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Risiken an den Bondmärkten nicht ausblenden


08.04.16 08:37
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die weltweit zu beobachtende Inflation entwickelt sich im Schlepptau der Rohstoffpreise, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Das Geldmengenwachstum gebe jedoch keine Hinweise auf einsetzende deflationäre Tendenzen. Mit dem ersten Zinsschritt seit sieben Jahren habe die FED ihre Lockerung im Dezember 2015 etwas zurückgenommen. Im Zuge des allmählichen Kurswechsels in der Geldpolitik und angesichts der ambitionierten Bewertungsniveaus sollte in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich mit einem zyklischen Anstieg der Staatsanleiherenditen gerechnet werden.

Gleichzeitig bleibe aber eine gewisse Unsicherheit über Zeitpunkt und Geschwindigkeit einer Normalisierung der US-Geldpolitik bestehen. Die Bank of England wiederum, die sich im Herbst 2015 noch auf eine erste Zinserhöhung vorzubereiten geschienen habe, dürfte im Vorfeld des im Juni anstehenden Referendums zu einem eventuellem "Brexit" zunächst keinerlei Änderungen an ihrer bisherigen Politik vornehmen. Die Entscheidung der Bank of Japan (BoJ), einen negativen Einlagensatz einzuführen, habe die Renditen japanischer Staatsanleihen auf neue Rekordtiefs fallen lassen.

Trotz eines umfangreichen Maßnahmenpakets aus Leitzinssenkungen, zusätzlichen Wertpapierkäufen in der Größenordnung von 240 Milliarden Euro bis März 2017 und langfristigen Refinanzierungsgeschäften habe die EZB die Marktteilnehmer auf ihrer letzten Ratssitzung am 10. März dahingehend enttäuscht, dass sie weiteren Zinsschritten eine Absage erteilt habe.

Aus Anlegerperspektive setze sich das "Tauziehen" an den Anleihenmärkten des Euroraums fort: Während die kurzen Laufzeiten durch die EZB-Negativzinspolitik verankert bleiben würden, würden die kontinuierliche Nachfrage der EZB und die nach wie vor vergleichsweise gedämpften Inflationserwartungen auch weiterhin einen Abwärtsdruck auf die Renditen in den längeren Laufzeitbereichen ausüben.

Die Bundesanleihen hätten im ersten Quartal dieses Jahres eine beeindruckende Performance gezeigt. Zu Beginn dieses Jahres habe die zehnjährige Bundesanleihe mit 0,6% rentiert. Fast kontinuierlich sei es dann in der Folgezeit bergab gegangen. Um 44 Basispunkte sei die Rendite der Benchmark in der Eurozone in den ersten drei Monaten abgesackt. Zuletzt sei ein Tagestief mit 0,14% erreicht worden. Das sei der stärkste Rückgang in einem Quartal seit 4,5 Jahren. Damit rücke das Rekordtief von 0,049%, das am 17. April 2015 erreicht worden sei, wieder in greifbare Nähe.

Ursächlich für den Renditeverfall seien die massiven Anleihe-käufe der EZB. Investoren würden die Anleihen kaufen, um sie später der EZB zu höheren Preisen weiterzuverkaufen. Das drücke die Renditen immer weiter nach unten. Des Weiteren würden aber auch die direkten Käufe der EZB die Renditen unter Druck setzen. Einige Analysten würden deshalb immer weiter fallende Renditen bis in den negativen Bereich prognostizieren, wodurch weiteres Kurspotenzial bei Bunds bestünde.

Anleger sollten jedoch Renditetreiber, wie eine möglicherweise allmählich anziehende Inflationsrate im späteren Jahresverlauf 2016 und den US-Leitzinserhöhungszyklus, im Blickfeld behalten - auch wenn es nicht zu einem nachhaltigen Renditeausbruch nach oben kommen dürfte. Verglichen mit den Vorkrisenniveaus würden Euroland-Peripherieanleihen nach wie vor höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten auf Sicht von fünf Jahren einpreisen. Während das Marktsegment auch zukünftig durch die politischen Risiken in der Eurozone belastet werden könnte, würden die zunehmende Konjunkturerholung, fiskalische Konsolidierungsfortschritte sowie die EZB-Geldpolitik unterstützend wirken. (Ausgabe April 2016) (08.04.2016/alc/a/a)