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USA dürften auf steigende Zinsen weniger empfindlich reagieren als erwartet
25.07.18 09:45
Legal & General IM
London (www.anleihencheck.de) - Die Zusammensetzung der Schulden in den USA hat sich stark verändert, so die Experten von Legal & General Investment Management.
Während die Verschuldung des öffentlichen Sektors deutlich gestiegen sei und in den kommenden Jahren aufgrund der Haushaltspläne weiter ansteigen dürfte, sei der Anteil der Verschuldung des privaten Sektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesunken.
"Dies ist vor allem auf die geringere Verschuldung der Haushalte zurückzuführen", sage Tim Drayson, Head of Economics bei Legal & General Investment Management (LGIM). Seiner Ansicht nach dürfte diese Verlagerung der Schulden vom privaten hin zum öffentlichen Sektor die US-Wirtschaft weniger anfällig für höhere Zinsen machen: "Höhere Zinssätze werden letztendlich das öffentliche Defizit weiter belasten, weil die Zinsaufwendungen für Schulden steigen. Darauf wird der Kongress mit großer Wahrscheinlichkeit nur sehr langsam reagieren, denn die Finanzpläne erscheinen relativ unflexibel, zumindest bis zur nächsten Präsidentschaftswahl. Im Gegensatz dazu könnte der private Sektor die Ausgaben angesichts höherer Zinsen schneller anpassen", erkläre Drayson.
Darüber hinaus gebe es dem Experten zufolge zwei weitere Faktoren, die die US-Wirtschaft weniger anfällig für kurzfristig höhere Zinsen machen könnten: Erstens sei der Anteil variabel verzinslicher Hypotheken, so genannter Adjustable Rate Mortgages (ARM), seit dem Ende des Immobilienbooms stark gesunken.
"Während der Hochkonjunkturjahre im Immobiliensektor waren über 40 Prozent an neuen Hypotheken direkt betroffen, wenn sich die variablen Zinssätze infolge einer Erhöhung der Leitzinsen durch die Federal Reserve anpassten. Teilweise war sogar ein regelrechter Anpassungsschock zu verzeichnen, wenn die Hypotheken ursprünglich ausschließlich zinsbasiert waren oder eine negative Amortisation aufwiesen. Derzeit dürften Schätzungen zufolge nur noch rund 15 Prozent der ausstehenden Hypothekenschulden variabel verzinslich sein", so Drayson. Stattdessen habe die überwiegende Mehrheit der Haushalte die Hypotheken auf 30 Jahre festgelegt. Nach Ansicht des Experten sei folglich das Risiko kurzfristiger Zinsänderungen gering und Immobilienkäufer seien nur beim Abschluss einer neuen Hypothek direkt von höheren Zinsen betroffen.
Zweitens bestehe Drayson zufolge der größte Teil der gestiegenen Unternehmensverschuldung in Unternehmensanleihen. Da diese Anleihen fast alle festverzinslich seien, unterlägen sie keinen kurzfristigen Zinsänderungen. "Die provokante Schlussfolgerung liegt nahe, dass die USA deutlich weniger empfindlich auf Zinsanhebungen der Federal Reserve reagieren könnten, als während des letzten Zinserhöhungszyklus", sage der Experte von LGIM.
Gleichzeitig sei jedoch die Ausgangssituation ähnlich wie während der beiden vorangegangenen Zyklen. Diese Parallele dürfte für die US-Zentralbank laut Drayson keinen großen Trost darstellen, habe sie doch die Zinsen im letzten Zyklus senken müssen, um den Druck auf Hypothekenrückzahlungen zu mindern. Und selbst das habe eine Krise nicht verhindern können. Im Zyklus Ende der 1990er Jahre habe die FED die Leitzinsen jedoch auf ein klar restriktives Niveau über 5 Prozent angehoben, um die Konjunktur zu bremsen.
"In der aktuellen Situation haben die Marktakteure damit begonnen, den von der US-Notenbank prognostizierten Zinspfad gut zu heißen", sage Drayson. Doch nach Meinung des Experten könnte die Federal Reserve ihre eigenen Schätzungen nach oben korrigieren müssen, falls schrittweise Zinserhöhungen die Überhitzung der Wirtschaft nicht verhindern könnten, die teilweise auf das zu diesem Zeitpunkt unpasssende Konjunkturpaket der Regierung Trump zurückzuführen sei. Möglicherweise wären Länder außerhalb der USA anfälliger für höher als erwartete Zinsanhebungen der FED.
"Ein stärkerer Dollar löst eventuell weitere Marktturbulenzen in den Schwellenländern aus. Generell könnte es auch auf den Finanzmärkten, die nicht auf eine Normalisierung der Zinssätze vorbereitet sind, zu Verwerfungen kommen. Sollte sich dieser Schock als ausreichend groß erweisen, hätte er natürlich wiederum negative Auswirkungen auf die US-Realwirtschaft", erkläre Drayson. "Es könnte der Federal Reserve folglich nicht möglich sein, die Volatilität an den globalen Finanzmärkte auf einem überschaubaren Niveau zu halten und gleichzeitig den Weg für eine weiche Landung, je weiter der Zyklus fortschreitet." (25.07.2018/alc/a/a)
Während die Verschuldung des öffentlichen Sektors deutlich gestiegen sei und in den kommenden Jahren aufgrund der Haushaltspläne weiter ansteigen dürfte, sei der Anteil der Verschuldung des privaten Sektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesunken.
"Dies ist vor allem auf die geringere Verschuldung der Haushalte zurückzuführen", sage Tim Drayson, Head of Economics bei Legal & General Investment Management (LGIM). Seiner Ansicht nach dürfte diese Verlagerung der Schulden vom privaten hin zum öffentlichen Sektor die US-Wirtschaft weniger anfällig für höhere Zinsen machen: "Höhere Zinssätze werden letztendlich das öffentliche Defizit weiter belasten, weil die Zinsaufwendungen für Schulden steigen. Darauf wird der Kongress mit großer Wahrscheinlichkeit nur sehr langsam reagieren, denn die Finanzpläne erscheinen relativ unflexibel, zumindest bis zur nächsten Präsidentschaftswahl. Im Gegensatz dazu könnte der private Sektor die Ausgaben angesichts höherer Zinsen schneller anpassen", erkläre Drayson.
Darüber hinaus gebe es dem Experten zufolge zwei weitere Faktoren, die die US-Wirtschaft weniger anfällig für kurzfristig höhere Zinsen machen könnten: Erstens sei der Anteil variabel verzinslicher Hypotheken, so genannter Adjustable Rate Mortgages (ARM), seit dem Ende des Immobilienbooms stark gesunken.
Zweitens bestehe Drayson zufolge der größte Teil der gestiegenen Unternehmensverschuldung in Unternehmensanleihen. Da diese Anleihen fast alle festverzinslich seien, unterlägen sie keinen kurzfristigen Zinsänderungen. "Die provokante Schlussfolgerung liegt nahe, dass die USA deutlich weniger empfindlich auf Zinsanhebungen der Federal Reserve reagieren könnten, als während des letzten Zinserhöhungszyklus", sage der Experte von LGIM.
Gleichzeitig sei jedoch die Ausgangssituation ähnlich wie während der beiden vorangegangenen Zyklen. Diese Parallele dürfte für die US-Zentralbank laut Drayson keinen großen Trost darstellen, habe sie doch die Zinsen im letzten Zyklus senken müssen, um den Druck auf Hypothekenrückzahlungen zu mindern. Und selbst das habe eine Krise nicht verhindern können. Im Zyklus Ende der 1990er Jahre habe die FED die Leitzinsen jedoch auf ein klar restriktives Niveau über 5 Prozent angehoben, um die Konjunktur zu bremsen.
"In der aktuellen Situation haben die Marktakteure damit begonnen, den von der US-Notenbank prognostizierten Zinspfad gut zu heißen", sage Drayson. Doch nach Meinung des Experten könnte die Federal Reserve ihre eigenen Schätzungen nach oben korrigieren müssen, falls schrittweise Zinserhöhungen die Überhitzung der Wirtschaft nicht verhindern könnten, die teilweise auf das zu diesem Zeitpunkt unpasssende Konjunkturpaket der Regierung Trump zurückzuführen sei. Möglicherweise wären Länder außerhalb der USA anfälliger für höher als erwartete Zinsanhebungen der FED.
"Ein stärkerer Dollar löst eventuell weitere Marktturbulenzen in den Schwellenländern aus. Generell könnte es auch auf den Finanzmärkten, die nicht auf eine Normalisierung der Zinssätze vorbereitet sind, zu Verwerfungen kommen. Sollte sich dieser Schock als ausreichend groß erweisen, hätte er natürlich wiederum negative Auswirkungen auf die US-Realwirtschaft", erkläre Drayson. "Es könnte der Federal Reserve folglich nicht möglich sein, die Volatilität an den globalen Finanzmärkte auf einem überschaubaren Niveau zu halten und gleichzeitig den Weg für eine weiche Landung, je weiter der Zyklus fortschreitet." (25.07.2018/alc/a/a)


