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Türkei: Notenbank erhöht Zinsen stärker als erwartet


22.01.24 10:30
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die türkische Notenbank hob im Dezember den Leitzins um weitere zweieinhalb Prozentpunkte auf 42,5% an, sieht ihn damit aber nahe am "angemessenen Niveau", so die Experten von Raiffeisen Capital Management.

Die Märkte sähen daher noch einen letzten Zinsschritt auf ca. 45% und dann vorerst ein Ende der Zinsanhebungen. Aktuell liege die Teuerungsrate noch weit über dem Leitzins der Notenbank. Die Inflationsrate sei im Dezember auf 64, 8% p.a. gestiegen (nach 62% im November) und auch die Notenbank selbst sehe bis in den Mai hinein weitere Anstiege, bevor sich dann ein kräftiger Rückgang einstellen solle.

Angesichts dessen habe die türkische Regierung eine Anhebung des Mindestlohnes für 2024 um 49% gegenüber 2023 verfügt. Rund ein Drittel aller Arbeitskräfte in der Türkei sei davon betroffen. Die Arbeitslosenrate signalisiere dabei einen engen Arbeitsmarkt. Mit 8,6% sei sie im Oktober auf den tiefsten Stand seit 2012 gefallen und habe im November mit 9% nur wenig höher gelegen. Die Ratingagentur Moody's habe den Ausblick für die türkische Bonitätseinstufung vor wenigen Tagen angehoben, von stabil auf positiv, und dabei vor allem auf die positiven Veränderungen in der Geldpolitik verwiesen. Zur Erinnerung: Bis zu seiner Wiederwahl als Staatspräsident habe Erdogan die Notenbank zu einer unorthodoxen Politik von Zinssenkungen trotz starker Inflationsanstiege genötigt. Nach seinem Wahlsieg habe er eine neue Notenbankführung ernannt und diese zu einer konventionellen Geldpolitik zurückkehren lassen, mit Zinserhöhungen zur Inflationseindämmung.

Unterdessen gebe es Entspannungssignale im Verhältnis zwischen der Türkei und Griechenland. Präsident Erdogan habe sich für eine Zusammenarbeit beider Länder bei der Nutzung von Kernenergie ausgesprochen. Mehr noch, er und der griechische Ministerpräsident Mitsotakis hätten in Athen eine Freundschaftserklärung zwischen Griechenland und der Türkei unterzeichnet. Ob dies in absehbarer Zeit auch zu einer friedlichen Beilegung des Streits um etliche Ägäis-Inseln und um Zypern führen werde, bleibe aber abzuwarten.

Der Aktienmarkt in Istanbul habe im Dezember um über 4% nachgegeben. Für das Gesamtjahr stehe zwar ein kräftiger Anstieg von über 34% in Lokalwährung zu Buche. Das liege aber weit unter der Teuerungsrate, bedeute also einen realen Wertverlust für inländische Investor:innen. Für ausländische Anleger:innen ergebe sich gegenüber dem Jahresbeginn ein Minus von rund 15% (in US-Dollar gerechnet) durch die starke Abwertung der Lira im Jahresverlauf. (Ausgabe vom 17.01.2024) (22.01.2024/alc/a/a)