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Schwellenländeranleihen vor dem Comeback
13.09.18 12:00
Neuberger Berman
New York (www.anleihencheck.de) - Schwellenländer-Unternehmensanleihen erleben 2018 eine Talfahrt, die im August in einem historischen Ausverkauf ihren bisherigen Tiefpunkt fand, so die Experten von Neuberger Berman.
Betrachte man die Statistiken der vergangenen Jahrzehnte, würden die Anleihen aus den Emerging Markets nach ausgeprägten Verlusten aber stets eine rapide Erholung erfahren und innerhalb von drei Monaten die Hälfte der Verluste wieder wettmachen. Trotzdem würden Asset-Allokation-Experten oft weniger schnell reagieren, wenn es um den Neuaufbau ihrer Emerging-Market-Quote vor einer möglichen Erholung gehe.
Rob Drijkoningen, Global Co-Head of Emerging Markets Debt bei Neuberger Berman, gebe im nachfolgenden Marktkommentar einen Ausblick für Schwellenländeranleihen und erkläre im Detail, warum die Aussichten nicht so schlecht stünden, wie derzeit anzunehmen sei.
Die Emerging Markets würden 2018 ein turbulentes Jahr erleben. Nach dem so genannten "Taper Tantrum", die panische Reaktion der Märkte auf die plötzliche Reduzierung von Anleihenkäufen der FED im Jahr 2013, und dem anschließenden Ausverkauf, hätten die guten Fundamentaldaten 2016/17 für eine nachhaltige Erholung gesorgt. Im Laufe des Jahres 2018 habe sich dieser Optimismus jedoch gründlich verflüchtigt. Das Ausmaß der Korrekturen trotz der noch immer recht guten Fundamentaldaten spreche allerdings dafür, dass zögerliche Investoren eine mögliche Erholung leicht verpassen könnten - und zwar eine starke. In den nächsten Monaten könnten sich gute Nerven für sie auszahlen.
Das Jahr habe unruhig begonnen, da die US-Staatsanleiherenditen allmählich gestiegen seien. Den Lokalwährungsanleihemärkten habe dies nicht geschadet, ebenso wenig wie den Spreads von Fremdwährungsanleihen. Gelitten hätten allerdings deren Gesamterträge. Im Mai und im Juni habe dann der US-Dollar aufgewertet und die Finanzbedingungen seien straffer geworden, wovon dann auch Lokalwährungsanleihen betroffen gewesen seien.
Der Juli habe eine Atempause gebracht, die aber letztlich nur die Ruhe vor dem Sturm im August gewesen sei. Fremdwährungsanleihen hätten im letzten Monat fast zwei Prozent und Lokalwährungsanleihen sogar sechs Prozent verloren, was insgesamt 15 Prozent Minus gegenüber dem letzten Höchststand zur Folge gehabt habe. Investmentgrade-Titel seien weitgehend ungeschoren davongekommen, aber die Probleme in Argentinien und der Türkei hätten zu einem allgemeinen Ausverkauf höher verzinslicher Papiere aufgrund einer angespannteren Finanzlage geführt.
15 Prozent klinge nach viel, und tatsächlich seien die Verluste beachtlich. In diesem Jahr seien die Korrekturen von Währungen und Spreads ähnlich hoch gewesen wie während des Taper Tantrum 2013, wenn nicht sogar höher - und das trotz wesentlich besserer Fundamentaldaten und günstigerer Bewertungen.
So seien die Spreads von Fremdwährungsanleihen (gegenüber US-Staatsanleihen) mit 370 Basispunkten heute wieder so hoch wie bei ihrem Maximum im Juni 2013, auch wenn sie noch immer unter dem Maximum nach dem Ölpreiseinbruch 2016 lägen. Noch bemerkenswerter sei aber die Ausweitung der Fremdwährungsanleihe-Spreads gegenüber den amerikanischen High-Yield-Spreads. Erstmals seit 2005 seien die Fremdwährungsanleihen höher, obwohl über die Hälfte des Fremdwährungsanleihemarktes heute ein Investmentgrade-Rating habe.
Der 15-prozentige Rückgang an den lokalen Devisenmärkten (infolge steigender Zinsen und schwächerer Währungen) sei einer der größten Ausverkäufe seit Einführung der J.P. Morgan Government Bond Index-Emerging Markets Indices (GBI-EM) im Jahr 2003. Die Verluste seien heute ähnlich wie während des Taper Tantrum. Höher seien sie zuletzt während des Rohstoffpreiseinbruches in den Jahren 2014/15 und in der Finanzkrise gewesen.
Historisch betrachtet seien die Erträge nach ausgeprägteren Verlusten der Emerging Markets oft recht hoch gewesen, und in den folgenden ein bis drei Monaten sei es dann zu starken Erholungen gekommen. Nach den letzten acht Phasen mit mehr als zehn Prozent Verlust habe der Index in den folgenden drei Monaten im Schnitt knapp die Hälfte dieses Verlusts wieder wettgemacht.
Unserer Ansicht nach nähern sich Bewertungen und Fundamentaldaten - einmal abgesehen von finanziell schwächeren Ländern wie Argentinien und der Türkei - allmählich wieder an, was für eine Erholung sprechen könnte, so die Experten von Neuberger Berman. Auch sorge die Positionierung der Investoren allmählich für zusätzliche technische Unterstützung.
Natürlich gebe es manche Gründe für neuerliche Marktvolatilität. Einige russische Emittenten könnten von internationalen Sanktionen betroffen sein, und es sei noch immer fraglich, ob die Türkei ihre Geldpolitik wirklich weiter straffe. Die Rhetorik im Handelskonflikt bleibe aggressiv und könnte den europäischen Schwellenländern sowie China schaden, der US-Dollar könnte aufgrund einer strafferen Geldpolitik der FED weiter aufwerten, und im Oktober stünden schwierige Wahlen in Brasilien an. Ohne diese Unsicherheitsfaktoren wäre der Ausverkauf ohnehin nicht so stark gewesen.
Dennoch sähen die Experten von Neuberger Berman gute Gründe für eine Erholung von Schwellenländeranleihen in den nächsten Monaten. Außerdem hätten sie schon oft festgestellt, dass Asset-Allokation-Experten drohendes Ungemach zwar oft rechtzeitig erkennen und ihre Emerging-Market-Quote vor einem Ausverkauf senken würden - jedoch oft weniger schnell reagieren würden, wenn es um den Neuaufbau vor einer möglichen Erholung gehe. (13.09.2018/alc/a/a)
Betrachte man die Statistiken der vergangenen Jahrzehnte, würden die Anleihen aus den Emerging Markets nach ausgeprägten Verlusten aber stets eine rapide Erholung erfahren und innerhalb von drei Monaten die Hälfte der Verluste wieder wettmachen. Trotzdem würden Asset-Allokation-Experten oft weniger schnell reagieren, wenn es um den Neuaufbau ihrer Emerging-Market-Quote vor einer möglichen Erholung gehe.
Rob Drijkoningen, Global Co-Head of Emerging Markets Debt bei Neuberger Berman, gebe im nachfolgenden Marktkommentar einen Ausblick für Schwellenländeranleihen und erkläre im Detail, warum die Aussichten nicht so schlecht stünden, wie derzeit anzunehmen sei.
Die Emerging Markets würden 2018 ein turbulentes Jahr erleben. Nach dem so genannten "Taper Tantrum", die panische Reaktion der Märkte auf die plötzliche Reduzierung von Anleihenkäufen der FED im Jahr 2013, und dem anschließenden Ausverkauf, hätten die guten Fundamentaldaten 2016/17 für eine nachhaltige Erholung gesorgt. Im Laufe des Jahres 2018 habe sich dieser Optimismus jedoch gründlich verflüchtigt. Das Ausmaß der Korrekturen trotz der noch immer recht guten Fundamentaldaten spreche allerdings dafür, dass zögerliche Investoren eine mögliche Erholung leicht verpassen könnten - und zwar eine starke. In den nächsten Monaten könnten sich gute Nerven für sie auszahlen.
Das Jahr habe unruhig begonnen, da die US-Staatsanleiherenditen allmählich gestiegen seien. Den Lokalwährungsanleihemärkten habe dies nicht geschadet, ebenso wenig wie den Spreads von Fremdwährungsanleihen. Gelitten hätten allerdings deren Gesamterträge. Im Mai und im Juni habe dann der US-Dollar aufgewertet und die Finanzbedingungen seien straffer geworden, wovon dann auch Lokalwährungsanleihen betroffen gewesen seien.
Der Juli habe eine Atempause gebracht, die aber letztlich nur die Ruhe vor dem Sturm im August gewesen sei. Fremdwährungsanleihen hätten im letzten Monat fast zwei Prozent und Lokalwährungsanleihen sogar sechs Prozent verloren, was insgesamt 15 Prozent Minus gegenüber dem letzten Höchststand zur Folge gehabt habe. Investmentgrade-Titel seien weitgehend ungeschoren davongekommen, aber die Probleme in Argentinien und der Türkei hätten zu einem allgemeinen Ausverkauf höher verzinslicher Papiere aufgrund einer angespannteren Finanzlage geführt.
So seien die Spreads von Fremdwährungsanleihen (gegenüber US-Staatsanleihen) mit 370 Basispunkten heute wieder so hoch wie bei ihrem Maximum im Juni 2013, auch wenn sie noch immer unter dem Maximum nach dem Ölpreiseinbruch 2016 lägen. Noch bemerkenswerter sei aber die Ausweitung der Fremdwährungsanleihe-Spreads gegenüber den amerikanischen High-Yield-Spreads. Erstmals seit 2005 seien die Fremdwährungsanleihen höher, obwohl über die Hälfte des Fremdwährungsanleihemarktes heute ein Investmentgrade-Rating habe.
Der 15-prozentige Rückgang an den lokalen Devisenmärkten (infolge steigender Zinsen und schwächerer Währungen) sei einer der größten Ausverkäufe seit Einführung der J.P. Morgan Government Bond Index-Emerging Markets Indices (GBI-EM) im Jahr 2003. Die Verluste seien heute ähnlich wie während des Taper Tantrum. Höher seien sie zuletzt während des Rohstoffpreiseinbruches in den Jahren 2014/15 und in der Finanzkrise gewesen.
Historisch betrachtet seien die Erträge nach ausgeprägteren Verlusten der Emerging Markets oft recht hoch gewesen, und in den folgenden ein bis drei Monaten sei es dann zu starken Erholungen gekommen. Nach den letzten acht Phasen mit mehr als zehn Prozent Verlust habe der Index in den folgenden drei Monaten im Schnitt knapp die Hälfte dieses Verlusts wieder wettgemacht.
Unserer Ansicht nach nähern sich Bewertungen und Fundamentaldaten - einmal abgesehen von finanziell schwächeren Ländern wie Argentinien und der Türkei - allmählich wieder an, was für eine Erholung sprechen könnte, so die Experten von Neuberger Berman. Auch sorge die Positionierung der Investoren allmählich für zusätzliche technische Unterstützung.
Natürlich gebe es manche Gründe für neuerliche Marktvolatilität. Einige russische Emittenten könnten von internationalen Sanktionen betroffen sein, und es sei noch immer fraglich, ob die Türkei ihre Geldpolitik wirklich weiter straffe. Die Rhetorik im Handelskonflikt bleibe aggressiv und könnte den europäischen Schwellenländern sowie China schaden, der US-Dollar könnte aufgrund einer strafferen Geldpolitik der FED weiter aufwerten, und im Oktober stünden schwierige Wahlen in Brasilien an. Ohne diese Unsicherheitsfaktoren wäre der Ausverkauf ohnehin nicht so stark gewesen.
Dennoch sähen die Experten von Neuberger Berman gute Gründe für eine Erholung von Schwellenländeranleihen in den nächsten Monaten. Außerdem hätten sie schon oft festgestellt, dass Asset-Allokation-Experten drohendes Ungemach zwar oft rechtzeitig erkennen und ihre Emerging-Market-Quote vor einem Ausverkauf senken würden - jedoch oft weniger schnell reagieren würden, wenn es um den Neuaufbau vor einer möglichen Erholung gehe. (13.09.2018/alc/a/a)


