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Russland: Neuerliche Zinsanhebung und weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt


18.06.21 12:45
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Der Rückgang der Inflation im April auf 5,5% p.a. (nach 5,8% im März) in Russland erwies sich nur als kurze Atempause, denn im Mai zog die Teuerung wieder kräftig an auf 5,9% p.a., so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Finanzminister Siluanov sehe Überhitzungstendenzen und habe zu Augenmaß bei Staatsausgaben und Stimulus gemahnt. Präsident Putin habe die Inflation kürzlich als eines der beiden wichtigsten wirtschaftlichen Probleme Russlands bezeichnet. Notenbankchefin Nabiullina habe Anfang Juni betont, dass das Inflationsproblem in Russland keineswegs rein temporär sei, wie in manch anderen Ländern. Der Inflationsdruck sei von längerfristig wirkenden Faktoren getragen, unter anderem auch monetären, weshalb die Notenbank im April habe handeln müssen. Wenig später habe sie erneut gehandelt und Mitte des Monats die Zinsen neuerlich angehoben, von 5% auf 5,5%.

Man habe sogar einen Zinsschritt von einem vollen Prozentpunkt erwogen und mit hoher Wahrscheinlichkeit gäbe es im Juli eine weitere Zinsanhebung. Ziel sei es, das Tempo der Teuerung so rasch wie möglich unter Kontrolle zu bringen. Zum Teil sei diese freilich auf externe, weltweit wirkende Faktoren zurückzuführen, etwa auf steigende Preise für Rohstoffe und Agrargüter. Zinsmaßnahmen der Notenbank würden da nur bedingt helfen. Die russische Notenbank stehe wieder einmal vor einem heiklen Balanceakt: Einerseits dürfe sie nicht die wirtschaftliche Erholung abwürgen, die notwendig sei, um die Einkommen der Bevölkerung zu erhöhen.

Zum anderen dürfe die Inflation aber nicht zu hoch werden, weil sonst die Kaufkraft real schneller schwinde, als sie durch Wirtschaftswachstum aufgebaut werden könne. Schließlich lebe jeder siebente Russe unterhalb der Armutsgrenze und im Herbst stünden Parlamentswahlen an. Die Regierung habe bereits Preisobergrenzen für einige Güter des täglichen Bedarfs eingeführt. Weitere Zölle oder Mengenbegrenzungen für Nahrungsmittelexporte könnten folgen, falls sich der weltweite Preisanstieg und/oder Verknappungen fortsetzen würden. Die Aktienkurse in Moskau hätten im Mai kräftig zugelegt - um 5% in Rubel und sogar 7,5% in US-Dollar gerechnet. (18.06.2021/alc/a/a)