USA: Freiraum für Leitzins?


08.01.16 07:48
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach Wachstumsraten von 1,5% in 2013 und 2,4% in 2014 dürften die USA in 2015 auf der Basis der Zahlen für die ersten drei Quartale letztlich ein Wachstum von ebenfalls recht soliden 2,5% aufweisen, so die Analysten der NORD LB.

Die größte Volkswirtschaft der Welt war im ersten Quartal 2015 massivem Gegenwind von einem (erneut) unerwartet starken Wintereinbruch und einem Wachstumsrückgang ausgesetzt, welcher allerdings nach der (im Sommer) erfolgten Revision der Quartalsraten in einen Anstieg um 0,6% Q/Q verwandelt worden sei. In den beiden Folgequartalen sei es zu einer Wiederaufnahme des hohen Wachstumstempos von Ende 2014 gekommen. Die Aussichten für 2016 seien relativ gut. Damit würden sich die USA - wie schon im Vorjahr - von vielen anderen Regionen der Welt abheben.

Auch im Jahr 2015 habe der private Konsum die wesentliche Stütze der amerikanischen Wirtschaft gebildet. Die verbesserten Konjunkturaussichten, anhaltend niedrige Zinsen und eine Aufhellung auf dem Arbeitsmarkt hätten für eine starke Konsumbereitschaft der Amerikaner gesorgt. Zudem habe der massive Ölpreisverfall die Konsummöglichkeiten der privaten Haushalte unterstützt. Diese Entwicklungen hätten die Unternehmen zwar auch zu spüren bekommen, sie hätten aber aufgrund eines deutlich aufgewerteten US-Dollars und der spürbar gewordenen globalen Entschleunigung mit keiner höheren Investitionsbereitschaft reagiert. Im Gegenteil: Zuletzt sei der wichtige Frühindikator ISM PMI Manufacturing unter die kritische Marke von 50 Punkten getaucht, was eine fehlende Dynamik im verarbeitenden Sektor signalisiere. Immerhin notiere die entsprechende Stimmungsumfrage für Unternehmen im Dienstleistungssektor mit knapp 56 Punkten im klar expansiven Bereich, so dass momentan von einer Divergenz zwischen Produktions- und Service-Sektor zu sprechen sei. Eine Fortsetzung der Erholung in gemäßigtem Tempo sei auf dem Immobilienmarkt zu verzeichnen gewesen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt habe sich in 2015 klar aufgehellt. Insbesondere das Tempo war wieder einmal überraschend: So sei die Arbeitslosenquote von 5,6% zu Anfang des Jahres auf zuletzt 5,0% gefallen. Der Beschäftigungsaufbau habe im Monatsdurchschnitt bisher 210.000 Personen betragen. Auch andere wichtige Indikatoren des Arbeitsmarktes würden in eine positive Richtung weisen. Zuletzt habe zudem der Lohndruck etwas deutlicher zugenommen. Die insgesamt zur Verfügung stehende höhere Lohnsumme habe sich auch im stärkeren Konsum widerspiegelt.

Aufgrund einer verbesserten Konjunkturlage und insbesondere der Aufhellung auf dem US-Arbeitsmarkt habe die Federal Reserve im Dezember den Leitzins auf 0,50 Prozent angehoben. Nach dem Zögern im September, als die globalen Marktturbulenzen noch für Unruhe gesorgt und die Fed vor einem Zinsschritt abgehalten hätten, habe die Notenbank damit ihre sieben Jahre währende Nullzinspolitik beendet. In den Kommentaren des FOMC sei angemerkt worden, dass die zukünftige Geldpolitik weiterhin von den gemeldeten Daten abhängig sei. Weitere Zinsanhebungen würden zudem erfordern, dass sich insbesondere die noch sehr niedrige Inflation in Richtung der Zielmarke von 2,0% bewege. Neue Zinsschritte würden jedenfalls behutsam vorgenommen. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries habe nur verhalten reagiert und sei im Zuge der Zinswende nur moderat angestiegen. Im Vergleich zum Jahresbeginn 2015 notiere sie nur leicht höher. Die anhaltende Suche nach safe-haven-Anlagen und die im Vergleich zu anderen Währungsräumen weiterhin relativ hohe Verzinsung würden - wie schon in den Vorjahren - als Begrenzungspfeiler für die Anstiegsbewegungen wirken.

Deutlich niedriger als zu Jahresbeginn 2015 notiere der Euro am Jahresende bei knapp unter 1,10 USD. Er setze damit die Mitte 2014 begonnene Abwertungsbewegung ausgehend von 1,40 USD fort. Der Tiefpunkt sei bereits im März dieses Jahres bei knapp unter 1,0450 USD markiert worden - danach habe sich die europäische Gemeinschaftswährung im Bereich zwischen 1,05 und 1,17 USD stabilisiert. Die Diskussionen um eine mögliche Wiederkehr der europäischen Staatsschuldenkrise angesichts der griechischen Wahlen und die expansiver werdende EZB-Geldpolitik hätten auf den Euro gedrückt; eine schwächere konjunkturelle Phase in den USA im 1. Halbjahr sowie das Ausbleiben der ersten Zinsanhebung durch die Federal Reserve im Spätsommer hätten dagegen den Greenback belastet.

Nach einem aus makroökonomischer Perspektive zumindest nicht schwachen Jahr für die US-Wirtschaft - insbesondere im dritten Quartal 2015 hätten die BIP-Zahlen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten positiv überrascht - würden die Analysten der NORD LB auch in 2016 ein Wachstum erwarten, welches auf dem Potentialpfad liegen dürfte (oder nur ganz knapp darunter). In Zahlen gesprochen würden sie im neuen Jahr von einem Zuwachs der realen Wirtschaftsleistung im Bereich von 2,6% ausgehen. Zwar sei der wichtige Stimmungsindikator ISM PMI Manufacturing jüngst unter die magische Marke von 50 Zählern gefallen, die nach mechanistischer Interpretation als Wachstumsschwelle gelte. Im Dezember sei es bei diesem Indikator sogar noch zu einer weiteren (allerdings nur marginalen) Abschwächung auf lediglich 48,2 Zähler gekommen. Die in der Summe sicherlich unerfreuliche Entwicklung dieser Zeitreihe sollte in ihrer ökonomischen Bedeutung aber zunächst nicht überbewertet werden. Die Industrie, die zuletzt auch unter dem starken US-Dollar gelitten habe, spiele mit Blick auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten nämlich eher eine untergeordnete Rolle.

Der für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Dienstleistungsgesellschaft USA sicherlich weitaus relevantere ISM PMI Non-Manufacturing habe im Berichtsmonat November zwar ebenfalls einen Rücksetzer hinnehmen müssen, habe mit noch immer beachtlichen 55,9 Punkten aber weiterhin ein signifikantes Zulegen der Wertschöpfung angezeigt. Diese Nachricht spreche nach Auffassung der Analysten der NORD LB klar dafür, dass die US-Binnenwirtschaft auch in 2016 ein solides Fundament für das Wachstum in Nordamerika bleiben dürfte. Die aktuellen Zahlen vom Immobilienmarkt würden diese Hoffnung ebenfalls stützen. So hätten die Baubeginne im Berichtsmonat November mit einer Veränderungsrate von +10,5% M/M ebenso stark zugelegt wie die Baugenehmigungen, bei denen am aktuellen Rand ein Zuwachs von beachtlichen 11,0% M/M gemeldet worden sei. Während der ausgeprägte Anstieg der ersten Zeitreihe sicherlich auch als von der Schwäche im Vormonat ausgelöste Gegenbewegung gewertet werden müsse, würden die aktuellen Entwicklungen bei den Baugenehmigungen sicherlich eine sehr positive Überraschung darstellen. Zwar möge das milde Wetter von Pessimisten als verzerrender Stützungsfaktor ins Feld geführt werden, dennoch dürften die Daten nach Auffassung der Analysten der NORD LB schon als weiterer Hinweis in Richtung einer nach wie vor starken US-Binnenkonjunktur gewertet werden.

In diesem Umfeld habe die US-Notenbank erwartungsgemäß noch im Dezember 2015 eine erste vorsichtige Anhebung der Fed Funds Target Rate beschlossen. Für diese geldpolitische Maßnahme habe vor allem die erfreuliche Lage am Arbeitsmarkt gesprochen. So sei die Arbeitslosenquote zuletzt auf 5,0% gefallen. Nach Auffassung der Analysten der NORD LB werde die Notenbank nun allerdings nur sehr vorsichtig agieren wollen. Ein sehr ausgeprägter Anstieg der US-Hypothekenzinsen solle nämlich sicherlich verhindert werden. Die entsprechend zu erwartende lediglich zögerlich implementierte weitere Normalisierung der Geldpolitik in den USA werde dazu führen, dass die Kapitalmarktzinsen in Nordamerika eher zaghaft anziehen würden. Folglich werde die psychologisch wichtige Marke von 3,0% bei den Renditen der US-Staatsanleihen im Laufzeitband von 10 Jahren in den kommenden 12 Monaten wohl eher nicht nachhaltig überboten werden. Eine stärker zulegende CPI-Kernrate könnte die US-Notenbank allerdings unter größeren Handlungsdruck bringen. Dieses Szenario dürfte vor allem bei stärkerem Lohndruck an Relevanz gewinnen. Noch könne man in Washington aber (vor allem angesichts der Entwicklungen beim Headline-Index) schon entspannt auf die Inflationsentwicklung blicken. Kurzfristig möge der US-Dollar noch von der Zinswende in den Vereinigten Staaten profitieren. In den kommenden 12 Monaten müssten nach Auffassung der Analysten der NORD LB jedoch Stabilisierungstendenzen der Volkswirtschaften in Europa stärker in den Fokus des Devisenmarktes rücken, was dann zu leichtem Druck auf die US-Währung führen möge. Perspektivisch sei daher nach Einschätzung der Analysten der NORD LB eine Bewegung des Wechselkurses zwischen Euro und Dollar in Richtung 1,14 USD pro EUR zu erwarten. (08.01.2016/alc/a/a)





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