Erweiterte Funktionen
Schuldscheinmarkt öffnet sich für Firmen mit mäßiger Bonität
06.08.15 12:58
Scope Ratings
Berlin (www.anleihencheck.de) - Der Schuldscheinmarkt boomt wie zuletzt vor Ausbruch der Finanzkrise. Investoren zeichnen neuerdings vermehrt Schuldscheine von Unternehmen, die nicht über ein Investment Grade verfügen, zeigen aktuelle Zahlen der Ratingagentur Scope, so die Experten von Scope Ratings.
Die Suche der Investoren nach auskömmlichen Renditen im Niedrigzinsumfeld bestimme immer stärker das Geschehen auf dem Schuldscheinmarkt. "In der Vergangenheit mussten Unternehmen eine erstklassige Bonität haben, um Schuldverschreibungen platzieren zu können", sage Olaf Tölke, Leiter der Unternehmensanalyse bei Scope Ratings. "Das hat sich jüngst geändert. Auf der Suche nach Rendite zeichnen immer mehr institutionelle Investoren auch Papiere von Firmen, die lediglich über eine durchschnittliche Bonität verfügen." Zugleich besitze inzwischen mehr als ein Drittel der Schuldscheinemittenten kein Investment Grade, habe eine Scope-Stichprobe ergeben. Tölke gehe davon aus, dass dieser Anteil in Zukunft weiter wachsen werde.
Der Hintergrund: Der Schuldscheinmarkt in Deutschland wachse stark. Mehr als zwölf Milliarden Euro hätten Unternehmen im vergangenen Jahr über Schuldscheine eingesammelt, so viel wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Im laufenden Jahr gewinne der Aufwärtstrend noch einmal deutlich an Fahrt, bis Ende Juli habe das Volumen bereits bei rund zehn Milliarden Euro gelegen.
Unternehmen unterhalb eines BBB-Ratings würden aufgrund des höheren Ausfallrisikos höhere Zinsen als solche mit Investment Grade zahlen. Banken, Fonds und Versicherungen würden traditionell zu den wichtigsten Zeichnern von Schuldscheinen zählen. "Viele von ihnen stehen vor der Herausforderung, trotz Niedrigzinsumfeld vorgegebene Renditeziele zu erreichen", sage Scope-Experte Tölke. Vor allem die Assekuranzen dürften die Nachfrage nach hoch verzinsten Schuldscheinen weiter anfachen, zumal der Gesetzgeber im Frühjahr Investments von Pensionsfonds und Versicherungen in hoch verzinsliche Anlagen erleichtert habe.
Da viele Schuldscheinemittenten überhaupt kein Rating hätten, falle die Einschätzung der Bonität häufig schwer. Lediglich ein Viertel der emittierenden Unternehmen in Deutschland verfüge über ein öffentliches Rating, 75 Prozent von ihnen hätten ein Investment Grade. Nicht geratete Emittenten seien im Durchschnitt deutlich weniger finanzstark, habe die Scope-Stichprobe ergeben: Lediglich 40 Prozent von ihnen würden ein Investment Grade Rating bekommen.
"Wenn die Zahl der Emittenten durchschnittlicher Bonität ohne Rating stark wächst, könnte das für den Schuldscheinmarkt auf Dauer ein Problem werden", sage Tölke: "Sofern sich Investoren kein fundiertes Urteil über die Kreditqualität der Emittenten machen können, könnte dies ähnlich negative Folgen haben wie am Markt für Mittelstandsanleihen, der nach anfänglichem Boom und mehreren Firmenpleiten um seine Reputation kämpft."
Vor diesem Hintergrund könnten Emittenten günstigere Finanzierungskonditionen erzielen, wenn sie Investoren ihre Bonität mit einem Rating kommunizieren würden. Das gelte vor allem mit Blick auf internationale Anleger, die häufig keine ausreichenden Kapazitäten dafür hätten, eigene Analysen anzufertigen. Die Bedeutung der Käufer aus dem Ausland für den deutschen Schuldscheinmarkt sei zuletzt stark gewachsen: Während bis vor wenigen Jahren hierzulande nahezu 100 Prozent der Investoren aus dem deutschsprachigen Raum gekommen seien, seien es heute nur noch 70 Prozent. "Vor allem asiatische Investoren legen ihr Geld vermehrt im europäischen und auch im deutschen Schuldscheinmarkt an", beobachte Olaf Tölke.
Das deutsche Vehikel des Schuldscheindarlehens mit seiner Konstruktion als Mischung aus Kredit und Anleihe sei dabei zum europäischen Erfolgsmodell avanciert: Im vergangenen Jahr hätten Unternehmen europaweit 63 Milliarden Euro für die verbriefte Kredit-Variante eingesammelt. "Für Unternehmen sind Schuldverschreibungen eine gute Möglichkeit, ihre Finanzierung zu diversifizieren", sage Tölke. "Sie machen sich unabhängiger von den Banken." (06.08.2015/alc/a/a)
Die Suche der Investoren nach auskömmlichen Renditen im Niedrigzinsumfeld bestimme immer stärker das Geschehen auf dem Schuldscheinmarkt. "In der Vergangenheit mussten Unternehmen eine erstklassige Bonität haben, um Schuldverschreibungen platzieren zu können", sage Olaf Tölke, Leiter der Unternehmensanalyse bei Scope Ratings. "Das hat sich jüngst geändert. Auf der Suche nach Rendite zeichnen immer mehr institutionelle Investoren auch Papiere von Firmen, die lediglich über eine durchschnittliche Bonität verfügen." Zugleich besitze inzwischen mehr als ein Drittel der Schuldscheinemittenten kein Investment Grade, habe eine Scope-Stichprobe ergeben. Tölke gehe davon aus, dass dieser Anteil in Zukunft weiter wachsen werde.
Der Hintergrund: Der Schuldscheinmarkt in Deutschland wachse stark. Mehr als zwölf Milliarden Euro hätten Unternehmen im vergangenen Jahr über Schuldscheine eingesammelt, so viel wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Im laufenden Jahr gewinne der Aufwärtstrend noch einmal deutlich an Fahrt, bis Ende Juli habe das Volumen bereits bei rund zehn Milliarden Euro gelegen.
Da viele Schuldscheinemittenten überhaupt kein Rating hätten, falle die Einschätzung der Bonität häufig schwer. Lediglich ein Viertel der emittierenden Unternehmen in Deutschland verfüge über ein öffentliches Rating, 75 Prozent von ihnen hätten ein Investment Grade. Nicht geratete Emittenten seien im Durchschnitt deutlich weniger finanzstark, habe die Scope-Stichprobe ergeben: Lediglich 40 Prozent von ihnen würden ein Investment Grade Rating bekommen.
"Wenn die Zahl der Emittenten durchschnittlicher Bonität ohne Rating stark wächst, könnte das für den Schuldscheinmarkt auf Dauer ein Problem werden", sage Tölke: "Sofern sich Investoren kein fundiertes Urteil über die Kreditqualität der Emittenten machen können, könnte dies ähnlich negative Folgen haben wie am Markt für Mittelstandsanleihen, der nach anfänglichem Boom und mehreren Firmenpleiten um seine Reputation kämpft."
Vor diesem Hintergrund könnten Emittenten günstigere Finanzierungskonditionen erzielen, wenn sie Investoren ihre Bonität mit einem Rating kommunizieren würden. Das gelte vor allem mit Blick auf internationale Anleger, die häufig keine ausreichenden Kapazitäten dafür hätten, eigene Analysen anzufertigen. Die Bedeutung der Käufer aus dem Ausland für den deutschen Schuldscheinmarkt sei zuletzt stark gewachsen: Während bis vor wenigen Jahren hierzulande nahezu 100 Prozent der Investoren aus dem deutschsprachigen Raum gekommen seien, seien es heute nur noch 70 Prozent. "Vor allem asiatische Investoren legen ihr Geld vermehrt im europäischen und auch im deutschen Schuldscheinmarkt an", beobachte Olaf Tölke.
Das deutsche Vehikel des Schuldscheindarlehens mit seiner Konstruktion als Mischung aus Kredit und Anleihe sei dabei zum europäischen Erfolgsmodell avanciert: Im vergangenen Jahr hätten Unternehmen europaweit 63 Milliarden Euro für die verbriefte Kredit-Variante eingesammelt. "Für Unternehmen sind Schuldverschreibungen eine gute Möglichkeit, ihre Finanzierung zu diversifizieren", sage Tölke. "Sie machen sich unabhängiger von den Banken." (06.08.2015/alc/a/a)


