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Rentenmarkt: Der geldpolitische Impuls nimmt ab


20.12.21 10:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die US-Notenbank FED wesentliche Änderungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vorgenommen, so die Experten von Union Investment.

Diese würden insbesondere die schrittweise Reduktion ihrer monatlichen Anleihekäufe betreffen. Ab Januar 2022 erhöhe die FED das Tapering-Tempo von monatlich 15 Milliarden US-Dollar auf dann 30 Milliarden US-Dollar. Damit würden die Nettoanleihekäufe bereits Mitte März 2022 auf null heruntergefahren sein und nicht erst Mitte Juni, wie es der ursprüngliche Tapering-Plan vorgesehen habe. Dies ermögliche der FED, wenn nötig, schon im April die Leitzinsen anzuheben. Die Experten von Union Investment rechnen mit einem ersten Zinsschritt im Juni. Diesem könnten zwei weitere Zinserhöhungen folgen. Dies ergebe sich auch aus den Projektionen der Notenbank selbst. Hätten im September noch neun Mitglieder des Offenmarktausschusses für einen Zinsschritt im kommenden Jahr und neun dagegen gestimmt, gehe die Mehrheit der FED-Gouverneure nun von drei Zinserhöhungen aus. Die zuletzt weiter hohen Inflationsdaten hätten offenbar zu einem Umdenken geführt.

US-Staatsanleihen hätten auf die Pläne mit überraschenden Kursgewinnen reagiert. Über alle Laufzeiten hinweg seien die Renditen zurückgekommen. Die Ratio dahinter: Je aggressiver die Notenbank zu Beginn auftreten werde, desto kürzer sollte der Zinszyklus ausfallen.

Die europäischen Währungshüter würden ihr Ankauftempo ebenfalls verlangsamen. Im Rahmen den PEPP sollten in Q1 deutlich weniger Papiere erworben werden. Im März ende das Programm dann vollständig. Ab April werde das Asset Purchase Programm (APP) von 20 auf 40 Milliarden Euro aufgestockt. In Summe (PEPP und APP) werde die Kaufsumme Schritt für Schritt von 85 Milliarden Euro pro Monat in Q4 2021 auf 20 Milliarden Euro in Q4 2022 fallen. Die Grundlage für besonders kraftvolle Maßnahmen, wie in der Strategie der EZB zu lesen sei, sei weniger gegeben.

Ein Ende von PEPP sei so erwartet worden. Positiv sei sicherlich zu erwähnen, dass schon jetzt klar sei, wie es danach weitergehen werde. Die EZB werde also nach wie vor Anleihen erwerben, jedoch in geringerem Maße als angenommen. Da kaum Bundesanleihen emittiert würden, dürfte die Nachfrage der EZB das Angebot weiterhin übersteigen und die Kurse stützen. Dementsprechend hätten Bundesanleihen verhalten auf die Beschlüsse der EZB reagiert und sich zur Vorwoche unverändert gezeigt. Für Staatsanleihen aus den Peripherieländern seien die Folgen jedoch ungleich größer. Wenn in der zweiten Jahreshälfte 2022 nur noch 20 Milliarden Euro pro Monat von der EZB gekauft würden, falle die Unterstützung deutlich geringer aus. Fälligkeiten aus dem PEPP würden zwar reinvestiert, sollte es aber zu Stress an den Märkten kommen, dürfte es die EZB schwer haben sich einer möglichen Erhöhung der Risikoaufschläge entgegen zu stellen. Dementsprechend sei auch die Marktreaktion ausgefallen.

Bundesanleihen hätten gegenüber der Vorwoche unverändert gehandelt. Papiere aus Italien hätten direkt nach dem EZB-Treffen mit Kursverlusten reagiert. Freundlich hätten sich hingegen Titel aus Griechenland gezeigt. Hier habe die Sorge bestanden, dass griechische Anleihen nach dem Ende des PEPP aufgrund der zu schlechten Bonitätseinschätzung der Ratingagenturen nicht mehr gekauft werden könnten. Im Rahmen der Reinvestitionen würden die europäischen Währungshüter aber auch diese Anleihen weiterhin erwerben.

Abermals habe die Bank of England (BoE) die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt. Seien diese beim letzten Treffen fest von einer ersten Zinserhöhung ausgeblieben, sei diese ausgeblieben. Angesichts der Unsicherheiten rund um die steigenden Infektionszahlen mit der Omikron-Variante des Corona-Virus habe man diesmal mit einer abwartenden Haltung gerechnet. Stattdessen habe die BoE jedoch völlig unerwartet den Leitzins um 15 Basispunkte auf 0,25 Prozent angehoben. Auf dem nächsten Treffen im Februar sei mit einer weiteren Anhebung zu rechnen.

Abgesehen von den Notenbanksitzungen habe sich an den Rentenmärkten in den letzten Handelstagen bereits eine vorweihnachtliche Lethargie bemerkbar gemacht. Die Umsätze seien merklich zurückgegangen und vielfach hätten die Märkte seitwärts gehandelt. Am Markt für Unternehmensanleihen hätten sich Anleger auch mit Blick auf die Entscheidung der EZB entspannt gezeigt. Schließlich seien im Rahmen den PEPP zuletzt fast nur Staatsanleihen erworben worden.

Anleihen aus den Schwellenländern hätten unter weiteren Mittelabflüssen gelitten. Hinzugekommen seien einige Unsicherheitsfaktoren wie der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. In Summe hätten sich die Risikoaufschläge leicht erhöht, die freundliche Entwicklung von US-Staatsanleihen habe dieser jedoch entgegengewirkt. Auch in den EM-Ländern hätten die Notenbanken im Mittelpunkt gestanden. So seien die Leitsätze in Chile und Mexiko erhöht worden. Aus dem Rahmen fiel erneut die Türkei, die politisch motiviert die Zinsen senkte und damit die Abwertung der Türkischen Lira nochmals beschleunigte, so die Experten von Union Investment. (Ausgabe vom 17.12.2021) (20.12.2021/alc/a/a)