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Tschechische Republik: Zinssenkungen im sicheren Modus


14.05.25 09:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Jahresstart ist in Tschechien gelungen: Gemäß der Schnellschätzung des realen BIP-Wachstums im ersten Quartal konnte die Wirtschaft an die robuste Konjunkturdynamik der zweiten Jahreshälfte 2024 anknüpfen und um 0,5% gegenüber dem Vorquartal (2,0% yoy) zulegen, so die Analysten der DekaBank.

Während die offiziellen Details noch fehlen würden, solle laut der Pressemittelung des Statistikamtes insbesondere der private Konsum positiv beigetragen haben, neben Investitionen und Außenhandel. Insbesondere bei der letzteren Komponente dürften die Vorzieheffekte in der Erwartung der US-Zollankündigungen eine Rolle gespielt haben. Die Entwicklung der Gesamtinflationsrate habe im März und April nach unten überrascht. Im April habe die Teuerungsrate 1,8% yoy (-0,1% mom) betragen und damit zum ersten Mal seit sieben Jahren unterhalb des Zentralbankziels von 2% (mit Toleranzband i.H.v. 1 Pp) gelegen. Hierzu beigetragen hätten aber in erster Linie die volatilen Komponenten Energie und Lebensmittel/Alkohol/Tabak, die nicht in der für die Geldpolitik wichtigeren Kerninflationsdefinition enthalten seien. Deshalb dürfte die Kerninflation zwar im Zielbereich der Zentralbank liegen, jedoch noch oberhalb des Ziels. Am 7. Mai habe das geldpolitische Komitee den Leitzins um 25 Bp auf 3,50% gesenkt. Die Zentralbank sehe zwar auf der einen Seite die deflationären Einflüsse des niedrigen Energiepreisumfeldes sowie des US-Protektionismus. Auf der anderen Seite würden die Währungshüter auch die pro-inflationären inländischen Einflussfaktoren betonen, wie die Lohnentwicklung sowie die Dienstleistungspreise und Mieten. Die Zentralbank betone die hohe Unsicherheit des ökonomischen Ausblicks. Der Leitzins sei angesichts der erhöhten Kerninflation bereits nahe des neutralen Niveaus, d.h. es bestehe wenig Raum für weitere Zinssenkungen. Doch da die EZB nach der Prognose der DekaBank mehr Zinsschritte vornehmen werde als ursprünglich angenommen (Einlagensatz Ende 2025: 1,50%), erwarte man auch von der tschechischen Zentralbank 2025 noch zwei weitere Zinsschritte auf dann 3,0% - jedoch im vorsichtigen Modus im Quartalsrhythmus.

Perspektiven: Die exportorientierte tschechische Volkswirtschaft reagiere stark auf die Entwicklung der globalen Konjunktur. Damit sei das Land anfällig gegenüber dem Anstieg des US-Protektionismus, obwohl die Handelsverflechtungen mit den USA selbst in dem für Tschechien zentralen Automobilsektor gering seien. DekaBank habe ihre Wachstumsprognose für 2025 und 2026 reduziert. Die strukturellen Schwächen der europäischen Automobilindustrie würden eine weitere Herausforderung darstellen. Die Absorption der EU-Mittel dürfte weiterhin einen wichtigen Konjunkturbeitrag leisten.

Länderrisiko: Das Rating Tschechiens befinde sich im sehr soliden Investment-Grade-Bereich (S&P und Fitch: AA-; Moody’s: Aa3), mit einem einheitlich stabilen Ausblick. Das Budgetdefizit sei während der Corona- und Energiekrise deutlich angestiegen. Die aktuelle 4-Parteien-Koalition unter Petr Fiala (ODS) habe einige Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung umgesetzt, wie eine Senkung der Unternehmenssubventionen oder eine Anhebung einiger Unternehmens- und Immobiliensteuersätze. Auch eine Rentenreform ist 2024-2025 umgesetzt worden. Doch im Herbst 2025 stünden die nächsten Parlamentswahlen in Tschechien an. Bei der Europawahl sei die populistische ANO mit ca. 26% die stärkste Kraft geworden und auch in den Umfragen zur Parlamentswahl liege sie vorne. Dieser Stimmenanteil dürfte den Populisten voraussichtlich nur zur Bildung einer Minderheitsregierung reichen. Doch eine mehrheitsfähige Koalition zwischen den "traditionellen" Parteien dürfte sich aufgrund der Fragmentierung der Parteilandschaft sehr langwierig gestalten. (Emerging Markets Trends vom 09.05.2025) (14.05.2025/alc/a/a)