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Schwellenländeranleihen: Chancen in schwierigen Zeiten


02.10.18 13:00
Aberdeen Standard Investment

London (www.anleihencheck.de) - Es ist klar, dass die Situation für Schwellenländer derzeit insgesamt gesehen schwierig ist, so Brett Diment, Head of Emerging Market Debt bei Aberdeen Standard Investments, im Kommentar zu den Chancen und Risiken bei Schwellenländeranleihen.

Die Kombination aus den Handelsrestriktionen der USA gegenüber China und der weiteren Zinserhöhung durch die US-Notenbank stelle deswegen eine echte Herausforderung für die Anlageklasse der Schwellenländeranleihen dar. Auf Länderebene sei die volle Kraft dieser Stimmungsumkehr in einigen Fällen bereits zu spüren. Die Türkei und Argentinien hätten hier im Mittelpunkt gestanden. Andere Länder wie Brasilien, wo keiner der Präsidentschaftskandidaten bei den Wahlen im nächsten Monat besonders marktfreundlich sei, würden Anlass für weitere Sorgen bieten.

Es gebe jedoch einige Anzeichen dafür, dass sich die Situation vor Ort ändere, da der Markt in einzelnen Ländern viele politische Veränderungen herbeigeführt habe. Nach Ansicht von Brett Diment von Aberdeen Standard Investments gibt es definitiv Hinweise, dass sich die Dinge in der Türkei zum Positiven hin entwickeln könnten. Die großen Probleme der Türkei lägen im Bankensektor, der viele Not leidende Kredite und Dollar-Schulden habe, sowie in den politischen Beziehungen der Türkei zu anderen Ländern, insbesondere den USA. Aber die Menschen vor Ort würden das wissen und hoffen, dass externe Berater hinzugezogen würden, um das Ausmaß der Forderungsausfälle in den Bilanzen der Banken zu untersuchen. Auf der Seite der internationalen Beziehungen gebe es Vorstöße, dass der in der Türkei inhaftierte US-Pastor freigelassen werden könnte, was sicherlich ein Signal für eine Abschwächung der konfrontativen Haltung der Türkei wäre. Auf der Makroebene sei es ermutigend, dass die Zentralbank tatsächlich in der Lage gewesen sei, die Zinsen aggressiv zu erhöhen. Dies sollte dazu beitragen, das Wachstum wieder zu normalisieren.

Unterdessen habe sich Argentinien stark unter Druck der Investoren gesehen, die vom Steuer- und Wirtschaftsreformpaket der Regierung nicht überzeugt gewesen seien. Erfreulich sei jedoch, wie schnell Argentinien reagiert habe, um weiter zu gehen als geplant. Das Land erhalte dafür erhebliche Unterstützung von der Investorengemeinschaft. Wie man heute sehe, würden die Behörden schnell handeln, um die Markterwartungen zu übertreffen und alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um ihr Haus in Ordnung zu bringen.

Betrachte man also die einzelnen Länder, so sehe man Herausforderungen, aber auch Chancen. Als Investoren gelte es zu erkennen, was auf Länderebene vor sich gehe, und Chancen zu identifizieren, die bei den aktuellen Bewertungen durchaus vorhanden seien. Umgekehrt sei es viel schwieriger, den ganzen Lärm rund um die Schwellenländer angemessen einzuordnen. Nehme man zum Beispiel US-Präsident Donald Trump: Die Zahl der Menschen, die möglicherweise wissen würden, was Trump denke, sei um ein Vielfaches kleiner als die Zahl derer, die behaupten würden, es zu tun. Es sei also sinnlos, zu versuchen, seinen nächsten Schachzug zu erraten. Es sei viel besser, sich einfach an das zu halten, was man verstehe, dies zu quantifizieren und zu beurteilen, und dann auf Länderebene zu handeln. (02.10.2018/alc/a/a)