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Studie: Was haben Anleihen im Portfolio noch zu suchen?


22.06.21 12:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Zinsen sind ein rares Gut, so die Experten von "FONDS professionell".

Das raube hochsoliden Investments wie Staatsanleihen ihre Attraktivität. Zugleich untergrabe die hohe Schuldenlast den Glauben an die unerschütterliche Zahlungsfähigkeit vieler Industrienationen. Dennoch würden Anleger ein Sicherheitsnetz fürs Portfolio benötigen. Eingedenk dieses Dilemmas hätten Analysten des US-Fondshauses Vanguard abgeklopft, wie stark die Niedrigzinsen tatsächlich die Funktion von festverzinsten Papieren als Ausgleich zur Risikoanlage Aktie einschränken würden.

Dafür hätten die Autoren die rollierende Dreijahreskorrelation von Aktien mit Staats- und soliden Unternehmensanleihen sowie mit dem Geldmarkt untersucht - jeweils für die Länder Großbritannien und Deutschland. Das überraschende Ergebnis der Analyse: "Anleihen haben nichts von ihrem Diversifikationspotenzial verloren und sind auch weiterhin ein wichtiger Volatilitätsdämpfer in einem Multi-Asset-Portfolio - trotz einmalig niedriger Zinsen", würden die Autoren Giulio Renzi-Ricci und Lucas Baynes schreiben.

Für beide Länder hätten die Experten keinen höheren Gleichlauf von Staatsanleihen und Aktien im Niedrigzinsumfeld ermittelt, eher im Gegenteil. "Tatsächlich hat sich die negative Korrelation noch verstärkt, nachdem die Bundesanleihenrenditen unter die Marke von null Prozent gefallen waren", so die Autoren. Ähnliches gelte für britische Aktien und Staatsanleihen, wobei Gilts die Null-Prozent-Marke nicht durchbrochen hätten. Einen generell größeren Gleichlauf würden Renzi-Ricci und Baynes für Aktien und Unternehmensanleihen notieren, der sich in der Magerzinsphase noch verstärkt habe.

Gerade mit Blick auf die Niedrigzinsen knüpfe sich eine weitere Frage an. "Anleger wollen wissen, wie stark sich Anleihen entwickeln, wenn Aktien einbrechen", würden die Vanguard-Autoren anmerken. Daher habe das Duo in einem weiteren Schritt für die Jahre von 2003 bis November 2020 die Performance der Rentenmärkte in Phasen untersucht, in denen die Aktienkurse gefallen seien. Diese Prüfung hätten sie sowohl für Zeiten des "normalen" Zinsniveaus als auch für Niedrigzinsphasen unternommen.

Auch diese Analyse habe überraschende Ergebnisse zutage gefördert. Im rechnerischen Mittel hätten bei Korrekturen am Aktienmarkt in Niedrigzinsphasen Staatsanleihen eine höhere Performance als zu normalen Zinsniveaus erzielt. Im Detail betrachtet sei die Spannweite der Performance von öffentlichen Rentenpapieren in Niedrigzinszeiten deutlich enger ausgefallen. Bei den oberen fünf Prozent der Aktienkorrekturen habe die Performance von Bundesanleihen bei 2,2 Prozent gelegen, bei den unteren fünf Prozent bei minus 0,8 Prozent. Bei Aktienkorrekturen zu normalen Zinsniveaus habe sich die Verteilung von 3 bis minus 1,1 Prozent erstreckt.

Bei deutschen Unternehmensanleihen wiederum reiche die Performancespanne in Aktienmarktcrashs bei negativem Zinsniveau von 1,1 bis minus 3,3 Prozent, zu normalen Zeiten seien es 1,6 bis minus 1,2 Prozent gewesen. Diese Zahlen würden die vorigen Auswertungsergebnisse stützen: Staatsanleihen würden auch im Niedrigzinsumfeld Schutz gegen Risiken am Aktienmarkt bieten, und Anleger würden mehr als etwa am Geldmarkt oder mit Unternehmensanleihen verdienen.

Anleger sollten aber die Einschränkungen kennen. "Man darf nicht erwarten, dass unsere Ergebnisse bezüglich der negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen jeden Tag in der Woche gelten", betone Renzi-Ricci. "Wir fanden Zeiträume, in denen sich beide Anlageklassen in dieselbe Richtung bewegten, etwa im März 2020." Als sich die Finanzmärkte aber aus ihrer anfänglichen Corona-Panik gelöst hätten und zu einer gewissen Normalität zurückgekehrt seien, habe sich das zuvor beobachtete Verhältnis zwischen Aktien und Anleihen wieder eingestellt. (22.06.2021/alc/a/a)