Insofern sollten Anleger die Aussagen mit Vorsicht genießen, weil sie bei neuen Marktlagen schnell an Gültigkeit verlieren könnten. Dass Anleger grundsätzlich mit Aktien langfristig bessere Renditen erzielen konnten als mit Staatsanleihen oder dem Halten von Bargeld sei aber ohnehin kein Geheimnis. (13.06.2023/alc/a/a)