Spanien-Anleihen: Bankia sorgt für anhaltende Unsicherheiten


29.05.12 11:00
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Die Analysten von Anleihencheck Research halten spanische Staatsanleihen aufgrund des unattraktiven Chance/Risiko-Verhältnisses derzeit weiterhin nur für sehr spekulativ veranlagte Investoren für interessant.

Die Kurse spanischer Staatsanleihen seien weiter im Tiefflug. Die Euro-Schuldenkrise spitze sich wieder zu und alle würden gespannt auf die Neuwahlen in Griechenland Mitte Juni warten. Die Gerüchteküche um Griechenland brodle derzeit gewaltig: So würden Gerüchte die Runde machen, wonach für Anfang Juni auf einen Austritt Griechenlands aus der EU spekuliert werde. Und gestern seien Umfrageergebnisse bekannt geworden, wonach die konservative Nea Dimokratia (ND) vorne liege. Diese plädiere für einen Verbleib in der EU.

Bei seinen jüngsten Anleiheemissionen habe Spanien den höchsten Risikoaufschlag für zehnjährige Spanien-Bonds seit der Gründung der Eurozone hinnehmen müssen. Und die renommierte Ratingagentur Fitch habe letzte Woche neues Öl in die Flammen gegossen. So habe diese mitgeteilt, dass man damit rechne, dass sich ausländische Investoren in den kommenden Monaten auch weiterhin aus spanischen und italienischen Staatsanleihen zurückziehen würden.

Zuletzt sei Spaniens angeschlagener Bankensektor wieder verstärkt in den Fokus gerückt. So habe Bankia, welche die viertgrößte Bank Spaniens sei, am Freitag verkündet, dass sie 19 Mrd. Euro Staatshilfe von der spanischen Regierung erhalte. Insgesamt werde nun mit einem Sanierungsbetrag von 23,5 Mrd. Euro gerechnet. Der spanische Ministerpräsident Rajoy habe unterdessen erklärt, dass es für die spanischen Kreditinstitute keine europäische Rettungsaktion geben solle. Der Sonderaufwand für den Bankensektor werde für 2012 auf 84 Mrd. Euro taxiert.

Im Zuge dessen sei die Rendite für zehnjährige spanische Anleihen gestern auf über 6,4% gestiegen. Die Anleihe (ISIN ES00000123K0 / WKN A1GXLB) habe Anfang April noch bei knapp 104% notiert. Aktuell liege der Kurs bei 95,54%.

Spanien stehe weiter mit dem Rücken zur Wand: Die Regierung habe ihr Defizitziel für 2012 von 4,4% auf 5,8% des BIP revidiert und für 2011 würden rückwirkend Werte um 8,9% in Aussicht gestellt. Dadurch komme am Markt der Eindruck auf, dass der kürzlich unterzeichnete Fiskalpakt bereits verfehlt werde, bevor er überhaupt richtig gestartet sei. Für 2013 sei ein Haushaltsdefizit von maximal 3,0 Prozent des BIP vereinbart worden, wobei es zum jetzigen Zeitpunkt fraglich sei, ob dieses Ziel erreicht werde. Außerdem rechne die EU-Kommission mit einem BIP-Rückgang für dieses Jahr von 1,0%. Vor dem Hintergrund der aktuell sehr schwachen Verfassung des Landes sei es kaum überraschend, dass die Bank of Spain auch für das zweite Quartal 2012 mit einem BIP-Rückgang rechne.

Spitze sich die Situation weiter zu, bestehe die Gefahr, dass Spanien der Zugang zu den Kapitalmärkten verwehrt werde. Dann müsste die EZB eingreifen und der dauerhafte Rettungsschirm ESM könnte aktiviert werden.

Die Unsicherheit an den Anleihemärkten nehme weiter zu. Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research könnten Staatsanleihen von Spanien nach den jüngsten Kursrückgängen eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor sein, jedoch bleibt das Chance/Risiko-Verhältnis vor dem Hintergrund der aktuellen Nachrichtenlage aktuell wenig attraktiv. Anleger, die auf der Suche nach einem werthaltigen Investment seien, sollten Anleihen von Spanien daher weiter meiden. (Analyse vom 29.05.2012) (29.05.2012/alc/a/a)


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