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Staatsanleihen: französische und deutsche Staatsanleihen weiterhin interessant


14.08.25 09:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - In zahlreichen Marktkommentaren war in den letzten Wochen wieder häufiger von "complacency" zu lesen, was ein hohes Maß an Selbstzufriedenheit unter den zunehmend optimistischen Investor:innen beschreibt und in Zusammenhang mit dem Aktienmarkt auf Rekordniveau auch eine gewisse Abkoppelung von den wirtschaftspolitischen Realitäten, so Karin Kunrath, CIO von Raiffeisen Capital Management.

Somit sei zu hinterfragen, ob das Kursniveau an den (US-)Börsen gerechtfertigt sei, wenn aktuelle Belastungsfaktoren offenbar weitgehend ausgeblendet würden und der Anlegerfokus bereits auf den kommenden Quartalen bzw. auf dem nächsten Jahr liege. Es sei tatsächlich so, dass die Unternehmen auf herausfordernde Rahmenbedingungen in der Vergangenheit immer wieder rascher und effektiver hätten reagieren können, als man ursprünglich hätte annehmen können. Dadurch erscheine ein gesundes Maß an Optimismus und ein Hinwegsehen über unmittelbar dämpfende Effekte gerechtfertigt.

Obwohl es noch eine Reihe an Unsicherheiten rund um die erratische Zollpolitik gebe, die insbesondere für die USA ein Abwärtsrisiko beim Wachstum und ein Aufwärtsrisiko für die Inflation darstelle, so habe der Einfluss auf den Kapitalmarkt in den letzten Wochen auch infolge resilienter Makrodaten stetig abgenommen. Der Druck auf die FED, wieder Zinsen zu senken, sei hingegen am Steigen, zumal sich einerseits trotz der schon eingeführten Importzölle bis dato kein markanter Inflationsanstieg eingestellt habe und andererseits die jüngsten Arbeitsmarktdaten unter Erwartung ausgefallen seien.

Was die im Vorfeld deutlich nach unten revidierten Gewinnerwartungen für das zweite Quartal betreffe, so hätten diese im Laufe der Berichtssaison klar übertroffen werden können und auch der Ausblick auf das künftige Gewinnwachstum stelle sich aus heutiger Sicht durchaus konstruktiv dar. Das ambitionierte Bewertungsniveau und die zuletzt technisch überkaufte Konstellation am Aktienmarkt würden verdeutlichen, dass in kurzer Zeit viel Optimismus in den Kursen eingepreist worden sei, was eine Phase mit erhöhter Volatilität wahrscheinlicher mache.

Solange jedoch die regelmäßigen Reality Checks im Rahmen der Quartalsberichte insbesondere bei den führenden US-Wachstumsunternehmen weiterhin so positiv ausfallen würden, und damit auch aufgezeigt werde, dass die Auswirkungen der Zölle für die Wirtschaft verträglich seien, sollte der Markt entsprechend gut unterstützt bleiben. Man sei bei Aktien aktuell neutral positioniert.

Staatsanleihen: Französische und deutsche Staatsanleihen weiterhin interessant

Die Experten von Raiffeisen Capital Management würden mit sinkenden Renditen bei deutschen Staatsanleihen mit mittlerer Laufzeit (5 Jahre) rechnen und seien hier entsprechend positiv eingestellt. Aufgrund fehlender Einschätzbarkeit der US-Administration würden sie bei US-Staatsanleihen Duration neutral positioniert bleiben, jedoch (wie auch bei deutschen Staatsanleihen) mit einer noch steileren Zinskurve am langen Ende rechnen. Euro-Staatsanleihen (insbesondere französische und deutsche) würden die Experten als chancenreich erachten.

Unternehmensanleihen: In den Sommermonaten weniger Neuemissionen

Am Markt für Unternehmensanleihen würden die Experten von Raiffeisen Capital Management (trotz der zuletzt guten Ertragsentwicklung) bei US-High-Yield-Unternehmensanleihen vorsichtig bleiben. Sie würden mittelfristig mit steigenden Risikoprämien rechnen und sich bei dieser Anleiheklasse gegenüber US-Staatsanleihen zurückhalten. Da in den Sommermonaten weniger Neuemissionen zu erwarten seien, dürfte auch die Liquidität am Sekundärmarkt kurzfristig eher dünn bleiben. Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen bleibe man unverändert neutral positioniert.

Emerging Markets-Anleihen: Enthusiasmus des Marktes nicht schlüssig

Bei Emerging Markets-Hartwährungsanleihen würden die Experten von Raiffeisen Capital Management weiterhin vorsichtig bleiben und sich dem Optimismus des Marktes hinsichtlich Schwellenländer-Papieren nicht anschließen. Speziell die durch die USA verhängten Zölle gegenüber den Emerging Markets-Handelspartnern dürften mittelfristig negativ wirken. Man denke, dass hier ein Schönwetter-Szenario diskontiert werde, das mit den realen Gegebenheiten (Wirtschaftsdynamiken, geopolitische Eventrisiken etc.) nicht zusammenpasse, und fokussiere sich auf andere Ertragsbringer.

Entwickelte Aktienmärkte würden sich sehr resilient zeigen

Die globalen Aktienmärkte hätten sich zuletzt sehr resilient bezüglich negativer Nachrichten gezeigt. Trotz der Ankündigung von neuen Zöllen scheine aktuell weiter die Hoffnung zu überwiegen, dass sich der Schaden für die Unternehmen in Grenzen halte. Die Stimmung scheine kurzfristig zwar schon etwas optimistisch (Kontraindikator), die Indikatoren hätten sich zuletzt aber leicht verbessert und die Experten von Raiffeisen Capital Management hätten daher die Aktienausrichtung auf eine neutrale Positionierung verstärkt.

Emerging Markets-Aktien: Zuletzt hätten Telekom und Finanzwerte profitieren können

Nach der durchwachsenen Entwicklung von US-Aktien in den letzten Monaten sei eine globale Erholung eingetreten, die insbesondere an den entwickelten Märkten stattgefunden habe. Dennoch hätten EM-Aktien den Performancevorteil halten können, den sie bisher in diesem Jahr herausgeholt hätten. Weiter fraglich bleibe, wie sich die Maßnahmen der US-Regierung konjunkturell auswirken würden. Die fundamentale Bewertung für die EM-Region sei weiter recht günstig. Seit Jahresbeginn hätten insbesondere Telekom und Finanzwerte profitieren können.

Rohstoffmärkte: Zoll-Diskussionen würden Industriemetalle belasten

Die internationalen Rohstoffmärkte hätten sich zuletzt uneinheitlich präsentiert. Edelmetalle hätten sich jüngst wieder etwas stärker entwickelt. Strukturell würden Zentralbankkäufe weiter für anhaltende Unterstützung sorgen. Bei Industriemetallen würden Zoll-Diskussionen rund um Kupfer die Preisentwicklung belasten. Die Experten von Raiffeisen Capital Management sähen den Bereich Edelmetalle auch in den nächsten Monaten gut unterstützt. (14.08.2025/alc/a/a)