S.A.G. Solarstrom-Unternehmensanleihe: renditestark, aber sehr spekulativ


06.03.12 15:07
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst Rafal Kulis von Anleihencheck Research hält eine Anleihe (ISIN DE000A1K0K53 / WKN A1K0K5) der S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100) für eine renditestarke, aber auch sehr spekulative Anlage.

Die Anleihe habe noch eine Laufzeit bis zum 10. Juli 2017 und sei mit einem Kupon von 7,5% ausgestattet. Aus dem aktuellen Kurs von 76,00% resultiere eine sehr hohe jährliche Rendite von 13,202%.

Die S.A.G. Solarstrom AG gehöre zurzeit zu den wenigen positiven Ausnahmen im deutschen Photovoltaik-Sektor. Obwohl die Freiburger Gesellschaft aufgrund der gesunkenen Renditen aus mehreren Projekten und höheren Projektfinanzierungskosten Mitte Februar überraschend eine Gewinnwarnung für das Geschäftsjahr 2011 veröffentlicht habe, gehe die Konzernführung nach wie vor von einem positiven EBIT aus. Angesichts der schwierigeren Rahmenbedingungen in den für das Unternehmen besonders wichtigen Märkten Deutschland (Solarstrom-Subventionen würden deutlich gekürzt) und Italien (Solar-Förderprogramm laufe aus) sowie einer damit verbundenen Unsicherheit über die Preisentwicklung der Komponentenpreise könne S.A.G. Solarstrom AG zu diesem Zeitpunkt keinen verlässlichen Ausblick für 2012 geben.

Die S.A.G. Solarstrom AG habe in letzter Zeit verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Kostenstruktur vorgenommen, um weiterhin profitabel zu bleiben. So sollen bspw. die Personalkosten reduziert und andere Kosten durch Outsourcing eingespart werden. Das stabile Wachstum in den Unternehmenssegmenten Anlagenbetrieb & Services und Stromproduktion solle zu einem positiven Ergebnis verhelfen. Auch die verstärkte Fokussierung auf den Bau eigener Photovoltaikanlagen könnte die Profitabilität der Gesellschaft zusätzlich stabilisieren.

Nichtsdestotrotz seien die Geschäftsperspektiven der S.A.G. Solarstrom AG für die kommenden Quartale nach wie vor mit vielen Risiken behaftet. Aufgrund der aktuellen Finanzierungsprobleme und der unsicheren Lage auf den deutschen und italienischen Photovoltaik-Märkten hätten auch viele Analysten ihre Umsatz- und EBIT-Schätzungen nach unten revidiert. So würden z. B. die Analysten von Warburg Research für 2012 von einem leichten Umsatzrückgang auf EUR 262 Mio. sowie einem EBIT auf 2011er-Niveau ausgehen. Auch die Analysten vom Bankhaus Lampe hätten auf die vom Unternehmen ausgegebene Gewinnwarnung und die schwierigen Rahmenbedingungen auf dem Solarmarkt reagiert und ihre Bewertung für die S.A.G. Solarstrom-Aktie von "kaufen" auf "halten" herabgesetzt.

Es gebe allerdings auch Positives zu berichten. Die zurzeit hohe Nettoverschuldung der Gesellschaft solle in diesem Jahr dank den Mittelzuflüssen aus dem 48 MW-Projekt in Italien deutlich reduziert werden. Und die von der Bundesregierung gerade beschlossene Kürzung der Solarstrom-Subventionen könnte sich nach Meinung der Experten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln (EWI) langfristig sogar in einen Vorteil für die Photovoltaik-Branche verwandeln. Demnach bedeute die Umstellung der Einspeisevergütung auf eine monatliche Degression nur in 2012 und 2013 eine reale Reduzierung der Einspeisevergütung. Danach schlage der Nachteil in einen Vorteil um, denn ab 2014 werde der Solarstrom aus Dachanlagen höher vergütet als es nach dem bisherigen Fördersystem der Fall gewesen wäre. Der Energieexperte des Verbraucherzentralen Bundesverbands (VZBV) Holger Krawinkel rechne deshalb mit einem nach wie vor starken Zubau von Solarmodulen in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund erachten die Analysten von Anleihencheck Research die oben erwähnte Anleihe auf S.A.G. Solarstrom als eine renditestarke Anlage, allerdings mit einem sehr spekulativem Charakter. (Analyse vom 06.03.2012) (06.03.2012/alc/a/a)


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