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Risiko der Stagflation wächst


29.03.22 10:45
OFI Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Zentralbanken werden bei der Straffung der Geldpolitik vorsichtiger sein müssen, als der Markt erwartet. Denn der Ausgang und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und der damit verbundenen Sanktionen vor allem in Europa sind kaum absehbar, so Jean-Marie Mercadal, Head of Investment Strategies, und Eric Bertrand, Chief Investment Officer bei OFI Asset Management.

Die Inflation sei nicht mehr unter Kontrolle. Sie könnte stark ansteigen, wenn die Energiesanktionen gegenüber Russland verschärft würden. Dies wiederum würde neue Risiken eines Wirtschaftsrückgangs mit sich bringen. Obwohl die Aktienmarktbewertungen im Vergleich zu vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine attraktiv erscheinen, würden die Experten meinen, dass es besser sei, vorsichtig zu sein. Denn es scheine keinen Ausweg aus diesem Konflikt in absehbarer Zeit zu geben, bei dem alle Seiten ihr Gesicht wahren könnten.

Eine Einmischung Chinas könnte eventuell Bewegung in den Konflikt bringen, sei aber zurzeit unwahrscheinlich, da sich das Land inmitten eines wirtschaftlichen Abschwungs befinde. Ein festgefahrener Konflikt wiederum könnte in Europa die Wirtschaft drosseln. Bei hoher Inflation wäre eine Phase der Stagflation dann nicht auszuschließen.

Kurzfristig gesehen dürften die potenziellen Auswirkungen auf Wachstum und Inflation dazu führen, dass die Anleiherenditen letztlich geringer ausfallen würden als bisher erwartet und bei 2,00 Prozent für zehnjährige US-Staatsanleihen und 0,25 Prozent für Bundesanleihen landen würden. Das niedrige Niveau könnte noch lange Zeit anhalten, auch wenn die Inflation weiter steige und damit die Realzinsen negativ seien.

Einstweilen überwögen die Unwägbarkeiten und würden eine Prognose erschweren, wie es an die Finanzmärkten weitergehe. Alle Akteure würden umso wachsamer das Verhalten der Zentralbanken verfolgen. (29.03.2022/alc/a/a)