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SNB muss weitere Devisenzuflüsse abwehren
13.07.16 09:00
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die gute Nachricht erst einmal vorweg: Offenbar musste die Schweizerische Nationalbank im Zuge von Brexit weniger intervenieren als befürchtet, um den EUR/CHF-Wechselkurs bei einem Kursniveau von 1,08 zu stabilisieren, so Ursina Kubli, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin AG.
Seit der Woche des EU-Referendums seien die wöchentlichen Sichtguthaben der inländischen Banken bei der SNB rund CHF 17,5 Milliarden gestiegen. Gemessen an früheren Schocks würden sich die aktuellen Währungsinterventionen der SNB folglich in Grenzen halten. In den drei Wochen nach dem Wegfall der Euro-Untergrenze im Januar 2015 seien die Sichtguthaben bei der SNB rund CHF 54 Milliarden gestiegen.
Die schlechte Nachricht sei jedoch, dass die wöchentlichen Sichtguthaben auch zwischen dem 2. und 8. Juli 2016 um CHF 3,7 Milliarden gestiegen seien. Es scheine, dass die SNB noch immer unter Druck sei, Zuflüsse in den sicheren Franken abzuwehren. Daran dürfte sich in absehbarer Zukunft auch nicht so viel ändern. Die ökonomischen Konsequenzen des EU-Referendums seien nach wie vor sehr ungewiss. Mit dem italienischen Referendum im November 2016 bleibe auch das politische Umfeld unsicher. In diesem Umfeld dürfte der Franken als sicherer Hafen gefragt sein, sodass weitere Abwehrmaßnahmen der SNB nötig sein dürften.
Bei einem weiteren Anstieg der Devisenreserven dürfte die Frage vermehrt aufkommen, ab welchem Niveau diese problematisch würden. Die Schweizer Reserven seien seit der Großen Finanzkrise aufgrund der Währungsinterventionen der SNB kräftig anstiegen. In einem internationalen Vergleich seien diese inzwischen sehr hoch, würden sie doch bald 100% des Schweizer Bruttoinlandprodukts erreichen. Seit dem Jahr 2015 seien die Schweizer Devisenreserven sogar höher als in Singapur. In Japan und China würden die Devisenreserven 60% beziehungsweise rund 30% vom BIP betragen. Einzig in Hongkong sei die entsprechende Quote mit 120% noch höher. Die Hauptsorge sei, dass das Eigenkapital der SNB bei einer weiteren Aufwertung des Frankens negativ werden könnte.
SNB-Präsident Jordan habe dieses Thema bereits im Jahr 2011 adressiert und habe in einem Papier ein paar wichtige Punkte hervorgehoben. Erstens führe negatives Eigenkapital die SNB im Gegensatz zu einer normalen Unternehmung nicht in eine Liquiditätskrise. Damit sei die Zentralbank nicht in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Zweitens sei die Zentralbank nicht wie andere Unternehmen gezwungen, Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. Drittens habe die SNB den Vorteil, von der sogenannten Seigniorage finanziell zu profitieren, und könnte negatives Eigenkapital auf diesem Weg langfristig abbauen. Jordan habe jedoch anerkannt, dass eine lange Periode von negativem Eigenkapital der Glaubwürdigkeit der SNB schaden könnte. Deshalb werde die SNB besorgt sein, die Devisenreserven nicht zu stark aufzubauen. Die Analysten würden erwarten, dass die SNB ihre Leitzinsen auf -1% senken werde, um ihre Devisenkäufe bei einem starken Anstieg der Nachfrage nach Franken einzuschränken. (Ausgabe vom 12.07.2016) (13.07.2016/alc/a/a)
Seit der Woche des EU-Referendums seien die wöchentlichen Sichtguthaben der inländischen Banken bei der SNB rund CHF 17,5 Milliarden gestiegen. Gemessen an früheren Schocks würden sich die aktuellen Währungsinterventionen der SNB folglich in Grenzen halten. In den drei Wochen nach dem Wegfall der Euro-Untergrenze im Januar 2015 seien die Sichtguthaben bei der SNB rund CHF 54 Milliarden gestiegen.
Bei einem weiteren Anstieg der Devisenreserven dürfte die Frage vermehrt aufkommen, ab welchem Niveau diese problematisch würden. Die Schweizer Reserven seien seit der Großen Finanzkrise aufgrund der Währungsinterventionen der SNB kräftig anstiegen. In einem internationalen Vergleich seien diese inzwischen sehr hoch, würden sie doch bald 100% des Schweizer Bruttoinlandprodukts erreichen. Seit dem Jahr 2015 seien die Schweizer Devisenreserven sogar höher als in Singapur. In Japan und China würden die Devisenreserven 60% beziehungsweise rund 30% vom BIP betragen. Einzig in Hongkong sei die entsprechende Quote mit 120% noch höher. Die Hauptsorge sei, dass das Eigenkapital der SNB bei einer weiteren Aufwertung des Frankens negativ werden könnte.
SNB-Präsident Jordan habe dieses Thema bereits im Jahr 2011 adressiert und habe in einem Papier ein paar wichtige Punkte hervorgehoben. Erstens führe negatives Eigenkapital die SNB im Gegensatz zu einer normalen Unternehmung nicht in eine Liquiditätskrise. Damit sei die Zentralbank nicht in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Zweitens sei die Zentralbank nicht wie andere Unternehmen gezwungen, Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. Drittens habe die SNB den Vorteil, von der sogenannten Seigniorage finanziell zu profitieren, und könnte negatives Eigenkapital auf diesem Weg langfristig abbauen. Jordan habe jedoch anerkannt, dass eine lange Periode von negativem Eigenkapital der Glaubwürdigkeit der SNB schaden könnte. Deshalb werde die SNB besorgt sein, die Devisenreserven nicht zu stark aufzubauen. Die Analysten würden erwarten, dass die SNB ihre Leitzinsen auf -1% senken werde, um ihre Devisenkäufe bei einem starken Anstieg der Nachfrage nach Franken einzuschränken. (Ausgabe vom 12.07.2016) (13.07.2016/alc/a/a)


