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Rückenwind für Euro-Anleihen durch EZB-Politik?
20.01.15 14:48
AB
München (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Kapitalmärkte werden auch 2015 im Zeichen einer ultralockeren Geldpolitik stehen, so Markus Peters, Senior Portfolio Manager Fixed Income bei AB.
So werde die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung der Ökonomen von AB ihre Wertpapierkäufe bald auf Staatsanleihen ausdehnen. Vor diesem Hintergrund böten sich Investoren Anlagechancen an den europäischen Anleihemärkten.
Die Weltwirtschaft expandiere derzeit verhalten. Für 2015 werde allerdings mit einem moderaten Wachstumsanstieg von 2,7 auf 3,0 Prozent gerechnet. Dieser Konjunkturimpuls sei zu einem guten Teil dem starken Einbruch am Ölmarkt zu verdanken. Die gesunkenen Energiekosten würden zudem einen Einkommenstransfer von den Öl exportierenden Staaten zu den Ölkonsumenten bewirken, der sich alleine in diesem Jahr auf hunderte Mrd. USD summieren könnte.
Der tiefe Ölpreis beeinflusse auch die Finanzmärkte. Da Verbraucher und Unternehmen weniger Geld für fossile Brennstoffe ausgegeben hätten, seien die Inflationserwartungen in den Industriestaaten noch ein Stück weiter gesunken. Dies habe auch die Anleiherenditen auf Talfahrt geschickt. Die Suche nach Ertragsmöglichkeiten am Rentenmarkt habe sich damit noch verschärft. Denn wer der Bundesrepublik Deutschland aktuell für zehn Jahre Geld leihe, erhalte dafür nur noch eine kümmerliche Rendite von zurzeit rund 0,45 Prozent. Die Verzinsung auf 5-Jahressicht sei bereits sogar negativ bei -0,05 Prozent.
Der Verfall des Ölpreises habe die Teuerungsraten nochmals massiv unter Druck gebracht. Im Dezember hätten die Verbraucherpreise in der Eurozone um 0,2 Prozent abgenommen. Die Experten würden erwarten, dass die europäischen Verbraucherpreise über den Groβteil des Jahres hinweg zurückgehen würden. Derzeit sollte der deflationäre Trend bei rund -0,4 Prozent im ersten Quartal seinen Tiefstand finden. Sollte sich der Ölpreis jedoch auf einem Niveau nahe 50 USD pro Barrel stabilisieren, sei es wahrscheinlich, dass diese Prognose noch nach unten korrigiert werden müsse.
Die Entwicklung habe aber auch positive Seiten: Niedrigere Kosten für Sprit und Heizung würden die Realeinkommen jetzt wieder steigen lassen. Die Ökonomen würden den aktuellen Einkommenszuwachs auf 1,8 Prozent beziffern. Der Effekt sei bereits spürbar, die Verbraucher würden mehr konsumieren. Unter anderem aufgrund der besseren Binnennachfrage könnte die Wirtschaft im Euroraum 2015 um 1,3 Prozent zulegen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt 2014 nur um 0,8 Prozent gewachsen sein dürfte.
Es komme nun darauf an, ob die Europäische Zentralbank die Folgen des gesunkenen Ölpreises als vorübergehendes Phänomen werte und abwarte - oder ob sie den nächsten Schritt mache und auch mit dem Erwerb von Staatsanleihen beginne. Die AB-Wirtschaftsexperten würden erwarten, dass die Währungshüter handeln und demnächst den Start eines erweiterten Ankaufprogramms verkünden würden. Schließlich habe EZB-Chef Mario Draghi kürzlich betont, dass die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich steigen müssten.
Angesichts des verhaltenen Konjunktur- und Inflationstrends im Euroraum müssten Anleiheinvestoren um jeden Prozentpunkt Rendite kämpfen. Alternativen zu renditeschwachen Bundesanleihen würden durchaus existieren. Bei vergleichbarer Kreditqualität würden britische Staatsanleihen beispielsweise eine attraktivere Verzinsung aufweisen. Derzeit liege der Zinsunterschied zwischen deutschen und britischen Staatsanleihen mit fünf- oder zehnjähriger Laufzeit bei rund 1 Prozent. Gute Chancen sehe man auch in Irland. Das Land habe seine Hausaufgaben gemacht. Die Schulden Irlands würden zukünftig sinken und die Wirtschaft sei im dritten Quartal 2014 um 3,5 Prozent gewachsen. Damit habe das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts dasjenige aller anderen Euromitglieder um Längen übertroffen.
Investoren mit einem höheren Ertragsbedarf böten Hochzinsanleihen, so genannte High Yield Bonds, interessante Investitionsmöglichkeiten. Das Segment sollte von den Wertpapierkäufen der Europäischen Zentralbank, dem so genannten Quantitative Easing (QE), profitieren. Denn das QE führe in der Regel zu einer Stimmungsaufhellung am Markt und drücke Anleger von den sicheren Staatsanleihen in höher verzinsende Anlagen. Auch die europäische Peripherie sollte von einem solchen Aufkaufprogramm profitieren, auch wenn die anstehenden griechischen Wahlen und die anschließende Regierungsbildung für Schwankungen am Markt sorgen könnten.
Höherverzinsliche Investments sollten allerdings nicht wahllos erfolgen. Wichtig seien die genaue Analyse und eine breite Streuung. Denn das anhaltend geringe nominelle Wirtschaftswachstum im Euroraum halte dazu an, sich jedes Unternehmen am Markt sehr genau anzuschauen. Auch in diesem Jahr werde es wieder Zahlungsausfälle von Unternehmen mit einem hohen Schuldengrad oder einem schwachen Businessmodell geben. Exportunternehmen sollten allerdings von einem sich weiter abschwächenden Euro profitieren und an Wettbewerbsfähigkeit hinzugewinnen. (20.01.2015/alc/a/a)
So werde die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung der Ökonomen von AB ihre Wertpapierkäufe bald auf Staatsanleihen ausdehnen. Vor diesem Hintergrund böten sich Investoren Anlagechancen an den europäischen Anleihemärkten.
Die Weltwirtschaft expandiere derzeit verhalten. Für 2015 werde allerdings mit einem moderaten Wachstumsanstieg von 2,7 auf 3,0 Prozent gerechnet. Dieser Konjunkturimpuls sei zu einem guten Teil dem starken Einbruch am Ölmarkt zu verdanken. Die gesunkenen Energiekosten würden zudem einen Einkommenstransfer von den Öl exportierenden Staaten zu den Ölkonsumenten bewirken, der sich alleine in diesem Jahr auf hunderte Mrd. USD summieren könnte.
Der tiefe Ölpreis beeinflusse auch die Finanzmärkte. Da Verbraucher und Unternehmen weniger Geld für fossile Brennstoffe ausgegeben hätten, seien die Inflationserwartungen in den Industriestaaten noch ein Stück weiter gesunken. Dies habe auch die Anleiherenditen auf Talfahrt geschickt. Die Suche nach Ertragsmöglichkeiten am Rentenmarkt habe sich damit noch verschärft. Denn wer der Bundesrepublik Deutschland aktuell für zehn Jahre Geld leihe, erhalte dafür nur noch eine kümmerliche Rendite von zurzeit rund 0,45 Prozent. Die Verzinsung auf 5-Jahressicht sei bereits sogar negativ bei -0,05 Prozent.
Die Entwicklung habe aber auch positive Seiten: Niedrigere Kosten für Sprit und Heizung würden die Realeinkommen jetzt wieder steigen lassen. Die Ökonomen würden den aktuellen Einkommenszuwachs auf 1,8 Prozent beziffern. Der Effekt sei bereits spürbar, die Verbraucher würden mehr konsumieren. Unter anderem aufgrund der besseren Binnennachfrage könnte die Wirtschaft im Euroraum 2015 um 1,3 Prozent zulegen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt 2014 nur um 0,8 Prozent gewachsen sein dürfte.
Es komme nun darauf an, ob die Europäische Zentralbank die Folgen des gesunkenen Ölpreises als vorübergehendes Phänomen werte und abwarte - oder ob sie den nächsten Schritt mache und auch mit dem Erwerb von Staatsanleihen beginne. Die AB-Wirtschaftsexperten würden erwarten, dass die Währungshüter handeln und demnächst den Start eines erweiterten Ankaufprogramms verkünden würden. Schließlich habe EZB-Chef Mario Draghi kürzlich betont, dass die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich steigen müssten.
Angesichts des verhaltenen Konjunktur- und Inflationstrends im Euroraum müssten Anleiheinvestoren um jeden Prozentpunkt Rendite kämpfen. Alternativen zu renditeschwachen Bundesanleihen würden durchaus existieren. Bei vergleichbarer Kreditqualität würden britische Staatsanleihen beispielsweise eine attraktivere Verzinsung aufweisen. Derzeit liege der Zinsunterschied zwischen deutschen und britischen Staatsanleihen mit fünf- oder zehnjähriger Laufzeit bei rund 1 Prozent. Gute Chancen sehe man auch in Irland. Das Land habe seine Hausaufgaben gemacht. Die Schulden Irlands würden zukünftig sinken und die Wirtschaft sei im dritten Quartal 2014 um 3,5 Prozent gewachsen. Damit habe das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts dasjenige aller anderen Euromitglieder um Längen übertroffen.
Investoren mit einem höheren Ertragsbedarf böten Hochzinsanleihen, so genannte High Yield Bonds, interessante Investitionsmöglichkeiten. Das Segment sollte von den Wertpapierkäufen der Europäischen Zentralbank, dem so genannten Quantitative Easing (QE), profitieren. Denn das QE führe in der Regel zu einer Stimmungsaufhellung am Markt und drücke Anleger von den sicheren Staatsanleihen in höher verzinsende Anlagen. Auch die europäische Peripherie sollte von einem solchen Aufkaufprogramm profitieren, auch wenn die anstehenden griechischen Wahlen und die anschließende Regierungsbildung für Schwankungen am Markt sorgen könnten.
Höherverzinsliche Investments sollten allerdings nicht wahllos erfolgen. Wichtig seien die genaue Analyse und eine breite Streuung. Denn das anhaltend geringe nominelle Wirtschaftswachstum im Euroraum halte dazu an, sich jedes Unternehmen am Markt sehr genau anzuschauen. Auch in diesem Jahr werde es wieder Zahlungsausfälle von Unternehmen mit einem hohen Schuldengrad oder einem schwachen Businessmodell geben. Exportunternehmen sollten allerdings von einem sich weiter abschwächenden Euro profitieren und an Wettbewerbsfähigkeit hinzugewinnen. (20.01.2015/alc/a/a)


