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Die Suche nach Rendite wird schwieriger, aber nicht unmöglich


02.05.16 09:59
J.P. Morgan Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den ersten Monaten dieses Jahres erlebten Anleger einen deutlichen Anstieg der Volatilität, so die Experten von J.P. Morgan Asset Management.

Allein im S&P 500-Index seien bereits mehr als 26 Tage zu verzeichnen gewesen, an denen die Ausschläge mehr als ein Prozent pro Tag betragen hätten - das sei deutlich mehr als der historische Durchschnittswert. Würden sich die Turbulenzen im Jahresverlauf fortsetzen oder kehre Ruhe an den Märkten ein? Und wie gehe es mit Anleihen in Zeiten von Negativzinsen weiter? Würden sich Schwellenländeraktien wieder lohnen? Auf diese Fragen würden die Experten von J.P. Morgan Asset Management eingehen und in ihrem aktuellen "Guide to the Markets" einen Ausblick auf das nächste Quartal geben.

Europäische Anleger treibe derzeit vor allem die Frage um, wie sie mit den Negativzinsen in der Eurozone umgehen sollten. Vor allem renditeorientierte Anleger hätten es schwer, entsprechende Investments zu finden. Seit März habe sich dieses Szenario sogar noch verschärft, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) eine Senkung ihres Einlagezinses auf -0,4 Prozent verkündet, den Leitzins auf null gesenkt sowie eine Erhöhung und Ausweitung ihres Anleihekaufprogramms bekannt gegeben habe, das sich nun auch auf Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich erstrecke.

"Die Renditen im Investment-Grade-Bereich dürften durch die Maßnahmen der EZB in den Keller fallen. Das drängt Investoren in Anleihen mit höherem Risiko und längerer Laufzeit", stelle Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt, fest. Er betone, dass dieser Trend nicht nur in Europa, sondern weltweit zu beobachten sei. Insgesamt weise bereits ein Drittel aller globalen Staatsanleihen negative Renditen auf. "Anleger werden ihr Portfolio weiter anpassen müssen. Entweder müssen sie ihre Renditeerwartungen zurückschrauben oder höhere Risiken eingehen - vielleicht auch beides", gebe Galler zu bedenken.

Die Suche nach Rendite werde damit zwar schwieriger, aber nicht unmöglich. Chancen könnten sich am Aktienmarkt ergeben, wobei die Maßnahmen der Zentralbanken in diesem fortgeschrittenen Zyklus kaum noch für Kursgewinne sorgen dürften. Vielmehr sei laut Galler das Ausmaß der Gewinnentwicklung der Unternehmen entscheidend, denn eine weitere Ausweitung der Bewertungen sei eher unwahrscheinlich. Die globale Wirtschaft zeige aktuell keine Anzeichen einer drohenden Rezession, weshalb Aktien noch Chancen bieten würden. Allerdings liege das globale Wachstum nach wie vor unter den Erwartungen.

Angesichts dieser Kombination aus der andauernden Niedrigzinsphase, nicht mehr günstigen Bewertungen traditioneller Anlageklassen und wenig Wachstumsfantasie müssten Anleger mit erhöhter Volatilität rechnen. Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoll über den lokalen Tellerrand hinauszuschauen und weiter international zu diversifizieren, um Schwankungen besser abzupuffern und globale Ertragsquellen zu nutzen.

Ziel sollte darüber hinaus sein, über traditionelle Asset-Klassen hinweg zu denken, um direktionale Risiken zu reduzieren und die zukünftig wahrscheinlich niedrigeren traditionellen Markterträgen (Beta) mit zusätzlichem Alpha zu ergänzen. Breitere Diversifikation in Richtung alternativer Anlageformen biete Potenzial für höhere risikobereinigte Renditen und einen zusätzlichen Schutz vor Abwärtsrisiken.

Der Blick in die USA zeige, dass sich die US-Wirtschaft zwar erhole, allerdings seien dabei laut Galler zwei Aspekte zu berücksichtigen: "Die bisherige Erholung seit der Finanzkrise war im Vergleich zu anderen Erholungen weniger dynamisch und damit eher enttäuschend. Es wird immer ersichtlicher, dass das neue Trendwachstum der US-Wirtschaft über ein Prozent p. a. niedriger liegt als in den vergangenen Dekaden. Dennoch hat auch das niedrige Wachstum ausgereicht, die Arbeitslosenquote auf bis zu fünf Prozent zu verringern. Die aktuelle Quote ist nur noch rund ein Prozent von den Tiefständen der beiden letzten Konjunkturzyklen entfernt, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass positive Zyklus schon in die Jahre gekommen ist."

So sei die Sorge, dass die Dynamik sich dem Ende neige und die USA vor einer Rezession ständen nicht ganz unberechtigt. "Für dieses Jahr sehen wir in den USA aber ein sehr geringes Rezessionsrisiko", beschwichtige der Kapitalmarktstratege. "In den nächsten drei Jahren dürfte die Wahrscheinlichkeit einer Rezession jedoch deutlich ansteigen", füge Galler hinzu. Wenngleich die US-Notenbank FED, die ihre Geldpolitik sehr stark an die Entwicklung der US-Wirtschaft koppele, naturgemäß versuche, dieses Szenario zu vermeiden. Schon dieses Jahr agiere die FED weitaus weniger restriktiv als zu Beginn des Jahres erwartet. Während Anfang 2016 noch die Rede von vier Zinsschritten gewesen sei, werde die FED im laufenden Jahr womöglich nur noch ein- bis zweimal an der Zinsschraube drehen.

Die Zinspolitik der FED hinterlasse auch an den Aktienmärkten der Schwellenländer Spuren: "Der Dollar gibt die Richtung an - Aktien aus den Emerging-Markets haben wieder einmal bewiesen, dass sie sich gegen einen starken Dollar nicht durchsetzen können", betone Galler. Die Stärke des Greenback zeige jedoch nach 4,5 Jahren erste Anzeichen der Schwäche. Und auch fundamental gehöre der US-Dollar inzwischen zu den überbewerteten Währungen.

"Sollte die US-Währung nicht weiter zulegen, dürften die Schwellenländer davon profitieren, weil weniger Kapital abgezogen würde. Zudem spricht jetzt einiges für Schwellenländeraktien, da sie neben einer attraktiven Bewertung nach wie vor mit einer hohen Dividende punkten könnten", so der Experte und betone, dass die Dividende eine immer wichtigere Rolle bei der Erzielung ordentlicher Erträge spiele, da andere Asset-Klassen immer weniger in der Lage seien, diese zu liefern.

Insgesamt sehe der Kapitalmarktstratege die Entwicklung an den Märkten verhalten positiv: "Wir sind nicht euphorisch, doch vor allem China steht momentan besser da als von vielen proklamiert. Die Frühindikatoren und der Immobilienmarkt deuten sogar auf eine zyklische Erholung hin. Die mittelfristigen Risiken aufgrund der hohen Verschuldung des Unternehmenssektors bleiben jedoch weiter vorhanden und werden durch die aktuellen expansiven fiskalischen und monetären Maßnahmen noch größer." So sei auf Sicht bis zum Jahresende eine harte Landung oder Krise im Reich der Mitte nicht wahrscheinlich. (Ausgabe vom 29.04.2016) (02.05.2016/alc/a/a)