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Stehen wir vor einer Wende in der Haushaltspolitik?


16.12.16 10:45
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Drastisch zunehmende Staatsdefizite und -schulden zwangen die Industrieländer seit 2011 zu einer orthodoxen Haushaltspolitik, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.

Doch gleichzeitig hätten schwaches Wachstum und niedrige Inflationsraten den Regierungen Anlass gegeben, eine aktivere Geldpolitik zu betreiben und dabei auch unkonventionelle Mittel wie den Ankauf von Staatsanleihen einzusetzen.

Inzwischen habe sich die Situation verändert. Die Anleihekäufe von Notenbanken würden sich im vierten Quartal auf über 500 Milliarden US-Dollar belaufen. Doch welche Auswirkungen diese Maßnahmen auf die Wirtschaft und - mehr noch - die Finanzwelt hätten, werde heftig diskutiert. Die Folgen würden zunehmend in Form von Verzerrungen an den Finanzmärkten sichtbar.

Während es nur wenige Industrieländer geschafft hätten, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen, hätten die meisten zumindest ihre Primärdefizite deutlich reduzieren können. Natürlich gebe es immer noch ein paar Ausnahmen, und die Staatsverschuldung vieler Länder sei nach wie vor hoch. Sollten Regierungen zu Maßnahmen greifen, deren wirtschaftliche Kosten klar absehbar seien, wenn die Zinssätze historisch niedrig seien?

Bei großen Institutionen und Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), den Zentralbanken und der Europäischen Kommission sei ein bemerkenswerter Stimmungswandel zu beobachten. Unabhängig von ihrer Wortwahl würden sie inzwischen einhellig Strukturreformen und eine proaktivere Fiskalpolitik zur Anregung des Wachstums befürworten.

Die Instrumente der Geldpolitik, also Maßnahmen wie Liquiditätszufuhr, Zinsänderungen und Anleihekäufe, seien seit langem entscheidend, wenn es darum gehe, das Wirtschaftswachstum zu stärken. Diese Phase könnte jetzt allmählich zu Ende gehen. Auch wenn die Glaubwürdigkeit der Notenbanken zeitweise bedroht gewesen sei, hätten sich die von ihnen ergriffenen Maßnahmen positiv ausgewirkt, wenngleich sie allmählich an Effektivität verlieren würden.

Aus diesem Grund könnten durch Anleiheemissionen finanzierte Staatsausgaben in den nächsten Jahren an die Stelle der Geldpolitik treten. Gegenwärtig gebe es ein paar Gründe, skeptisch zu sein, was den Umfang möglicher Maßnahmen und die Art und Weise betreffe, wie sie auf den Weg gebracht würden. Es gebe aber so viele Anzeichen für eine Veränderung, dass man die Entwicklung nicht länger übersehen könne. Die Veränderung, die sich vollziehe, sei nicht nur rhetorischer Natur. (Ausgabe Dezember 2016) (16.12.2016/alc/a/a)