Erweiterte Funktionen

Rentenmarkt: Starke Peripherie


21.03.14 13:30
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Der Konflikt in der Ukraine schwelt weiter, wird aber an den Märkten mit erstaunlicher Gelassenheit gesehen, so die Analysten der Weberbank.

Wie in der letzten Anlagestrategie erläutert, würden zwar auch die Analysten schätzen, dass sich die Auswirkungen der Krim-Krise stark in Grenzen halten würden. Wie gelassen die Börsen aber reagiert hätten, sei schon beeindruckend. So sei der DAX nur ganz kurz unter die 9000er Marke abgetaucht. Selbst der sonst extrem sensibel auf Krisen reagierende Ölpreis habe nur einmal kurz gezuckt und notiere aktuell wieder auf seinem Vor-Krisenniveau.

Ein besonderes Schmankerl für den geneigten Börsianer hätten die Rentenmärkte bereit gehalten: Neben der eher typischen Reaktion stärker nachgefragter Bundesanleihen und damit fallender Renditen - obwohl das Ausmaß auch hier als gering zu bezeichnen sei - hätten Anleihen der europäischen Peripherie eine ungewöhnliche Reaktion gezeigt. Üblicherweise hätten diese Staatsanleihen in der Vergangenheit mit einer Ausweitung der Renditeaufschläge im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen auf jede Unsicherheit am Markt reagiert. Während der Krim-Krise seien sie nun jedoch weiter gefragt geblieben und hätten sogar geringere Risikoaufschläge als vorher verbucht. Die Analysten würden diese Reaktion als Indiz dafür sehen, wie stabil die europäische Erholung von den Finanzakteuren inzwischen gesehen werde. Sie würden denken, dass der taktisch agierende Käufer von Anleihen mit längerer Laufzeit davon eine gewisse Zeit lang profitieren könne. Flexibles Agieren werde jedoch weiter über den Erfolg am Rentenmarkt entscheiden.

Denn zumindest in den USA würden sich die Zeichen mehren, dass die Nullzinspolitik der Notenbank FED nicht ewig anhalten werde. So habe FED-Chefin Janet Yellen vorgestern angedeutet, dass nach der Rückführung der Anleihenkaufprogramme Zinserhöhungen anstehen könnten. Sie habe zwar ein ganzes Bündel von Indikatoren benannt, von denen sie eine solche Entscheidung abhängig machen würde, viele Marktteilnehmer hätten aber nur eine Nebensatzergänzung mit einer Schätzung von sechs Monaten nach Beendigung der Kaufprogramme registriert.

Nach Erachten der Analysten der Weberbank wäre eine Zinserhöhung aber nicht das Ende der Welt, sondern eine Rückkehr zur Normalität, die für eine fortgesetzte fundamentale Erholung spricht. Mit dieser Einschätzung einhergehend habe es konjunkturell, nach den zuletzt wetterbedingt schlechteren Zahlen, wieder positive Signale gegeben: Sowohl die amerikanische Industrieproduktion als auch die Konsumentenstimmung seien positiv aufgenommen worden. Obwohl die Arbeitslosenquote in den USA leicht von 6,6 Prozent auf 6,7 Prozent gestiegen sei, sei die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt weiter positiv zu sehen. So habe der gute Stellenaufbau insbesondere vor dem Hintergrund der zuletzt wetterbedingten Schwierigkeiten überrascht. Die Zahl der Beschäftigten stehe kurz davor, ihr Hoch von vor der Finanzkrise wieder zu erreichen.

Auch von europäischer Seite seien sehr erfreuliche Daten zu vermelden gewesen: Deutschlands Industrie habe im Januar 8,4 Prozent mehr Aufträge als ein Jahr zuvor verbucht. Auch die Industrieproduktion habe mit einem Jahreswachstum von 5 Prozent für freudige Gesichter gesorgt. Zwar habe die europäische Industrieproduktion ein leichtes Minus verbucht. Abgesehen von einem negativen Ausreißerwert (Niederlande) hätten aber erfreulicherweise fast alle Länder der EWU positiv zum Wachstum beigetragen. Zu beobachten bleiben würden die immer noch nicht ausreichend funktionierende Kreditvergabe an Unternehmen der Peripherie und weiter fallende Inflationsraten, die wohl auch die Europäische Zentralbank dazu veranlasst hätten, erstmals eine Drei-Jahresprognose für die Inflationsentwicklung abzugeben.

Nicht zuletzt wegen der guten Konjunkturerholung in Europa hätten sich die hiesigen Aktienmärkte nach kurzer Krim-Verstimmung sofort wieder fester gezeigt. Bei US-Aktien konnten die Analysten der Weberbank kaum eine Reaktion auf die Probleme in der Ukraine feststellen. Eine Berücksichtigung amerikanischer Titel bleibe ihrer Meinung nach deswegen weiter angeraten.

Mit zunehmender Skepsis würden die Analysten hingegen die Erholung am japanischen Aktienmarkt beobachten. So sei die für dortige Exportunternehmen unterstützend wirkende Yen-Abwertung zuletzt deutlich ins Stocken geraten. Premier Abe bleibe weiter Strukturreformen schuldig, und eine bevorstehende Mehrwertsteueranhebung treibe zusehends Sorgenfalten auf die Stirn der Marktbeobachter. Immerhin habe Toyota mit 0,8 Prozent die größte Lohnerhöhung seit 21 Jahren durchgeführt, was als positives Zeichen für eine strukturell verstetigte Inflationsentwicklung gesehen werde. Aktien der Schwellenländer würden weiter unter starken Mittelabflüssen, schwachen Stimmungsumfragen und einer schlechten charttechnischen Situation leiden. Sie würden damit bisher keine Indikation für einen Wiedereinstieg liefern. (21.03.2014/alc/a/a)