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Ruhe bewahren, Zinsen senken


12.03.25 12:37
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Dank nachlassender Inflation und sinkender Inflationserwartungen begann die EZB im Juni 2024, die Zinsen zu senken, so André Figueira de Sousa, Rentenfondsmanager von DPAM.

Jetzt habe sie die finanziellen Bedingungen - wie vom Markt erwartet - weiter gelockert. Insgesamt liege der Leitzins inzwischen 150 Basispunkte unter dem Stand von vor neun Monaten. Sei es jetzt an der Zeit für die EZB, das Tempo der Senkungen zu drosseln? André Figueira de Sousa wage einen Blick voraus:

Der Disinflationsprozess sei laut EZB auf einem guten Weg. Mittelfristig dürfte sich die Inflation um das 2%-Ziel der EZB einpendeln. Die Inflation bei Dienstleistungen sei zwar immer noch hoch; das Lohnwachstum dürfte sich aber im Laufe des Jahres abschwächen. Der EZB-Rat sollte den vorausschauenden Lohn-Tracker der EZB stärker berücksichtigen. Zuletzt habe die EZB die Inflation aufgrund der Energiepreise nach oben korrigiert, während sie ihre Wachstumsprognosen für das laufende und das kommende Jahr wegen "höherer handelspolitischer Unsicherheit" gesenkt habe.

Die bisherigen Zinssenkungen der EZB hätten schneller umgesetzt werden können. Der europäische Fertigungssektor befinde sich nach wie vor in einer Rezession. Die Äußerung, die Geldpolitik werde "deutlich weniger restriktiv", zeige, dass der EZB-Rat den Leitzins weiterhin für restriktiv halte. Zuletzt habe nur ein Gouverneur der Zinssenkung nicht zugestimmt.

Aus Deutschland und von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen habe es letzte Woche umfangreiche Ankündigungen zur europäischen Verteidigung gegeben. Deutschland habe zudem höhere Infrastrukturausgaben verkündet. Beides sei angesichts der jüngsten Erfahrungen mit der US-Führung zu begrüßen. Die längst überfällige Erneuerung der deutschen Infrastruktur, die für die Produktivität des Landes unerlässlich sei, sei von ebenso entscheidender Bedeutung wie starke Volkswirtschaften in der europäischen Peripherie. Nach den deutschen Ankündigungen seien die finanziellen Bedingungen jetzt sogar strenger als zuvor, da die Märkte ein Worst-Case-Szenario eingepreist hätten.

Die Märkte würden ein höchstmögliches Emissionsniveau einpreisen. Die tatsächlichen Emissionen dürften niedriger ausfallen. André Figueira de Sousa sei zuversichtlich, dass das erhöhte Angebot auch im Jahr 2025 gut nachgefragt werde. In Deutschland seien Veränderungen zwar unvermeidlich, aber vieles werde von politischen Entscheidungen abhängen. Die EZB sollte von diesen Diskussionen unabhängig bleiben und sich weiterhin auf ihr Hauptmandat konzentrieren: die Preisstabilität. (12.03.2025/alc/a/a)