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Rückenwind für Schwellenländeranleihen


13.06.24 12:00
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Nach zweistelligen Zuwächsen in US-Dollar 2023 haben Emerging Market Debt Hard Currency (EMDHC) in diesem Jahr weiter zugelegt, so Jacob Ellinge Nielsen, Thomas Haugaard und Matthew Argent, Portfolio Manager bei Janus Henderson Investors.

Im bisherigen Jahresverlauf hätten weitere Spread-Verengungen - insbesondere in Afrika und im CCC-Segment - die negativen Auswirkungen der steigenden Renditen von US-Treasuries, die mit den deutlich zurückgeschraubten Erwartungen über Umfang und Höhe der FED-Zinssenkungen 2024 zusammengefallen seien, ausgleichen können.

Der anhaltende Optimismus bezüglich einer "sanften Landung" und auf eine robuste US-Wirtschaft hindeutende Daten hätten Risikoanlagen begünstigt. Die Wiedereröffnung des Primärmarktzugangs zu zahlreichen High-Yield-Frontier-Märkten wie der Elfenbeinküste, Benin und Kenia habe zu einer erhöhten Risikobereitschaft im EMDHC-Segment geführt. Darüber hinaus sei eine sehr starke Nachfrage nach Anleiheemissionen von Ländern mit Investment-Grade-Rating (IG) wie Saudi-Arabien, Mexiko, Ungarn, Slowenien, Indonesien und Polen zu beobachten gewesen.

Insgesamt seien die Experten für EMDHC im Vergleich zu Credits aus Industrieländern (DM) optimistischer, auch wenn die Länderunterschiede ("Ertragsdispersion") in den EM ihres Erachtens für aktive Investoren ein wichtiges Thema bleiben werde.

Die Credit Spreads für EMDHC-Staatsanleihen seien derzeit eng und lägen am unteren Ende der historischen Spannen, insbesondere wenn man das Segment der notleidenden Anleihen (CCC und niedriger) berücksichtige. Das bedeute, dass es für Anleger hinsichtlich des aggregierten Credit-Beta-Risikos (Duration-Times-Spread) nach Meinung der Experten nicht sinnvoll sei, sich derzeit aggressiv gegenüber der Benchmark JP Morgan EMBI Global Diversified Index zu positionieren.

Dennoch sollten die aktuellen EMDHC-Spreads im Zusammenhang mit den Credit Spreads der Industrieländer gesehen werden. Dort seien die Bewertungen ebenfalls angespannt - wenn nicht sogar noch angespannter. Im Vergleich zu US-Unternehmensanleihen erscheinen die EMDHC-Bewertungen beispielsweise immer noch attraktiv, so die Experten von Janus Henderson Investors.

Nach Ansicht der Experten sei es unwahrscheinlich, dass sich die EMDHC-Spreads in nächster Zeit wesentlich ausweiten würden. Die Gründe:

- Das Credit-Rating-Prognosemodell der Experten deute darauf hin, dass sich die allgemeine Länderkreditqualität in dem Anlageuniversum der Experten - nach den erheblichen Belastungen ihrer Staatshaushalte während Corona - 2024 und 2025 verbessern dürfte.

- Attraktive (hohe einstellige) Renditen in dem Anlageuniversum der Experten würden einen Puffer gegen eine potenzielle Spread-Ausweitung sowie einen potenziellen Schub für die Gesamtertragsaussichten bieten.

- Da sich die Märkte stärker auf Wachstum und weniger auf Inflation konzentrieren würden, würden die Experten eine erneute negative Korrelation zwischen den EMDHC-Spreads und den US-Treasury-Renditen erwarten. Sie könnten bei einem enttäuschenden US-Wirtschaftswachstum einen gewissen Schutz bieten, da eine Ausweitung der Spreads durch niedrigere US-Treasury-Renditen abgeschwächt würde.

Im Wesentlichen würden die Experten glauben, dass Anleger weiterhin attraktive Gesamterträge aus dieser Anlageklasse erzielen könnten, selbst unter Berücksichtigung der aktuellen Spreads.

Das globale Marktumfeld scheine für die Anlageklasse überwiegend günstig zu sein. Insgesamt würden die folgenden Faktoren nach Einschätzung der Experten für Rückenwind bei EMDHC sorgen:

- Zwar habe es in letzter Zeit Zinsschwankungen und Anzeichen dafür gegeben, dass die Inflation in den USA nicht weiter steige (in anderen Ländern sei dies weitaus weniger der Fall), doch werde allgemein erwartet, dass die FED höchstwahrscheinlich die endgültigen Zinssätze erreicht habe, wobei die Messlatte für Zinserhöhungen hoch liege. Dies bedeute, dass die US-Treasury-Renditen wahrscheinlich keinen nennenswerten Gegenwind für EMDHC mit sich bringen dürften. Außerdem habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die EMDHC-Erträge in den beiden Jahren nach Ende eines Zinsstraffungszyklus überdurchschnittlich hoch gewesen seien.

- Die Chancen auf eine weiche Landung in den USA seien gestiegen, und die Zentralbanken hätten reichlich Spielraum, um ihre Geldpolitik zu lockern bzw. die Zinsen zu senken, falls dies erforderlich sei. Sollte man keine weiteren positiven Wachstumsüberraschungen in den USA im Vergleich zum Rest der Welt erleben, könnte der US-Dollar schwächer werden. Dies würde sich positiv auf die Schuldentragfähigkeit staatlicher Emittenten von US-Dollar-Schulden auswirken.

- Die Frühindikatoren der Schwellenländer hätten sich in letzter Zeit verbessert, was darauf hindeute, dass sich eine Erholung abzeichne.

- Im Zyklus seien die Schwellenländer den USA voraus. Viele Schwellenländer hätten aufgrund ihrer höheren Ausgangssituation bei den Realzinsen und der sich verbessernden Inflationsdynamik reichlich Spielraum für geldpolitische Lockerungen. Bis dato hätten die Zentralbanken in den Schwellenländern 2024 ihre Geldpolitik weiter gelockert.

- Chinas Wirtschaftswachstum habe sich verlangsamt, aber die Experten würden ein "Durchmarschszenario" und keine Krise erwarten. Die Ankündigung eines Wachstumsziels von "rund 5%" erscheine ehrgeizig (im Gegensatz zu den Konsensprognosen von rund 4,5% für 2024) und könnte auf weitere gezielte Stimulierungsmaßnahmen hindeuten. Der Einbruch auf dem Immobilienmarkt habe das Vertrauen erschüttert, und die mangelnde Bereitschaft der Haushalte, ihre Ersparnisse auszugeben, bleibe in China ein Gegenwind. Dennoch gebe es erste Anzeichen für eine Stabilisierung, da die jüngsten Zahlen des Einkaufsmanagerindex (PMI) über dem Marktkonsens lägen und die Investmentbanken ihre Wachstumsprognosen für 2024 nach oben korrigieren würden. Die negativen Auswirkungen der chinesischen Wachstumsverlangsamung auf die Schwellenländer würden wahrscheinlich schwächer ausfallen als in der Vergangenheit, könnten aber bestimmte Rohstoffexporteure stärker belasten.

- Das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern (EM) übertreffe weiterhin das Wachstum in den Industrieländern, einschließlich der USA. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich das Wachstumsgefälle zwischen den Schwellen- und den Industrieländern über den Prognosehorizont hinweg vergrößere, auch wenn das bessere US-Wachstum im Jahr 2024 eine Ausweitung dieses Gefälles bisher verzögert habe.

Auf Basis ihres Credit-Rating-Prognosemodells würden die Experten davon ausgehen, dass sich die allgemeine Kreditqualität des Emerging Market Bond Index (EMBI)-Universums in den Jahren 2024 und 2025 verbessern werde. Ausschlaggebend dafür seien vor allem die wirtschaftliche Erholung und eine gewisse Haushaltskonsolidierung. Die Möglichkeit einiger High-Yield-Länder - einschließlich der afrikanischen Länder südlich der Sahara -, neue Anleihen zu emittieren, sei im bisherigen Jahresverlauf ein bemerkenswert positiver Aspekt gewesen.

Unterdessen gebe es Fortschritte bei der Umstrukturierung, und die Experten würden davon ausgehen, dass es 2024 keine weiteren Zahlungsausfälle von Staaten geben werde. Nach Ansicht der Experten sei das Risiko einer breiteren Ansteckung von der Kategorie der notleidenden Länder auf die gesamte Anlageklasse der Schwellenländer begrenzt.

Frühere Abflüsse in den Jahren 2022 und 2023 hätten der Anlageklasse aus markttechnischer Sicht eine sauberere Ausgangslage beschert. Nach Ansicht der Experten könnte die Nachfrage-/Angebotsdynamik im weiteren Jahresverlauf 2024 für die Anlageklasse förderlich werden.

Höhere Gesamtrenditen bei Fixed Income könnten die Nachfrage von EM-Anlegern ankurbeln und eine fortlaufende Verbesserung der Kapitalströme bewirken. Dies hänge jedoch weitgehend von Zinssenkungen der FED ab. Insbesondere wenn sich der US-Dollar-Zyklus abschwächt, könnten wir angesichts der negativen Korrelation zwischen dem US-Dollar und den EM-Kapitalströmen eine zunehmende Allokation in Schwellenländeranlagen erwarten, so die Experten von Janus Henderson Investors. (13.06.2024/alc/a/a)