Erweiterte Funktionen

Staatsanleihen zu Jahresbeginn attraktiv


03.01.24 09:00
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Inflation hat in den vergangenen Wochen in fast allen Ländern und Regionen weiter abgenommen, so die Experten von Swisscanto.

Insbesondere in der Eurozone und Großbritannien sei sie zuletzt markant gesunken. Und in der Schweiz liege sie bereits seit einem halben Jahr wieder innerhalb des von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) definierten Zielbereichs von 0% bis 2%. Auch unter Ausklammerung der volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise sei der Abwärtstrend mittlerweile unübersehbar. Selbst im Dienstleistungssektor, wo der Preisdruck bis vor Kurzem noch hartnäckig hoch gewesen sei, beginne sich die Situation nun zu entspannen. Firmenumfragen und vorausschauende Indikatoren würden auf einen weiteren Inflationsrückgang in den kommenden Monaten deuten.

Die Kombination aus rückläufiger Inflation und wachsenden Hoffnungen auf eine sanfte wirtschaftliche Landung habe den Zinssenkungsfantasien der Anleger zum Jahresende weiteren Auftrieb verliehen. Die Unsicherheit über den Konjunkturverlauf bleibe zwar groß. Aber allein der deutliche Rückgang der Inflation sollte für die Notenbanken Grund genug sein, um den Fuß allmählich vom Bremspedal zu nehmen und die Leitzinsen etwas weniger restriktiv auszugestalten.

Rechne man beispielsweise die Kerninflation der vergangenen drei Monate in der Eurozone und Großbritannien auf ein Jahr hoch, so erhalte man mit 0,8% und 1,4% bereits sehr tiefe Werte. Diese würden nahelegen, dass die Notenbanken bald von ihrem harten Kurs abkehren sollten, wenn sie nicht ein deutliches Unterschießen des Inflationszieles von 2% riskieren wollten.

Die rückläufige Inflation und die damit verbundene Vorfreude auf die geldpolitische Wende hätten gegen Ende 2023 für eine starke Erholung an den Aktienmärkten gesorgt. Der Weltaktienindex habe im Dezember ein neues Rekordhoch erreicht. Das Jahr 2024 dürfte demgegenüber eher im Zeichen der realwirtschaftlichen Entwicklung stehen. Die aktuellen Aktienbewertungen würden die konjunkturelle Abkühlung noch nicht vollends reflektieren, weshalb die Volatilität im 1. Quartal steigen dürfte. Die erwartete Konjunkturschwäche dürfte allerdings schnell verdaut sein.

Zudem seien die Zeiten vorbei, in denen die Anleger keine Alternative zu Aktien gehabt hätten. Anleihen würden wieder ansehnliche Renditen abwerfen und deren Kurse würden von der Konjunkturschwäche, dem Inflationsrückgang und den kommenden Leitzinssenkungen der Notenbanken profitieren. Mit der konjunkturellen Stabilisierung und dem neutralen Zinsumfeld würden auch die Aktienmärkte wieder positiver tendieren, weshalb die Chancen gut stünden, dass das gemischte Portfolio im Jahr 2024 und darüber hinaus wieder erfolgreich sein werde.

Investoren in Staatsanleihen dürften dem Jahr 2024 entspannt entgegenblicken. Staatsanleihen würden wieder positive Renditen abwerfen und ihre Kurse dürften auch 2024 von den bereits genannten Faktoren profitieren. In Währungsregionen, in denen die Leitzinsen deutlich über dem neutralen Wert lägen und die Realrenditen überdurchschnittlich positiv seien, würden die Experten am meisten Potenzial für Renditerückgänge sehen. In diesem Zusammenhang würden insbesondere die hohen US-Realzinsen auffallen, die US-Staatsanleihen unterstützen würden. Aufgrund des anhaltenden Abbaus der Notenbankbilanzen (QT) und einer hohen Aktivität bei Neuemissionen (zum Beispiel wegen des US-Fiskaldefizits) würden die Experten allerdings für 2024 mit einem geringeren Renditerückgang als bisher und mit einer Versteilerung der Zinskurve rechnen.

Die globale Wirtschaftsaktivität dürfte zu Jahresbeginn noch enttäuschen. Dies könnte mit höheren Spreads von auf US-Dollar lautenden Anleihen aus den Schwellenländern einhergehen. Denn die Rezessionsrisiken in den Industrieländern würden die Exporte der Schwellenländer belasten. Die Experten würden allerdings nur eine milde globale Konjunkturschwäche prognostizieren. Daher würden sie davon ausgehen, dass ein allfälliger Rückgang der Risikobereitschaft der Anleger nur von kurzer Dauer sein werde. Ein Anstieg der Spreads wäre ein guter Zeitpunkt, das Engagement bei den Schwellenländern zu erhöhen und längerfristig von der hohen Rendite zu profitieren. Das Gleiche gelte auch für Unternehmensanleihen, bei denen sich im Jahresverlauf Chancen für ein Übergewicht bieten könnten.

Die Aktienmarktfavoriten der Experten lägen aktuell in den Industriestaaten. Dort spreche einiges dafür, dass die US-Aktien auch 2024 von ihren strukturellen Vorteilen getragen würden. Die demografische Entwicklung, die das Arbeitsangebot bestimme, stelle sich in den USA deutlich besser dar als in stärker alternden Gesellschaften wie beispielsweise Japan oder Europa. Zudem sei die Produktivität der Arbeitnehmer in den USA sehr hoch und könnte in Zukunft durch den vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) noch gesteigert werden. Dies treffe zwar auch auf die Arbeitnehmer in anderen Regionen der Welt zu.

Da die USA aber aktuell eine Vorreiterrolle bei der Erforschung von KI spielen würden, sollten dort die entsprechenden Produktivitätsgewinne auch schneller realisiert werden können. Das Fundament für die seit Jahren überdurchschnittliche Gewinnentwicklung bleibe somit intakt, was auch den Bewertungsaufschlag zu einem großen Teil erkläre. Aufgrund dieses soliden Fundaments würden die Experten davon ausgehen, dass die von ihnen erwartete milde Rezession in den USA etwas tiefere Spuren an den anderen, von ihrer Sektorstruktur her konjunktursensitiveren Aktienmärkten hinterlassen werde.

Vergleiche man die Entwicklung 2023 mit derjenigen von 2022, so falle auf, dass sie für die meisten Anlagestile spiegelbildlich verlaufe. Die Verlierer des Vorjahres seien die Gewinner 2023 und umgekehrt gewesen. Der einzige der von ihnen betrachteten Stile, der in beiden Jahren eine Überschussrendite gegenüber dem Weltindex erzielt habe, sei "Large Caps" gewesen. Dies sei bemerkenswert, weil die Schwergewichte der IT- und Kommunikationsbranche 2022 deutlich Federn hätten lassen müssen. Tatsächlich aber seien Aktien dieser Kategorie im Durchschnitt eine weniger riskante Investition. Das sei gerade in unsicheren Zeiten ein wichtiger Faktor. Insofern könnten sie auch 2024 zu den Gewinnern zählen. Denn nach den von ihnen erwarteten milden Rezessionen in den USA und der Eurozone würden die Experten mit einer nur schwachen Erholung rechnen.

Die globale Geldpolitik dürfte zwar weniger restriktiv werden, die Refinanzierungskosten würden aber höher als im Durchschnitt der vergangenen Jahre bleiben. Beides deute nicht auf eine dynamische Aufholjagd der Small Caps hin. Bei den Stil-Paaren Value und Growth sowie Defensive und Zykliker spreche das Umfeld nach Erachten der Experten weiterhin eher für die jeweils Letztgenannten. Ihre Bewertungen seien aber mittlerweile hoch, sodass mit einer größeren Schwankungsbreite gerechnet werden dürfe.

Die globale Wachstumsabschwächung werde zu Beginn des Jahres 2024 weiter auf der Rohstoffnachfrage lasten. Mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung im Jahresverlauf dürfte die Nachfrage aber insbesondere bei den konjunktursensitiven Rohstoffen wieder anziehen. Strukturell bestehe im Zusammenhang mit der Energiewende überdurchschnittliches Potenzial bei den Industriemetallen. Beispielsweise werde in Elektrofahrzeugen mehr als doppelt so viel Kupfer verbaut wie bei einem herkömmlichen Verbrennungsmotor. Auf Sicht von einem Jahr würden die Experten bei Kupfer wie auch bei den übrigen Industriemetallen mit höheren Preisen rechnen.

Beim Ölpreis würden die Experten hingegen von einer Seitwärtstendenz ausgehen. Der Markt werde das Jahr in einem leichten Defizit starten. Im Jahresverlauf dürfte das Mehrangebot größtenteils durch eine stärkere Nachfrage kompensiert werden. Nach oben sollten die signifikanten Reservekapazitäten der OPEC-Länder den Preis begrenzen. Nach unten biete der Wiederaufbau von strategischen Reserven Unterstützung. Das US-Energieministerium habe im Dezember bekräftigt, bei Preisen von unter USD 79 pro Fass die zuvor stark abgebauten Ölreserven wieder aufstocken zu wollen. Die Preisangabe beziehe sich dabei auf die Rohölsorte WTI, die zurzeit mit einem Abschlag zu Brent von rund USD 5 pro Fass handele. (03.01.2024/alc/a/a)