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Südafrika: Welche Folgen hat die Kabinettsumbildung für Anleger?
07.04.17 13:00
NN Investment Partners
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Mit dem Timing seiner Kabinettsumbildung in der vergangenen Woche hat der südafrikanische Präsident Zuma sowohl Anleger als auch Ratingagenturen überrascht, so Marcelo Assalin, Head of Emerging Market Debt bei NN Investment Partners.
Finanzminister Pravin Gordhan und sein Stellvertreter Mcebisi Jonas seien durch Vertraute des Präsidenten ersetzt worden, die über wenig Erfahrung im Finanzministerium oder an den Finanzmärkten verfügen würden. Dadurch habe Südafrika an Glaubwürdigkeit verloren. S&P habe daher sofort das Rating auf ein spekulatives Niveau (BB+) gesenkt, bzw. auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe (BBB-) für Verbindlichkeiten in Lokalwährung. Auch der Ausblick sei auf "negativ" zurückgenommen worden, was als Warnung für südafrikanische Politiker zu verstehen sei: Die Toleranz für weitere politische Fehler sei gering.
Die Ratingherabstufung durch S&P hat die Experten von NN Investment Partners nicht überrascht, denn es ist möglich, dass die haushaltspolitische Disziplin unter einem neuen und unerfahrenen Finanzminister leidet. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden Moody's und Fitch dem Beispiel von S&P folgen und die jüngste Kabinettsumbildung ebenfalls ablehnen; es sei mit weiteren Ratingherabstufungen zu rechnen. Dies wiederum sollte weitere Verkäufe auslösen - vor allem, wenn die Herabstufungen so stark ausfallen würden, dass Südafrika aus den Investment-Grade-Indices herausfalle.
Zwar sei Südafrika vor der im Dezember anstehenden Wahl des neuen ANC-Parteivorsitzenden in eine Phase der riskanten Politik eingetreten; dennoch bestehe nach Erachten der Experten kein Anlass zur Panik, da Südafrikas institutionelles Rahmenwerk zahlreiche "Checks and Balances" beinhalte, die in gewissem Umfang als Puffer wirken dürften. Zudem sei sowohl innerhalb des ANC als auch bei den Oppositionsparteien und in der Öffentlichkeit heftiger und anhaltender Unmut gegen die Kabinettsumbildung laut geworden.
Im Jahr 2015 sei es schon einmal zu einer ähnlichen Episode gekommen. Damals habe Präsident Zuma den marktfreundlichen, glaubwürdigen Finanzminister Nene entlassen und ihn durch den relativ unbekannten Abgeordneten David van Rooyen ersetzt. Nach einem Rückschlag an den Finanzmärkten - die Renditen seien in die Höhegeschnellt, und der Südafrikanische Rand (ZAR) habe deutlich abgewertet - habe Zuma diese Entscheidung rasch revidiert und nur fünf Tage später den erfahrenen und respektierten Pravin Gordhan zum Finanzminister ernannt. Damals hätten die Ratingagenturen klar auf das Risiko hingewiesen, dass die institutionelle Stärke und Effektivität des Finanzministeriums Schaden nehmen könnten.
Nach einer Phase kräftigen Aufwertens (9,5 Prozent im bisherigen Jahresverlauf) habe eine leichte Abwertung des ZAR eingesetzt, als bekannt geworden sei, dass Präsident Zuma seinen Finanzminister Gordhan von dessen Reise nach Großbritannien und in die USA zurückbeordert habe. Nachdem die Nachricht von Gordhans Entlassung bestätigt worden sei, seien der ZAR sowie Anleihen verstärkt verkauft worden. Der ZAR habe von einem Schlusskurs von 12,40 USD/ZAR am 24. März auf 13,80 USD/ZAR abgewertet. Die Renditen 10-jähriger Lokalwährungsanleihen seien von 8,3 Prozent am 22. März auf über 9 Prozent angestiegen, und die Spreads für südafrikanische Staatsanleihen hätten sich im selben Zeitraum auf rund 280 Basispunkte geweitet. Nach der Herabstufung durch S&P sei es zu einer weiteren Verkaufswelle südafrikanischer Vermögenswerte gekommen. Das sei allerdings erwartet worden.
Trotz der negativen Ratingentscheidungen sei eines ermutigend: Auf sehr hoher Ebene sei man sich in Südafrika durchaus bewusst, wie wichtig ein starkes Finanzministerium sei und welchen Nutzen ein Investment-Grade-Rating biete. Aufgrund dieses Bewusstseins und der Reaktion auf den Abgang von Finanzminister Nene sei Pravin Gordhan im Jahr 2015 in einer ähnlichen Situation rasch ernannt worden. Dadurch hätten sich die Renditen stabilisiert und der ZAR habe gegenüber dem USD innerhalb von 15 Monaten um über 25 Prozent aufgewertet. Die Medien würden in Südafrika viel Freiheit genießen und die jüngste Kabinettsumbildung sei in weiten Kreisen abgelehnt worden.
Vor der Wahl des neuen Parteivorsitzenden des ANC würden die politischen Differenzen innerhalb der Partei stärker zutage treten. Derweil sei es beruhigend, dass das Finanzministerium in weiten Kreisen als starke und glaubwürdige Institution gelte und über zahlreiche Checks and Balances sowie erfahrene Angestellte verfüge. Der Haushalt sei bereits verabschiedet worden, sei weitgehend konservativ und werde in angemessen disziplinierter Weise umgesetzt. Südafrikanische Vermögenswerte seien liquide und seien es auch in der vergangenen Woche geblieben.
Südafrika habe vor kurzem sehr gute Leistungsbilanzdaten veröffentlicht, die für eine beachtliche Verbesserung der Terms of Trade sprechen würden. Dennoch bestehe ein strukturelles Leistungsbilanzdefizit fort. Aber auch die Südafrikanische Zentralbank (South African Reserve Bank, SARB) sei eine starke und glaubwürdige Institution, die ihre Ziele seit langem erfolgreich verwirkliche. Sie sei außerdem eine Zentralbank, die im Vergleich zu den Notenbanken in anderen Schwellenländern sehr wenig interveniere. Sie ziehe es vor, dass der Markt den Wechselkurs des ZAR festlege - selbst in extremen Stressphasen. Vor kurzem habe sie geäußert, der ZAR sei aus fundamentaler Sicht überbewertet. Daher dürfte sie wohl kaum ernsthaft auf die jüngsten Marktturbulenzen reagieren. Außerdem wisse die Zentralbank genau, wie wichtig ausländische Investitionen für die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits seien, sodass Kapitalverkehrskontrollen sehr unwahrscheinlich seien.
Präsident Zumas verzweifelter Schritt der Kabinettsumbildung ist nach Erachten der Experten von NN Investment Partners ein Hinweis darauf, dass seine Macht schwindet. Angesichts des öffentlichen Widerstands nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass Zuma als Präsident und möglicherweise auch als ANC-Vorsitzender nicht wiedergewählt werde. Die Frustration über die Korruption und die Unfähigkeit der Regierung, das Wachstum zu steigern und den Wohlstand gerechter zu verteilen, nehme zu. Die Ereignisse der vergangenen Woche würden die Diskussion über Südafrikas künftigen Kurs anheizen.
Da die Popularität des ANC im Vorfeld der Parlamentswahlen 2019 schwinde, steige die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kandidat wie Vizepräsident Cyril Ramaphose mit einem reformorientierteren Programm gewählt werde und die Rahmenbedingungen für ein längerfristiges Wachstum geschaffen würden.
Die Politik von Präsident Zuma bleibt unberechenbar und die Experten von NN Investment Partners werden die Entwicklungen in den kommenden Monaten weite sehr genau beobachten. Auch wenn die Volatilität kurzfristig hoch bleiben sollte, sei angesichts früherer Erfahrungen davon auszugehen, dass Südafrikas institutionelle Checks and Balances einen wirtschaftlichen Einbruch bzw. übermäßige Vermögenspreisverluste verhindern könnten. Südafrika hat sich bereits als widerstandsfähig gegenüber vergleichbaren politischen Fehlern erwiesen, und möglicherweise bringt uns die unglückliche jüngste Episode einem möglichen Kurswechsel und einer besseren Zukunft für Südafrika näher, so die Experten von NN Investment Partners. (07.04.2017/alc/a/a)
Finanzminister Pravin Gordhan und sein Stellvertreter Mcebisi Jonas seien durch Vertraute des Präsidenten ersetzt worden, die über wenig Erfahrung im Finanzministerium oder an den Finanzmärkten verfügen würden. Dadurch habe Südafrika an Glaubwürdigkeit verloren. S&P habe daher sofort das Rating auf ein spekulatives Niveau (BB+) gesenkt, bzw. auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe (BBB-) für Verbindlichkeiten in Lokalwährung. Auch der Ausblick sei auf "negativ" zurückgenommen worden, was als Warnung für südafrikanische Politiker zu verstehen sei: Die Toleranz für weitere politische Fehler sei gering.
Die Ratingherabstufung durch S&P hat die Experten von NN Investment Partners nicht überrascht, denn es ist möglich, dass die haushaltspolitische Disziplin unter einem neuen und unerfahrenen Finanzminister leidet. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden Moody's und Fitch dem Beispiel von S&P folgen und die jüngste Kabinettsumbildung ebenfalls ablehnen; es sei mit weiteren Ratingherabstufungen zu rechnen. Dies wiederum sollte weitere Verkäufe auslösen - vor allem, wenn die Herabstufungen so stark ausfallen würden, dass Südafrika aus den Investment-Grade-Indices herausfalle.
Zwar sei Südafrika vor der im Dezember anstehenden Wahl des neuen ANC-Parteivorsitzenden in eine Phase der riskanten Politik eingetreten; dennoch bestehe nach Erachten der Experten kein Anlass zur Panik, da Südafrikas institutionelles Rahmenwerk zahlreiche "Checks and Balances" beinhalte, die in gewissem Umfang als Puffer wirken dürften. Zudem sei sowohl innerhalb des ANC als auch bei den Oppositionsparteien und in der Öffentlichkeit heftiger und anhaltender Unmut gegen die Kabinettsumbildung laut geworden.
Im Jahr 2015 sei es schon einmal zu einer ähnlichen Episode gekommen. Damals habe Präsident Zuma den marktfreundlichen, glaubwürdigen Finanzminister Nene entlassen und ihn durch den relativ unbekannten Abgeordneten David van Rooyen ersetzt. Nach einem Rückschlag an den Finanzmärkten - die Renditen seien in die Höhegeschnellt, und der Südafrikanische Rand (ZAR) habe deutlich abgewertet - habe Zuma diese Entscheidung rasch revidiert und nur fünf Tage später den erfahrenen und respektierten Pravin Gordhan zum Finanzminister ernannt. Damals hätten die Ratingagenturen klar auf das Risiko hingewiesen, dass die institutionelle Stärke und Effektivität des Finanzministeriums Schaden nehmen könnten.
Trotz der negativen Ratingentscheidungen sei eines ermutigend: Auf sehr hoher Ebene sei man sich in Südafrika durchaus bewusst, wie wichtig ein starkes Finanzministerium sei und welchen Nutzen ein Investment-Grade-Rating biete. Aufgrund dieses Bewusstseins und der Reaktion auf den Abgang von Finanzminister Nene sei Pravin Gordhan im Jahr 2015 in einer ähnlichen Situation rasch ernannt worden. Dadurch hätten sich die Renditen stabilisiert und der ZAR habe gegenüber dem USD innerhalb von 15 Monaten um über 25 Prozent aufgewertet. Die Medien würden in Südafrika viel Freiheit genießen und die jüngste Kabinettsumbildung sei in weiten Kreisen abgelehnt worden.
Vor der Wahl des neuen Parteivorsitzenden des ANC würden die politischen Differenzen innerhalb der Partei stärker zutage treten. Derweil sei es beruhigend, dass das Finanzministerium in weiten Kreisen als starke und glaubwürdige Institution gelte und über zahlreiche Checks and Balances sowie erfahrene Angestellte verfüge. Der Haushalt sei bereits verabschiedet worden, sei weitgehend konservativ und werde in angemessen disziplinierter Weise umgesetzt. Südafrikanische Vermögenswerte seien liquide und seien es auch in der vergangenen Woche geblieben.
Südafrika habe vor kurzem sehr gute Leistungsbilanzdaten veröffentlicht, die für eine beachtliche Verbesserung der Terms of Trade sprechen würden. Dennoch bestehe ein strukturelles Leistungsbilanzdefizit fort. Aber auch die Südafrikanische Zentralbank (South African Reserve Bank, SARB) sei eine starke und glaubwürdige Institution, die ihre Ziele seit langem erfolgreich verwirkliche. Sie sei außerdem eine Zentralbank, die im Vergleich zu den Notenbanken in anderen Schwellenländern sehr wenig interveniere. Sie ziehe es vor, dass der Markt den Wechselkurs des ZAR festlege - selbst in extremen Stressphasen. Vor kurzem habe sie geäußert, der ZAR sei aus fundamentaler Sicht überbewertet. Daher dürfte sie wohl kaum ernsthaft auf die jüngsten Marktturbulenzen reagieren. Außerdem wisse die Zentralbank genau, wie wichtig ausländische Investitionen für die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits seien, sodass Kapitalverkehrskontrollen sehr unwahrscheinlich seien.
Präsident Zumas verzweifelter Schritt der Kabinettsumbildung ist nach Erachten der Experten von NN Investment Partners ein Hinweis darauf, dass seine Macht schwindet. Angesichts des öffentlichen Widerstands nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass Zuma als Präsident und möglicherweise auch als ANC-Vorsitzender nicht wiedergewählt werde. Die Frustration über die Korruption und die Unfähigkeit der Regierung, das Wachstum zu steigern und den Wohlstand gerechter zu verteilen, nehme zu. Die Ereignisse der vergangenen Woche würden die Diskussion über Südafrikas künftigen Kurs anheizen.
Da die Popularität des ANC im Vorfeld der Parlamentswahlen 2019 schwinde, steige die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kandidat wie Vizepräsident Cyril Ramaphose mit einem reformorientierteren Programm gewählt werde und die Rahmenbedingungen für ein längerfristiges Wachstum geschaffen würden.
Die Politik von Präsident Zuma bleibt unberechenbar und die Experten von NN Investment Partners werden die Entwicklungen in den kommenden Monaten weite sehr genau beobachten. Auch wenn die Volatilität kurzfristig hoch bleiben sollte, sei angesichts früherer Erfahrungen davon auszugehen, dass Südafrikas institutionelle Checks and Balances einen wirtschaftlichen Einbruch bzw. übermäßige Vermögenspreisverluste verhindern könnten. Südafrika hat sich bereits als widerstandsfähig gegenüber vergleichbaren politischen Fehlern erwiesen, und möglicherweise bringt uns die unglückliche jüngste Episode einem möglichen Kurswechsel und einer besseren Zukunft für Südafrika näher, so die Experten von NN Investment Partners. (07.04.2017/alc/a/a)


