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Trotz Krieg: Geldpolitischer Ton wird rauher


10.03.22 16:00
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die EZB probiert die Quadratur des Kreises, so TARGOBANK-Chefvolkswirt Dr. Otmar Lang.

Zum einen wolle die EZB ihr Anleiheankaufprogramm schneller zurückfahren als bisher geplant. Zum anderen aber habe sie kein Enddatum für die Anleihekäufe definiert. Außerdem wolle sie mehr Zeit zwischen der Beendigung des Quantitative Easings und der ersten Zinserhöhung verstreichen lassen. Zuletzt sei dieser Zeitraum noch mit "bald" (shortly) umschrieben worden. Jetzt heiße es: "mehr Zeit" (some time). Was das aber genau bedeute, bleibe offen. Klar sei nur: Der geldpolitische Ton der EZB sei rauher geworden.

Offensichtlich gebe es in der EZB zwei Lager: Die einen würden eine baldige geldpolitische Verschärfung anstreben, die anderen möchten - auch wegen des Ukraine-Konflikts - abwarten. Die heutigen Formulierungen von Christine Lagarde würden den Eindruck erwecken, dass die Falken, also die Gruppe, die eine geldpolitische Verschärfung in näherer Zukunft wünschen würden, weiter an Einfluss gewinnen würden.

Die heutige Botschaft scheine auf den ersten Blick etwas verworren. Doch bei der Betrachtung der EZB-Statements in den letzten Wochen und Monaten sei eine klare Linie zu erkennen: Ihre Handlungsbereitschaft, die Geldpolitik zu verschärfen werde von Monat zu Monat größer. Daran habe auch der Ukraine-Konflikt nichts geändert, der eigentlich etwas mildere Formulierungen zur kurzfristigen Ausrichtung der Geldpolitik hätte erwarten lassen. Dass diese nicht gekommen seien, sei möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die EZB die Inflationsgefahren lange Zeit nicht ernst genug genommen habe. (10.03.2022/alc/a/a)