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Türkische Notenbank erhöht Zinsen stärker als erwartet


19.12.23 12:03
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die türkische Notenbank hob den Leitzins um weitere fünf Prozentpunkte auf 40% an, doppelt so stark wie es vom Marktkonsens erwartet worden war, so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Die Inflationsdaten hätten im Oktober bei einem Wert von 61,4% p. a. verharrt, weit über den früheren Prognosen. Die Notenbank habe eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung angedeutet, bis eine Verbesserung der Inflation zu beobachten sei, wobei der Disinflationsprozess voraussichtlich (erst) in der zweiten Jahreshälfte 2024 beginnen werde. Die Notenbank erwarte noch bis in den Mai hinein einen weiteren Inflationsanstieg auf 70 bis 75%.

Das Leistungsbilanzdefizit habe sich im September auf 4,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verringert, gegenüber 5,3% des BIP im August. Die Zentralbank habe zugleich einen kräftigen Anstieg ihrer Brutto-Fremdwährungsreserven auf den Rekordwert von 136,5 Milliarden US-Dollar berichtet. Das sei ein Anstieg von rund 38% seit Mai 2023. Beides seien gute Nachrichten für die von chronischer Devisenknappheit geplagte Türkei.

Kräftig zurückgegangen sei hingegen die Wirtschaftsdynamik, vor allem aufgrund eines einbrechenden privaten Konsums. Nachdem die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal noch mit einer Jahresrate von 13,9% expandiert habe, habe sich das Wachstum im dritten Quartal auf gerade einmal 1,1% p. a. verlangsamt. Der scharfe Rückgang beim Konsum sei allerdings durch höhere Netto-Exporte zum Teil wieder ausgeglichen worden, sodass das Wachstum jetzt zwar niedriger sei, dafür aber etwas besser ausbalanciert zu sein scheine als im Vorquartal.

Der Aktienmarkt in Istanbul habe im November um rund 9% zugelegt und damit einen Großteil des Rückgangs vom Oktober wieder aufgeholt. Für das bisherige Jahr stehe ein kräftiger Anstieg (in Lokalwährung) zu Buche. Für ausländische Investor:innen schrumpfe das Plus allerdings kräftig durch die starke Abwertung der Lira. (Ausgabe vom 11.12.2023) (19.12.2023/alc/a/a)