Erweiterte Funktionen

Schwellenländerwährungen: Neue Handelsallianzen in Aussicht


22.11.16 11:30
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen bewegt die Währungen. Die Märkte preisen allmählich einen US-amerikanischen Ausstieg aus dem Welthandel ein, während sich neue Allianzen formieren, erwartet Simon Quijano-Evans, Emerging Markets Strategist bei Legal & General Investment Management (LGIM).

Am Donnerstag habe Janet Yellen vor dem US-Kongress die Unabhängigkeit der von ihr geführten Amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (FED) betont und so nach den von Donald Trump initiierten Reflationsdiskussionen noch für einen Nachschlag bei den US-Staatsanleihenrenditen gesorgt. Der US-Dollar habe mit einem Kursanstieg gegenüber den meisten Währungen der Schwellenländer und Industriestaaten reagiert und die Polarisierung zwischen den USA und dem Rest der Welt verstärkt. "Anleger im Schwellenländer-Zinsuniversum sollten sich auf die Steepener mit 10- und 20-jährigen Swapsätzen anstelle der Steepener mit 30- und 10-jährigen Swapsätzen konzentrieren", rate Simon Quijano-Evans.

Noch unübersichtlicher werde die Lage durch die überdurchschnittliche Entwicklung des Chinesischen Renminbi (CNY) gegenüber dem Japanischen Yen (JPY) mit 5 Prozent seit dem 4. November sowie gegenüber dem Euro (2,9 Prozent seit dem 4. November), die eine stärkere handelsgewichtete chinesische Währung auf Juli-Niveau erwarten lasse. Dasselbe gelte für diverse Schwellenländerwährungen.

"Es scheint also, als würden die Märkte bereits langsam den US-Ausstieg aus dem globalen Handel einpreisen und stattdessen auf neue Handelsallianzen setzen. Bereits jetzt belegen Daten der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), dass über 60 Prozent der Schwellenländerexporte in andere Schwellenländer gehen", erkläre Quijano-Evans. Gespräche über die zukünftige Ausgestaltung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA zwischen führenden Vertretern aus Kanada und Mexiko fänden eventuell bereits in den kommenden Tagen statt.

Am Donnerstag habe die Mexikanische Zentralbank Banxico wie erwartet die Zinsen um 50 Basispunkte angehoben. "Wenn die FED nach dem Trump-Sieg voraussichtlich noch restriktiver auftritt, müsste sich der Mexikanische Peso (MXN) auf die flexible Kreditlinie des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 88 Milliarden US-Dollar verlassen, wenn die Banxico von signifikanteren Zinserhöhungen absieht", so Quijano-Evans. "Der Peso ist nach dem Chinesischen Renminbi die am stärksten gehandelte Schwellenländerwährung und die IWF-Kreditlinie stützt Mexiko hinter den Kulissen. Das wiederum könnte zu weiteren politischen Verwerfungen auf der Weltbühne führen, wenn etwa die neue US-Regierung die Kreditvergabepraktiken des IWF ins Visier nimmt", erwäge LGIM-Stratege, Quijano-Evans. (22.11.2016/alc/a/a)