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Trotz EZB-Zurückhaltung verliert der September seinen Schrecken


12.09.16 08:30
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Dem September eilt der Ruf als schlechtester Börsenmonat des Jahres voraus, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Daher würden sich dieser Tage Anleger wieder die Frage stellen, ob sie ihre Aktienbestände verkaufen sollten. In der Tat gebe es für Investoren im September historisch betrachtet nicht viel zu holen. In der Rückschau bis 1959 zeige sich, dass der Deutsche Aktienindex (DAX) in diesem Monat im Durchschnitt 2,06 Prozent verloren habe. Damit sei der September mit deutlichem Abstand zum August (minus 0,47 Prozent) der schlechteste Börsenmonat des Jahres. Dennoch gebe es für Anleger keinen Grund, jetzt das Handtuch zu werfen. Zum einen würden sich Statistiken aus der Vergangenheit nicht einfach auf die Zukunft übertragen lassen. Zum anderen habe die September-Regel gerade in der jüngeren Historie in die Irre geführt: Nur in drei der vergangenen zwölf Jahre habe es in diesem Monat einen Verlust gegeben, neunmal habe der DAX im September hingegen zugelegt - am stärksten 2013 mit einem Plus von 6,06 Prozent.

Auch 2016 müsse der September nicht zwangsläufig im Minus enden. Schon in den ersten Tagen des Monats habe der DAX in der Spitze ein Plus von fast 1,8 Prozent aufs Parkett gelegt. Weiterer Rückenwind komme von der Geldpolitik: Nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht würden die meisten Marktteilnehmer nicht mehr damit rechnen, dass die US-Notenbank FED bei ihrer nächsten Sitzung am 21. September an der Zinsschraube drehe. Japan wolle im Kampf gegen die Konjunkturflaute die Geldschleusen notfalls sogar noch weiter öffnen. Laut Zentralbankchef Haruhiko Kuroda könnten selbst "drastische Maßnahmen" erforderlich werden.

Auch Europas Währungshüter stünden Gewehr bei Fuß. Bei der jüngsten EZB-Sitzung am 8. September habe Mario Draghi bei den Zinsen zwar alles beim Alten gelassen und auch das gewaltige Anleihekaufprogramm sei zunächst nicht verlängert worden. Aber der EZB-Präsident habe auf der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung angedeutet, dass das Wertpapierankaufprogramm im Volumen von derzeit 80 Mrd. Euro monatlich falls notwendig auch über den März 2017 hinaus verlängert werden könne. "Wir sind bereit, alle Instrumente innerhalb des Mandats zu nutzen", so Draghi.

Das billige Geld solle die Konjunktur ankurbeln und die Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2 Prozent befördern. Im August habe die jährliche Teuerungsrate im Euroraum jedoch gerade einmal bei 0,2 Prozent gelegen. Nicht umsonst rechne der EZB-Rat damit, dass die Zinsen für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau bleiben würden. Da somit an Aktien weiterhin kein Weg vorbeiführe, könnte die September-Börsenregel auch 2016 auf den Kopf gestellt werden. (Ausgabe vom 09.09.2016) (12.09.2016/alc/a/a)