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Staatsanleihemärkte durch Entscheidung der FED verunsichert
02.10.13 16:39
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidung der FED, ihre expansive Geldpolitik vorerst doch beizubehalten, hat die Staatsanleihemärkte verunsichert, so die Experten von ING Investment Management.
Aktien hätten dagegen profitiert. Auch für die Emerging Markets sei das - wenn auch nur vorübergehend - positiv. Zudem steige die Divergenz innerhalb der Schwellenländer-Volkswirtschaften.
Im MarketExpress der vergangenen Woche hätten die Experten die FED-Entscheidung diskutiert, ihre Anleihekäufe noch nicht zu reduzieren. Grund für den Rückzug seien die anstehenden Verhandlungen zu Nachtragshaushalt und Schuldengrenze, etwas schwächere Arbeits- und Immobilienmarktdaten sowie der recht deutliche Anstieg der Treasury-Renditen gewesen.
Die FED-Entscheidung beeinflusse den Marktausblick vor allem auf zweierlei Weise: Erstens führe sie zu mehr Unsicherheit, was die Geldpolitik in näherer Zukunft betreffe, und damit zu höheren Prämien und höherer Volatilität an den Staatsanleihemärkten. Zweitens unterstreiche sie die Bereitschaft der FED, auf längere Sicht eher eine höhere Inflation hinzunehmen als das Wirtschaftswachstum auf kurze Sicht zu gefährden. Damit würden die Risiko-/ Ertragsaussichten für Staatsanleihen sinken, während Wachstums-Assets wie Aktien und Rohstoffe profitieren würden.
Die Experten würden in den nächsten Monaten mit einem weiteren Anstieg der Renditen auf 10-jährige US-Anleihen rechnen. Dafür würden vor allem drei Gründe sprechen. Erstens seien die Risikoprämien am Anleihemarkt inzwischen auf das historische Durchschnittsniveau gestiegen. Angesichts der verwirrenden Kommunikationspolitik der FED sei mit einem Rückgang vorerst nicht zu rechnen. Zweitens dürfte der Aufschwung in den USA anhalten. Die kalte Progression sei mittlerweile wohl ausgestanden, das Basisszenario der Experten sei auf die altbekannte Problematik der Schuldengrenze ausgerichtet. Drittens würden die Portfolioflussdaten eine "Great Rotation" signalisieren, also die Umschichtung von Anleihen in Aktien.
Interessant sei der Blick auf die Entwicklungen an den Währungsmärkten, vor allem bei EM-Währungen. Die EM-Währungen würden sich weiterhin an den Erwartungen für den US-Leitzins, die FED Fund Rate orientieren.
Seit FED-Chef Bernanke im Mai den Einstieg in den Ausstieg aus der QE angekündigt habe, würden die Märkte eine höhere Fed Funds Rate einpreisen. Im Zeitraum Mai-August seien die EM-Währungen schwer unter Druck gekommen, da viele Schwellenländer auf den üppigen Kapitalzustrom angewiesen gewesen seien. Es habe daher nicht überrascht, dass die EM-Währungen scharf angezogen hätten, nachdem die FED am 18. September eine Verschiebung des Tapering angekündigt habe.
Seit der FED-Entscheidung würden die Märkte daher eine expansivere Entwicklung der Fed Funds Rate einpreisen. Der Dezember-2015-Kontrakt rentiere jetzt 0,88% ggü. 1,2% vor der FED-Sitzung (und 1,4% vor den unerwartet schwachen Arbeitsmarktdaten Anfang September).
Höhere US-Renditen würden weiterhin ein Risiko für EM-Währungen darstellen. Die Märkte dürften weiter auf die Länder fokussieren, bei denen die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits problematisch sei.
Doch die Konjunkturdaten in den Schwellenländern würden sich bereits erholen. Ab Ende August hätten viele EM-Währungen davon profitiert, während die US-Renditen weiter gestiegen seien. Ferner sei es zu deutlichen Kapitalabflüssen aus EM-Lokalwährungsanleihen gekommen; der Barmittelanteil an EMD-Fonds sei auf ca. 9% angehoben worden. Auf kurze Sicht sei daher ein Aufwärtspotenzial für EM-Währungen zu erwarten, das eher taktisch als strategisch zu nutzen wäre.
Längerfristig bleibe es bei der für EM-Währungen schwierigen Kombination aus schwachen EM-Rahmendaten und anhaltenden Liquiditätssorgen weltweit. Der Druck auf Länder und Währungen mit schwachem Wachstum, Strukturproblemen und erheblichem Finanzierungsbedarf werde wohl zunehmen. Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung der EM-Asset-Märkte sei eine konsequente Reformpolitik in allen Schwellenländern. Faktoren wie trüberes Investitionsklima, geringere Wettbewerbsfähigkeit, zunehmende Makro-Ungleichgewichte und wachsende Anfälligkeit des Bankensystems müssten angegangen werden.
Innerhalb der aufstrebenden Welt zeichne sich eine zunehmende Divergenz ab. China und die offenen, stärker industrialisierten Volkswirtschaften Asiens, wie Südkorea und Taiwan, würden sich erholen, während die Länder mit hoher Auslandsverschuldung und vormals geradezu explodierender Binnennachfrage weiter nachlassen würden.
Das gelte für die Türkei und Südafrika, deren Leistungsbilanzdefizite auf 7,5 bzw. 6,5% geklettert seien, sowie Indien und Südafrika, wo die Inflation erheblich steige. Zwei Tage nach der FED-Sitzung habe die Reserve Bank of India (RBI) schließlich die Zinsen angehoben. Damit habe die Notenbank recht spät auf den Druck durch Kapitalabflüsse und die populistischere Politik der indischen Regierung reagiert.
Jetzt stehe die Inflationsentwicklung wieder im Mittelpunkt, angesichts der steigenden Headline-Inflation und der wohl anhaltenden Rupie-Schwäche völlig zu Recht. Indien müsse sich auf das neue globale Umfeld einstellen; die RBI müsse auf die Regierung einwirken, ihre Wirtschaftspolitik entsprechend anzupassen. (02.10.2013/alc/a/a)
Aktien hätten dagegen profitiert. Auch für die Emerging Markets sei das - wenn auch nur vorübergehend - positiv. Zudem steige die Divergenz innerhalb der Schwellenländer-Volkswirtschaften.
Im MarketExpress der vergangenen Woche hätten die Experten die FED-Entscheidung diskutiert, ihre Anleihekäufe noch nicht zu reduzieren. Grund für den Rückzug seien die anstehenden Verhandlungen zu Nachtragshaushalt und Schuldengrenze, etwas schwächere Arbeits- und Immobilienmarktdaten sowie der recht deutliche Anstieg der Treasury-Renditen gewesen.
Die FED-Entscheidung beeinflusse den Marktausblick vor allem auf zweierlei Weise: Erstens führe sie zu mehr Unsicherheit, was die Geldpolitik in näherer Zukunft betreffe, und damit zu höheren Prämien und höherer Volatilität an den Staatsanleihemärkten. Zweitens unterstreiche sie die Bereitschaft der FED, auf längere Sicht eher eine höhere Inflation hinzunehmen als das Wirtschaftswachstum auf kurze Sicht zu gefährden. Damit würden die Risiko-/ Ertragsaussichten für Staatsanleihen sinken, während Wachstums-Assets wie Aktien und Rohstoffe profitieren würden.
Die Experten würden in den nächsten Monaten mit einem weiteren Anstieg der Renditen auf 10-jährige US-Anleihen rechnen. Dafür würden vor allem drei Gründe sprechen. Erstens seien die Risikoprämien am Anleihemarkt inzwischen auf das historische Durchschnittsniveau gestiegen. Angesichts der verwirrenden Kommunikationspolitik der FED sei mit einem Rückgang vorerst nicht zu rechnen. Zweitens dürfte der Aufschwung in den USA anhalten. Die kalte Progression sei mittlerweile wohl ausgestanden, das Basisszenario der Experten sei auf die altbekannte Problematik der Schuldengrenze ausgerichtet. Drittens würden die Portfolioflussdaten eine "Great Rotation" signalisieren, also die Umschichtung von Anleihen in Aktien.
Interessant sei der Blick auf die Entwicklungen an den Währungsmärkten, vor allem bei EM-Währungen. Die EM-Währungen würden sich weiterhin an den Erwartungen für den US-Leitzins, die FED Fund Rate orientieren.
Seit der FED-Entscheidung würden die Märkte daher eine expansivere Entwicklung der Fed Funds Rate einpreisen. Der Dezember-2015-Kontrakt rentiere jetzt 0,88% ggü. 1,2% vor der FED-Sitzung (und 1,4% vor den unerwartet schwachen Arbeitsmarktdaten Anfang September).
Höhere US-Renditen würden weiterhin ein Risiko für EM-Währungen darstellen. Die Märkte dürften weiter auf die Länder fokussieren, bei denen die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits problematisch sei.
Doch die Konjunkturdaten in den Schwellenländern würden sich bereits erholen. Ab Ende August hätten viele EM-Währungen davon profitiert, während die US-Renditen weiter gestiegen seien. Ferner sei es zu deutlichen Kapitalabflüssen aus EM-Lokalwährungsanleihen gekommen; der Barmittelanteil an EMD-Fonds sei auf ca. 9% angehoben worden. Auf kurze Sicht sei daher ein Aufwärtspotenzial für EM-Währungen zu erwarten, das eher taktisch als strategisch zu nutzen wäre.
Längerfristig bleibe es bei der für EM-Währungen schwierigen Kombination aus schwachen EM-Rahmendaten und anhaltenden Liquiditätssorgen weltweit. Der Druck auf Länder und Währungen mit schwachem Wachstum, Strukturproblemen und erheblichem Finanzierungsbedarf werde wohl zunehmen. Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung der EM-Asset-Märkte sei eine konsequente Reformpolitik in allen Schwellenländern. Faktoren wie trüberes Investitionsklima, geringere Wettbewerbsfähigkeit, zunehmende Makro-Ungleichgewichte und wachsende Anfälligkeit des Bankensystems müssten angegangen werden.
Innerhalb der aufstrebenden Welt zeichne sich eine zunehmende Divergenz ab. China und die offenen, stärker industrialisierten Volkswirtschaften Asiens, wie Südkorea und Taiwan, würden sich erholen, während die Länder mit hoher Auslandsverschuldung und vormals geradezu explodierender Binnennachfrage weiter nachlassen würden.
Das gelte für die Türkei und Südafrika, deren Leistungsbilanzdefizite auf 7,5 bzw. 6,5% geklettert seien, sowie Indien und Südafrika, wo die Inflation erheblich steige. Zwei Tage nach der FED-Sitzung habe die Reserve Bank of India (RBI) schließlich die Zinsen angehoben. Damit habe die Notenbank recht spät auf den Druck durch Kapitalabflüsse und die populistischere Politik der indischen Regierung reagiert.
Jetzt stehe die Inflationsentwicklung wieder im Mittelpunkt, angesichts der steigenden Headline-Inflation und der wohl anhaltenden Rupie-Schwäche völlig zu Recht. Indien müsse sich auf das neue globale Umfeld einstellen; die RBI müsse auf die Regierung einwirken, ihre Wirtschaftspolitik entsprechend anzupassen. (02.10.2013/alc/a/a)


