Spanien-Anleihen: Kommt jetzt doch endlich die externe Hilfe?


07.06.12 12:22
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research könnten sehr risikofreudige Anleger wieder einen Blick auf spanische Staatsanleihen werfen.

Die Kurse spanischer Staatsanleihen stünden enorm unter Druck. Denn die Euro-Schuldenkrise spitze sich weiter zu. Der Markt warte gespannt auf die Neuwahlen in Griechenland Mitte Juni und es vergehe nicht ein Tag, an dem nicht neue (Negativ-)Schlagzeilen zu Spanien und Italien veröffentlicht würden. Zudem würden mehr und mehr die Wortschöpfungen "Grexit" und Spexit" durch die Medien gehen. Damit seien die möglichen Austritte Griechenlands und Spaniens aus dem Euro gemeint.

Bei seinen jüngsten Anleiheemissionen habe Spanien den höchsten Risikoaufschlag für zehnjährige Spanien-Bonds seit der Gründung der Eurozone hinnehmen müssen. Und vergangene Woche habe das Land für Zehnjahrespapiere 6,7% bieten müssen. Dieses Niveau sei für ein Land nicht lange trag- und finanzierbar. Somit sei es nun gekommen wie es sich bereits angedeutet habe: Spanien habe nun mitgeteilt, dass die Finanzmärkte bei dem derzeitigen Refinanzierungsniveau für das Land nicht zugänglich seien.

Vor allem Spaniens angeschlagener Bankensektor setze dem Land zu. Auf der gestrigen EZB-Sitzung sei u.a. bekannt geworden, dass inzwischen darüber beraten werde, inwieweit dem Bankensektor geholfen werden könne. Eine Möglichkeit wäre es, dass der europäische Rettungsschirm EFSF einspringe und dem spanischen Bankenrettungsfonds die benötigten Gelder zur Verfügung stelle.

Anscheinend müsse Spanien doch auf externe Hilfe zurückgreifen, die die Regierung bisher verweigert habe. Und anscheinend bestehe auch die Bereitschaft, dem angeschlagenen Land helfen zu wollen. Dies sei durchaus nachvollziehbar, denn erstens wolle niemand, dass Spanien in die Insolvenz gehe und zweitens sei die Regierung redlich bemüht, Reformen auf den Weg zu bringen, um das Land aus der Krise zu führen. Immerhin habe Spanien seinen Refinanzierungsbedarf für das Jahr 2012 zu mehr als der Hälfte gedeckt und müsse nur noch knapp 40 Mrd. EUR am Kapitalmarkt einsammeln. Und die Sparmaßnahmen für die kommenden zwei Jahre sähen einen Betrag von etwa 60 Mrd. Euro vor. Zudem liege die Verschuldungsquote mit etwa 70% des BIP auf einem moderaten Niveau.

Die EU-Kommission rechne für Spanien mit einem BIP-Rückgang für dieses Jahr von 1,0%. Vor dem Hintergrund der aktuell sehr schwachen Verfassung des Landes sei es kaum überraschend, dass die Bank of Spain auch für das zweite Quartal 2012 mit einem BIP-Rückgang rechne. Dass 2012 und 2013 vor dem Hintergrund der massiven Sparmaßnahmen keine großen Sprünge zu erwarten seien, sei keine Überraschung. Dem Land dürfte es aber gelingen, die Krise zu meistern, auch wenn man dazu die Hilfe der EU in Anspruch nehmen müsse. Ein Austritt Spaniens aus der Europäischen Währungsunion würden die Analysten für unwahrscheinlich halten, auch wenn dies am Markt momentan anders kolportiert werde. Das Beispiel Irland zeige, dass externe Hilfe kein Nachteil sein müsse. So habe Irland die Krise bereits hinter sich gelassen und befinde sich wieder auf Wachstumskurs.

Vor dem Hintergrund der negativen Nachrichtenlage liege die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen immer noch bei über 6%. Die Anleihe (ISIN ES00000123K0 / WKN A1GXLB) habe Anfang April noch bei knapp 104% notiert. Aktuell liege der Kurs bei 96,71% und habe sich zuletzt leicht erholen können.

Die Unsicherheit an den Anleihemärkten steige weiter. Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research könnten Staatsanleihen von Spanien nach den jüngsten Kursrückgängen eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor sein. Spanische Papiere seien aber derzeit nur für spekulativ veranlagte Anleger interessant. (Analyse vom 07.06.2012) (07.06.2012/alc/a/a)


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