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Schwellenländer bieten erneut großes Renditepotenzial


21.07.16 12:35
NN Investment Partners

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Auch wenn es eine Weile gedauert hat, scheint nun endlich ein neuer positiver Trend in den Schwellenländern in Gang gekommen zu sein, so Maarten-Jan Bakkum, Senior Strategist, Emerging Markets bei NN Investment Partners.

Die Aktienmärkte der Schwellenländer hätten im Januar ihre Talsohle erreicht. Robuste chinesische Immobiliendaten und schwache US-Wirtschaftszahlen hätten den sechsjährigen negativen Trend umgekehrt. In den folgenden Monaten hätten sich die weit gefürchteten schlechten Daten aus China nicht bewahrheitet und die Zuversicht sei gestiegen, dass die FED ihre Zinserhöhungen weiter hinauszögern würde. Ende Juni habe sich das britische Brexit-Referendum als ein neuer positiver Faktor erwiesen. Die nachfolgende Unsicherheit sei als speziell europäisches Problem aufgefasst worden und habe dazu geführt, dass sich das relative Risikoprofil der Schwellenländer verbessert habe. Darüber hinaus sei der Brexit ein weiterer Anlass für die großen Zentralbanken gewesen, ihre Geldpolitik weiter zu lockern oder sie zumindest bis auf Weiteres nicht zu straffen.

Die Schwellenländer hätten also von der chinesischen Wachstumsstabilisierung und der zunehmenden Erkenntnis der Anleger profitiert, dass die extrem lockere Geldpolitik in den USA und Europa noch eine Weile Bestand haben werde. Unterdessen würden sich auch die Daten aus den Schwellenländern verbessern. Die höheren Kapitalflüsse in den letzten Monaten hätten zu robusteren Wechselkursen und niedrigeren Zinsen geführt. Das spiegle sich nun allmählich in den Wachstumszahlen wider. Zum ersten Mal seit 2014 sei die durchschnittliche Wachstumsdynamik in den Schwellenländern in positivem Terrain. Mit anderen Worten: Das Wachstum sei nicht länger rückläufig.

Ohne Wachstumserholung wären die Schwellenländer weiterhin extrem anfällig, da das Wachstum dringend benötigt werde, um die hohe Schuldenquote im Griff zu behalten und die Profitabilität der Unternehmen zu steigern. Eine Wachstumsbeschleunigung in Kombination mit Währungsaufwertungen mache es für Anleger leichter, wieder auf die Schwellenländer zu setzen. Diese Kombination habe es zum letzten Mal vor sechs Jahren gegeben und sei sicherlich ein positives Signal.

Natürlich bestünden nach wie vor Risiken. Die aktuelle chinesische Wachstumsstabilisierung sei nicht nur dank des neuen starken Kreditwachstums möglich gewesen. Es gebe auch eine Kehrseite. Die Anzahl an faulen Krediten und Ausfällen nehme bereits stark zu. Die Belastbarkeit der chinesischen Banken werde nicht endlos sein. Ein anderes Risiko, dem die Schwellenländer gegenüberstünden, sei, dass das chinesische Wachstum immer weniger auf Investitionen beruhe und somit immer weniger Rohstoffe beanspruche. Das könnte die Rohstoffpreise noch für längere Zeit niedrig halten und die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Wachstumserholung in vielen Schwellenländern verringern, vor allem in Lateinamerika und Afrika.

Jetzt sei die Wachstumsdynamik positiv und die Abflüsse seien ins Stocken geraten. Seit dem Brexit und der Verschiebung der Zinserhöhungen in den USA habe sich die Suche der Anleger nach Rendite intensiviert. Nach Jahren mit Kursverlusten und Währungsabwertungen böten die Schwellenländer jetzt ein großes Renditepotenzial. (21.07.2016/alc/a/a)