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Schwellenländeranleihen: Widerstandsfähigkeit in unsicheren Zeiten
18.03.25 10:00
Bank Vontobel Europe AG
München (www.anleihencheck.de) - Stärkere Fundamentaldaten und saubere technische Daten begünstigten Schwellenländeranleihen, die trotz der erhöhten Unsicherheit im Welthandel bemerkenswert robust geblieben sind, so Carlos de Sousa, EM-Anleihen-Stratege, Vontobel.
Schwellenländeranleihen hätten sich im letzten Quartal als widerstandsfähig erwiesen und hätten in den ersten beiden Monaten des Jahres die globalen Aktienmärkte übertroffen. Trotz der zunehmenden handelspolitischen Unwägbarkeiten hätten sich die Renditeaufschläge der Schwellenländer in den letzten drei Monaten weiter verengt. Dies habe Fragen über eine mögliche Sorglosigkeit an den Märkten aufgeworfen. Die Experten seien allerdings der Ansicht, dass diese Bedenken eher den Finanzmärkten im Allgemeinen als den Schwellenländeranleihen im Besonderen gelten würden. Sie könnten keine Übertreibungen bei Schwellenländeranleihen feststellen: Seit drei Jahren in Folge verzeichne diese Anlageklasse Mittelabflüsse, die auch 2025 noch anhalten würden, sich allerdings verlangsamen.
Im Gegensatz zum Beginn des Jahres 2018 – nach einem Jahr mit beispiellosen Mittelzuflüssen – sei keine Verengung zwischen den Renditeaufschlägen von Schwellenländeranleihen und US-Hochzinsanleihen erkennbar. Die Experten seien vielmehr der Ansicht, dass die Renditeaufschläge in den Schwellenländern weiterhin ein attraktives relatives Wertpotenzial darstellen würden, auch wenn sie nach wie vor unter ihrem historischen Durchschnitt lägen. Darüber hinaus beobachteten sie aus fundamentaler Sicht weiterhin einen Trend zu verbesserten Ratings. Die Tatsache, dass fast alle Emittenten von Hochzinsanleihen wieder Marktzugang hätten, reduziere die Refinanzierungsrisiken trotz der weiterhin hohen Renditeniveaus erheblich.
Angesichts der Flut von Zolldrohungen seitens Präsident Trump frage sich so mancher Anleger, ob es ein guter Zeitpunkt sei, in Schwellenländer zu investieren, die von Zöllen oder Sanktionen betroffen sein könnten. Industrieländer seien jedoch gleichermaßen anfällig. Die Rede von Vizepräsident J.D. Vance in München und Trumps erstes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ließen befürchten, dass die neue US-Regierung womöglich nicht die freundlichsten Beziehungen zu Europa unterhalten werde. Darüber hinaus dürften Hartwährungsanleihen mit über 70 investierbaren Ländern und relativ moderaten Konzentrationen unseres Erachtens genau die Art von Diversifizierung bieten, die Anleger angesichts der Unberechenbarkeit von Trumps Handelspolitik derzeit bräuchten.
Trotz der Unwägbarkeiten im Hinblick auf Trumps Zölle könnten die Experten durchaus Einblicke in die möglichen Auswirkungen auf die Schwellenländer geben. Ihrer Ansicht nach unterscheide sich Trumps Handelskrieg mit China grundlegend von dem gegen andere Länder. Beide Seiten des politischen Spektrums in den USA sähen China als langfristigen Gegenspieler. Die Experten seien daher der Ansicht, dass die beiden Zollrunden mit jeweils 10 Prozent zusätzlichen Zöllen auf chinesische Importe Bestand haben dürften und möglicherweise noch weitere Zölle hinzukämen. Im Gegensatz dazu stellten die angedrohten Zölle gegen andere Nationen für uns in erster Linie Verhandlungsinstrumente dar. Zwar könnten einige dieser Zölle durchaus eingeführt werden, allerdings dürften sie kaum von Dauer sein.
In Zeiten erhöhter Volatilität böten sich zahlreiche Relative-Value-Chancen, die zusätzliche Quellen für die Alpha-Generierung schüfen. So habe Israels Dominanz im Nahen Osten zu einem Regierungswechsel im Libanon beigetragen, wo der Einfluss der Hisbollah geschwunden sei, was nach einem zweijährigen politischen Patt zur Bildung einer neuen Regierung geführt habe. Die Märkte hätten positiv auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung der aktuell von Zahlungsausfällen betroffenen libanesischen Anleihen reagiert. Diese Anleihen seien zuletzt die Staatsanleihen mit der besten Performance gewesen: Seit Jahresbeginn hätten sie um über 40 Prozent zugelegt und in den letzten sechs Monaten um fast 200 Prozent auf etwa 19 USD-Cent. Die Umschuldung werde jedoch ein komplexes und langwieriges Unterfangen sein. Aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes dürfte ein ungewöhnlich hoher Haircut erforderlich sein.
Auch in anderen Regionen habe die Volatilität zugenommen, wobei ukrainische Anleihen in den letzten sechs Monaten am besten abgeschnitten hätten, dann allerdings nach der Pressekonferenz mit Trump und Selenskyj deutlich nachgegeben hätten. Argentinien sei 2024 noch unter den beiden Top-Performern gewesen, sei aber im Februar auf den zweitletzten Platz abgerutscht, obwohl die Aussichten verhältnismäßig optimistisch blieben.
Mit einer Rendite von fast 8 Prozent im Index für Hartwährungs-Staatsanleihen (EMBIG Diversified) und fast 7 Prozent in dessen Pendant für Unternehmensanleihen (CEMBI Broad Diversified) biete diese Anlageklasse ein beträchtliches Carry-Polster, das sie vor Szenarien schütze, in denen sich aufgrund einer erhöhten Risikoscheu die Renditeaufschläge überraschend ausweiten würden.
Darüber hinaus ließen die sauberen technischen Daten nach drei Jahren der Mittelabflüsse sowie eine vorteilhafte Ausweitung der Renditeaufschläge gegenüber US-Hochzinsanleihen (und ein durchschnittliches Rating von BBB-) diese Anlageklasse gemessen an den relativen Bewertungen attraktiv erscheinen, auch wenn die Renditeaufschläge auf absoluter Basis nicht mehr so attraktiv seien.
Lokalwährungsanleihen seien stark in das neue Jahr gestartet: Der Government Bond Index – Emerging Markets habe in den ersten beiden Monaten eine Gesamtrendite von 2,7 Prozent erzielt. Im vergangenen Jahr hätten wir festgestellt, dass der Ausblick für Lokalwährungsanleihen zwiegespalten gewesen sei: Die Anlageklasse könnte in Abhängigkeit von der Handelspolitik Donald Trumps im Jahr 2025 entweder die beste oder die schlechteste Performance unter den Schwellenländeranleihen erzielen. Die geplanten Maßnahmen – höhere Einfuhrzölle und niedrigere Steuern – brächten im Allgemeinen eine Aufwertung des US-Dollars mit sich. So sei der US-Dollar im vierten Quartal 2024 im Vorfeld der Wahl und nach Trumps Wahlsieg bereits um 7,7 Prozent gestiegen. In diesem Jahr habe der US-Dollar jedoch an Wert verloren (−0,8 Prozent in den ersten beiden Monaten des Jahres), da der Markt davon ausgehe, dass Trump handelspolitisch zwar belle, aber wohl kaum beißen werde. Zudem deuteten erste Anzeichen auf eine Abschwächung der US-Wirtschaft hin, nachdem die Detailhandelsumsätze und die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor unerwartet schwach tendiert hätten.
Ein globaler Handelskrieg, der weniger hart geführt werde als erwartet, könnte den Dollar zusätzlich schwächen und die Lokalwährungsrenditen in Schwellenländern auf hohe zweistellige Werte ansteigen lassen, ähnlich wie 2017. Wir bezweifelten allerdings, dass dies reibungslos vonstattengehen werde. Unserer Einschätzung nach würden nur die Zölle auf chinesische Waren von Dauer sein. Gegen andere Länder könnten aber vorübergehend ebenfalls Zölle erhoben werden, um Trump eine stärkere Verhandlungsposition zu verschaffen als bei einer bloßen Androhung von Zöllen. Dies hätte eine hohe Volatilität zur Folge. Aus diesem Grund blieben wir mit Ausnahme des brasilianischen Real (BRL) bei lokalen Währungen mit hohem Beta vorsichtig. Aktuell sähen wir ein günstigeres Risiko-Rendite-Profil in einzelnen Ländern mit hohem Carry, aber niedrigem Beta, wie etwa der Türkei und ausgewählten Frontier-Märkten, da diese weniger von der unvorhersehbaren US-Handelspolitik betroffen sein dürften.
Die Ungewissheit, ob dies 2025 die beste oder die schlechteste Fixed-Income-Anlageklasse in den Schwellenländern sein werde, bleibe bestehen, solange in Bezug auf Trumps Handelspolitik keine Klarheit herrsche. Derzeit bewerte der Markt diese als die beste Option, aber die Experten sähen hier vorerst noch keinen Selbstläufer. (18.03.2025/alc/a/a)
Schwellenländeranleihen hätten sich im letzten Quartal als widerstandsfähig erwiesen und hätten in den ersten beiden Monaten des Jahres die globalen Aktienmärkte übertroffen. Trotz der zunehmenden handelspolitischen Unwägbarkeiten hätten sich die Renditeaufschläge der Schwellenländer in den letzten drei Monaten weiter verengt. Dies habe Fragen über eine mögliche Sorglosigkeit an den Märkten aufgeworfen. Die Experten seien allerdings der Ansicht, dass diese Bedenken eher den Finanzmärkten im Allgemeinen als den Schwellenländeranleihen im Besonderen gelten würden. Sie könnten keine Übertreibungen bei Schwellenländeranleihen feststellen: Seit drei Jahren in Folge verzeichne diese Anlageklasse Mittelabflüsse, die auch 2025 noch anhalten würden, sich allerdings verlangsamen.
Im Gegensatz zum Beginn des Jahres 2018 – nach einem Jahr mit beispiellosen Mittelzuflüssen – sei keine Verengung zwischen den Renditeaufschlägen von Schwellenländeranleihen und US-Hochzinsanleihen erkennbar. Die Experten seien vielmehr der Ansicht, dass die Renditeaufschläge in den Schwellenländern weiterhin ein attraktives relatives Wertpotenzial darstellen würden, auch wenn sie nach wie vor unter ihrem historischen Durchschnitt lägen. Darüber hinaus beobachteten sie aus fundamentaler Sicht weiterhin einen Trend zu verbesserten Ratings. Die Tatsache, dass fast alle Emittenten von Hochzinsanleihen wieder Marktzugang hätten, reduziere die Refinanzierungsrisiken trotz der weiterhin hohen Renditeniveaus erheblich.
Angesichts der Flut von Zolldrohungen seitens Präsident Trump frage sich so mancher Anleger, ob es ein guter Zeitpunkt sei, in Schwellenländer zu investieren, die von Zöllen oder Sanktionen betroffen sein könnten. Industrieländer seien jedoch gleichermaßen anfällig. Die Rede von Vizepräsident J.D. Vance in München und Trumps erstes Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj ließen befürchten, dass die neue US-Regierung womöglich nicht die freundlichsten Beziehungen zu Europa unterhalten werde. Darüber hinaus dürften Hartwährungsanleihen mit über 70 investierbaren Ländern und relativ moderaten Konzentrationen unseres Erachtens genau die Art von Diversifizierung bieten, die Anleger angesichts der Unberechenbarkeit von Trumps Handelspolitik derzeit bräuchten.
Trotz der Unwägbarkeiten im Hinblick auf Trumps Zölle könnten die Experten durchaus Einblicke in die möglichen Auswirkungen auf die Schwellenländer geben. Ihrer Ansicht nach unterscheide sich Trumps Handelskrieg mit China grundlegend von dem gegen andere Länder. Beide Seiten des politischen Spektrums in den USA sähen China als langfristigen Gegenspieler. Die Experten seien daher der Ansicht, dass die beiden Zollrunden mit jeweils 10 Prozent zusätzlichen Zöllen auf chinesische Importe Bestand haben dürften und möglicherweise noch weitere Zölle hinzukämen. Im Gegensatz dazu stellten die angedrohten Zölle gegen andere Nationen für uns in erster Linie Verhandlungsinstrumente dar. Zwar könnten einige dieser Zölle durchaus eingeführt werden, allerdings dürften sie kaum von Dauer sein.
Auch in anderen Regionen habe die Volatilität zugenommen, wobei ukrainische Anleihen in den letzten sechs Monaten am besten abgeschnitten hätten, dann allerdings nach der Pressekonferenz mit Trump und Selenskyj deutlich nachgegeben hätten. Argentinien sei 2024 noch unter den beiden Top-Performern gewesen, sei aber im Februar auf den zweitletzten Platz abgerutscht, obwohl die Aussichten verhältnismäßig optimistisch blieben.
Mit einer Rendite von fast 8 Prozent im Index für Hartwährungs-Staatsanleihen (EMBIG Diversified) und fast 7 Prozent in dessen Pendant für Unternehmensanleihen (CEMBI Broad Diversified) biete diese Anlageklasse ein beträchtliches Carry-Polster, das sie vor Szenarien schütze, in denen sich aufgrund einer erhöhten Risikoscheu die Renditeaufschläge überraschend ausweiten würden.
Darüber hinaus ließen die sauberen technischen Daten nach drei Jahren der Mittelabflüsse sowie eine vorteilhafte Ausweitung der Renditeaufschläge gegenüber US-Hochzinsanleihen (und ein durchschnittliches Rating von BBB-) diese Anlageklasse gemessen an den relativen Bewertungen attraktiv erscheinen, auch wenn die Renditeaufschläge auf absoluter Basis nicht mehr so attraktiv seien.
Lokalwährungsanleihen seien stark in das neue Jahr gestartet: Der Government Bond Index – Emerging Markets habe in den ersten beiden Monaten eine Gesamtrendite von 2,7 Prozent erzielt. Im vergangenen Jahr hätten wir festgestellt, dass der Ausblick für Lokalwährungsanleihen zwiegespalten gewesen sei: Die Anlageklasse könnte in Abhängigkeit von der Handelspolitik Donald Trumps im Jahr 2025 entweder die beste oder die schlechteste Performance unter den Schwellenländeranleihen erzielen. Die geplanten Maßnahmen – höhere Einfuhrzölle und niedrigere Steuern – brächten im Allgemeinen eine Aufwertung des US-Dollars mit sich. So sei der US-Dollar im vierten Quartal 2024 im Vorfeld der Wahl und nach Trumps Wahlsieg bereits um 7,7 Prozent gestiegen. In diesem Jahr habe der US-Dollar jedoch an Wert verloren (−0,8 Prozent in den ersten beiden Monaten des Jahres), da der Markt davon ausgehe, dass Trump handelspolitisch zwar belle, aber wohl kaum beißen werde. Zudem deuteten erste Anzeichen auf eine Abschwächung der US-Wirtschaft hin, nachdem die Detailhandelsumsätze und die Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor unerwartet schwach tendiert hätten.
Ein globaler Handelskrieg, der weniger hart geführt werde als erwartet, könnte den Dollar zusätzlich schwächen und die Lokalwährungsrenditen in Schwellenländern auf hohe zweistellige Werte ansteigen lassen, ähnlich wie 2017. Wir bezweifelten allerdings, dass dies reibungslos vonstattengehen werde. Unserer Einschätzung nach würden nur die Zölle auf chinesische Waren von Dauer sein. Gegen andere Länder könnten aber vorübergehend ebenfalls Zölle erhoben werden, um Trump eine stärkere Verhandlungsposition zu verschaffen als bei einer bloßen Androhung von Zöllen. Dies hätte eine hohe Volatilität zur Folge. Aus diesem Grund blieben wir mit Ausnahme des brasilianischen Real (BRL) bei lokalen Währungen mit hohem Beta vorsichtig. Aktuell sähen wir ein günstigeres Risiko-Rendite-Profil in einzelnen Ländern mit hohem Carry, aber niedrigem Beta, wie etwa der Türkei und ausgewählten Frontier-Märkten, da diese weniger von der unvorhersehbaren US-Handelspolitik betroffen sein dürften.
Die Ungewissheit, ob dies 2025 die beste oder die schlechteste Fixed-Income-Anlageklasse in den Schwellenländern sein werde, bleibe bestehen, solange in Bezug auf Trumps Handelspolitik keine Klarheit herrsche. Derzeit bewerte der Markt diese als die beste Option, aber die Experten sähen hier vorerst noch keinen Selbstläufer. (18.03.2025/alc/a/a)


