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USA: "Wir erwarten das Unerwartete"


26.07.24 11:27
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Durch den Rückzug von Joe Bidens Präsidentschaftskandidatur gewinnt das Rennen ums Weiße Haus wieder an Spannung, so die Experten von RBC BlueBay Asset Management.

Derweil gebe es Spekulationen über einen ersten Zinsschritt der US-Notenbank bereits in der nächsten Woche. Was denke Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management, darüber?

Die Renditekurven an den wichtigsten Staatsanleihemärkten seien in der vergangenen Woche steiler geworden. Anleiheanleger hätten sich um die relative Sicherheit von Papieren mit kurzen Laufzeiten geschart und würden auf einen fundamentaleren Katalysator warten, der die Richtung vorgebe.

Darüber hinaus liefere die Politik weiterhin reichlich Diskussionsstoff: US-Präsident Joe Biden habe seine Kandidatur für die Wiederwahl aufgegeben. Es werde im November aller Voraussicht nach zu einem Showdown zwischen dem republikanischen Kandidaten Donald Trump und der derzeitigen demokratischen Vizepräsidentin Kamala Harris kommen.

Noch in der vergangenen Woche hätten einige Wettanbieter die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs Trumps mit 85 Prozent beziffert. Diese Quote sei schnell wieder auf 60 Prozent gesunken.

Dennoch werde Harris in den kommenden drei Monaten vor einer gewaltigen Aufgabe stehen. Ihre wirtschaftspolitische Erfolgsbilanz sei nicht existent. Außerdem fehle es ihr an Glaubwürdigkeit bei wichtigen Themen wie Einwanderung und Grenzschutz.

Die Experten würden im Rennen um die US-Präsidentschaft weiterhin das Unerwartete erwarten.

Mit Blick auf die US-Notenbank werde in den Terminkontrakten eine Zinssenkung im September bereits vollständig eingepreist. Es gebe sogar Spekulationen über einen ersten Zinsschritt in der nächsten Woche. Das würden die Experten jedoch für äußerst unwahrscheinlich halten: Die US-Notenbanker würden sich hüten, zu früh Signale zu setzen - zumal bis zur September-Sitzung noch zwei weitere Inflationsberichte anstünden.

Längerfristig würden die Experten davon ausgehen, dass die Marktteilnehmer zu viele Zinssenkungen bis Ende 2025 einkalkulieren würden. Die Experten würden weiterhin erwarten, dass die US-Wirtschaft eine Rezession vermeiden könne und die Inflation bei 3 Prozent bleibe. Eine Position, die auf eine Versteilerung der 2- bis 30-jährigen Renditekurve setze, habe aus Sicht der Experten trotz der starken Schwankungen in dieser Woche noch Spielraum für weitere Performance. Dabei würden die Experten davon ausgehen, dass sich dies eher durch höhere Renditen bei längeren Laufzeiten manifestieren werde als durch eine weitere Abnahme im kurzfristigen Bereich.

In Japan stehe in der kommenden Woche eine mit Spannung erwartete Sitzung der Bank of Japan (BoJ) an. Trotz der Bewegungen des Yen würden die Erwartungen einer bedeutenden geldpolitischen Maßnahme steigen. Aus Sicht der Experten bestehe die unterschätzte Möglichkeit, dass BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda eine geringfügige Zinserhöhung auf 0,25 Prozent ankündige und damit die Absicht signalisiere, die Geldpolitik zu normalisieren und von der quantitativen Lockerung abzurücken.

Jüngste Daten hätten die Inflationsprognose bestätigt. Der Erzeugerpreisindex für den Dienstleistungsbereich liege bei über 3 Prozent und der Verbraucherpreisindex für Tokio immer noch über 2 Prozent. Darüber hinaus würden sich die Stimmen aus der Politik mehren - vor allem seitens Toshimitsu Motegi, Generalsekretär der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) - die mehr Klarheit und Leitlinien für den Zinspfad fordern würden.

Die Experten würden den fairen Wert der Renditen 10-jähriger japanischer Staatsanleihen weiterhin bei 1,25 Prozent sehen.

Die Hoffnung auf einen ruhigen Start in den Sommer habe sich mit dem jüngsten Anstieg der Volatilität zerschlagen. Kurzfristig dürften die Schwankungen jedoch abnehmen, bis Katalysatoren wie wichtige Sitzungen der US-Notenbank FED und der Europäischen Zentralbank im September oder die US-Präsidentschaftswahlen im November anstünden.

Das wiederbelebte Präsidentschaftsrennen mache die Makrodaten für den Rest des Jahres sehr viel interessanter. Der 'Trump-Trade' habe zwar einen Rückschlag erlitten. Es würden aber noch drei Monate bis zum Wahltag bleiben. Daher seien weitere Wendungen zu erwarten. (26.07.2024/alc/a/a)