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USA: Wunsch nach Zinspause


03.12.18 09:15
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Welthandel, Klimaschutz und Migration waren Inhalte, die auf dem G20-Treffen ganz oben auf der Agenda standen, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Das eigentliche Highlight sei aber erst im Anschluss an den G20-Gipfel gefolgt, als sich US-Präsident Donald Trump mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zum gemeinsamen Abendessen getroffen habe. Das erfreuliche Ergebnis: die Vereinbarung einer 90-tägigen Pause im laufenden Handelskrieg. Einen solchen, sozusagen in der Nachspielzeit errungenen "Waffenstillstand" dürften wohl die wenigsten Beobachter erwartet haben. Denn gleich zu Beginn des Gipfels habe es den Anschein gehabt, als ob Trump alles daran gesetzt habe, Erklärungen oder Versprechungen bezüglich der veranschlagten Themen zu vermeiden. Dies habe sich anfangs auch in dem Unwillen widergespiegelt, eine gemeinschaftliche Absichtserklärung zu unterzeichnen.

Umso größer sei am Ende die Erleichterung gewesen, dass Kompromissbereitschaft geherrscht habe und sich Staats- und Regierungschefs auf eine gemeinsame Abschlusserklärung hätten einigen können. Mit dem Versprechen der USA, zusätzliche Zölle auf chinesische Einfuhren nicht erhöhen bzw. ausweiten zu wollen, sowie der Zusage Chinas, US-Importe zu verstärken und so das Handelsungleichgewicht zu reduzieren, dürfte eine Eskalation erst einmal abgewendet worden sein.

Vom G20-Treffen einmal abgesehen, hätten sich Finanzmarktakteure vor allem mit der künftigen Zinsentwicklung in den USA beschäftigt. Denn dort habe es Anzeichen dafür gegeben, dass der Anhebungszyklus der US-Notenbank nächstes Jahr vielleicht doch nicht so stark bzw. lang ausfallen könnte, wie dies der Markt bislang prognostiziert habe. Mit Neel Kashkari habe sich am Freitag im US-Sender CNBC ein derzeit nicht stimmberechtigtes FOMC-Mitglied geäußert. Er habe keinen Hehl daraus gemacht, dass ihm eine baldige Zinspause am liebsten wäre.

Aufhorchen lassen habe am Rande des G20-Gipfels aber noch eine andere Botschaft, die von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach einem Treffen mit Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte verkündet worden sei. Es habe "Fortschritte" bei den Etat-Gesprächen gegeben, habe er Pressevertreter wissen lassen. Ob dies bedeute, dass Italien am Ende um ein Strafverfahren herumkommen könnte, habe er aber für sich behalten. Parallel dazu habe im Markt eine Meldung aus "informierten Kreisen" kursiert, die EU-Staaten würden einem offiziellen Strafverfahren gegen Italien zustimmen.

Der Euro habe am Freitag seine Gewinne der beiden vorangegangenen Tage fast vollständig wieder abgegeben. Damit bleibe er weiter in seinem kurzfristigen Abwärtstrend, der zwischen 1,1430 und 1,1150 verlaufe, gefangen. (03.12.2018/alc/a/a)