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Steigen die Renditen wieder? US-Konjunktur und Spanien stehen im Mittelpunkt


06.11.12 13:50
Bank Sarasin & Cie AG

Zürich (www.anleihencheck.de) - Seit August 2012 bewegen sich die Renditen der Staatsanleihen von soliden Ländern wie Deutschland, der Schweiz oder den USA mehrheitlich seitwärts, so Dr. Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG.

Positive und negative Impulse hätten sich bisher die Waage gehalten. Anleihen-"negative" Impulse seien von der US-Notenbank (FED) und der Europäischen Zentralbank (EZB) gekommen. Sowohl die FED als auch die EZB hätten neue Programme angekündigt. Die FED lege ein neues Quantitative-Easing-Programm (QE3) auf. Die EZB wolle unter gewissen Bedingungen unlimitiert Anleihen von Euroland-Peripherieländern kaufen. Mit diesen zwei Programmen hätten die Zentralbanken die Investoren beruhigen können. Deren Ängste seien einerseits eine drohende Rezession in den USA, andererseits ein baldiges Auseinanderbrechen von Euroland gewesen.

Auf der Anleihen-"freundlichen" Seite habe die wirtschaftliche Entwicklung gestanden. Euroland befinde sich in einer Rezession. Ebenfalls Anleihen-"freundlich" seien die weiterhin bestehenden Unsicherheiten in Euroland gewesen. Die EZB habe sich bereit erklärt unlimitiert Staatsanleihen zu kaufen, falls das betreffende Land mit einem Antrag auf finanzielle Hilfe an den Rettungsschirm ESM herantrete. Spanien, auf das der Blick der Finanzmärkte gerichtet sei, habe aber bisher noch keinen solchen Hilfeantrag gestellt.

Es liege auf der Hand, dass ein solch labiles Gleichgewicht nicht ewig bestehen könne. Auf der Konjunkturseite gebe es die ersten Anzeichen, dass wichtige Stimmungsindikatoren für die Wirtschaftsentwicklung ihren Boden gefunden hätten. Der Einkaufsmanagerindex der US-Industrie notiere im September und im Oktober 2012 wieder über der 50-Marke, was ein Ende der Industrierezession anzeige. Diese Entwicklung werde durch einen Aufschwung im US-Immobilienmarkt sowie auch in der US-Konsumentenstimmung weiter verstärkt. Die US-Wirtschaft stehe am Anfang eines Aufschwungs, welcher bis Mitte 2013 andauern solle.

Spanien habe bisher gut damit leben können, auf einen Hilfeantrag zu verzichten. Die kurzfristigen Renditen würden zwar über drei Prozent notieren, da Spanien aber seine Schuldenaufnahme für das Jahr 2012 praktisch abgeschlossen habe, bedeute das im Moment keine große Belastung für das Land. Mit einem Zuwarten des Hilfeantrags habe Spanien einen gewissen taktischen Spielraum bei der Aushandlung der Bedingungen für Finanzhilfen gewonnen. Allerdings schließe sich das Zeitfenster für solche taktischen Überlegungen bald. Spanien müsse im nächsten Jahr über 200 Mrd. Euro an Anleihen platzieren.

Angesichts dieser Herausforderung sei es wahrscheinlich, dass die Regierung von Mariano Rajoy bis Jahresende einen Antrag stellen werde. Somit dürfte dieser Unsicherheitsfaktor in nächster Zeit auch wegfallen. Vor dem Hintergrund, dass sich die Konjunkturlage verbessere und ein baldiges Eingreifen der EZB immer wahrscheinlicher werde, dürfte das Gleichgewicht bald in Richtung höherer Renditen kippen. (06.11.2012/alc/a/a)