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Rentenmarkt: Plötzlich kam der Terror
13.10.23 08:44
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die zehnjährigen Renditen in Deutschland und den USA waren zuletzt auf dem Vormarsch, was sogar dazu geführt hat, dass einige Mitglieder des FOMC der Federal Reserve darüber nachdachten, keine weiteren Zinserhöhungen in Betracht zu ziehen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Der massive und beispiellose Angriff der Terrorgruppe Hamas auf Israel am vergangenen Wochenende habe jedoch dazu geführt, dass Investoren vermehrt Staatsanleihen als "sicheren Hafen" gesucht hätten. Dies habe zu einem Rückgang der Renditen der T-Notes um fast 20 Basispunkte auf 4,61% und der deutschen Bundesanleihen um etwa 15 Basispunkte auf 2,74% geführt. Ganz offensichtlich würden die Investoren die neuen geopolitischen Unsicherheiten höher als die stabile US-Wirtschaftslage und die wachsenden Inflationsbedenken aufgrund der stark gestiegenen Ölpreise beurteilen. Die europäische Wirtschaft bleibe auf schwachem Niveau, zeige jedoch im verarbeitenden Gewerbe erste vorsichtige Anzeichen der Hoffnung.
Der Angriff der Hamas Terrororganisation auf Israel habe zu einem kräftigen Anstieg der Ölpreise geführt, da die Befürchtung aufkomme, dass er die Spannungen im gesamten Nahen Osten verschärfen könnte. Dies sei alarmierend, da die Region ein bedeutender Rohölproduzent sei. Der Konflikt füge zusätzliche geopolitische Risiken in einen Markt ein, der bereits mit Angebotseinschränkungen und sinkenden Lagerbeständen zu kämpfen habe.
Abgesehen von den Inflationssorgen aufgrund steigender Energiepreise zeige die US-Wirtschaft weiterhin ihre Robustheit. Besonders beeindruckend sei der Arbeitsmarktbericht für September gewesen, der alle Erwartungen übertroffen habe. Im vergangenen Monat seien 336.000 neue Stellen geschaffen worden, weit mehr als die prognostizierten 170.000. Zudem seien die Zahlen der beiden Vormonate um beeindruckende 117.000 nach oben korrigiert worden. Die Arbeitslosenquote sei historisch niedrig bei 3,8 Prozent geblieben. Im September seien die Erzeugerpreise um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat gestiegen, was deutlich über den Markterwartungen von 0,3 Prozent gelegen habe. Auch die Kerninflationsrate habe die Erwartungen übertroffen, was möglicherweise ein weiteres Zeichen für die Erholung des verarbeitenden Gewerbes in den USA sei.
In Europa gebe es verhaltenen Optimismus in der Industrie. Die deutsche Industrie habe im August überraschend einen deutlichen Anstieg der Aufträge um 3,9 Prozent gegenüber dem Vormonat verzeichnet, während Analysten durchschnittlich lediglich mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent gerechnet hätten. Die Zahlen zur Industrieproduktion in Deutschland würden das Bild etwas relativieren, da sie im August im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent gesunken seien. Obwohl die Schrumpfungsrate im Vergleich zum Vormonat (Juli: -0,6% MoM) gesunken sei, habe der Konsens für August nur einen Rückgang von 0,1 Prozent prognostiziert.
Auch Europa werde die Entwicklungen im Nahen Osten aufmerksam verfolgen müssen, um gegebenenfalls angemessen auf einen Preisschock reagieren zu können. In den vergangenen Monaten sei in der Kommunikation durchaus mit möglichen Zinsanhebungen noch in diesem Jahr geliebäugelt worden. Allerdings hätten zahlreiche Vertreter der Federal Reserve in den letzten Tagen betont, dass ein Anstieg der Renditen langfristiger Staatsanleihen bereits zur Verschärfung der Finanzbedingungen beitrage und den Bedarf für weitere Zinserhöhungen verringere. Die Analysten würden nach wie vor davon ausgehen, dass weder im Oktober-Meeting in Washington noch in Frankfurt weitere Zinsschritte erwartet würden.
In Bezug auf bevorstehende wirtschaftliche Daten würden sich die Augen auf den ZEW-Indikator für die Konjunkturerwartungen in Deutschland richten, der am 17. Oktober veröffentlicht werde. Im September habe dieser bei -11,4 gelegen und damit eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vormonat gezeigt. Für den Oktober werde erwartet, dass der Index erneut verschlechtere. In China stünden Inflationszahlen für den 13. Oktober an. Die Gesamtinflation habe zuletzt den deflationären Bereich verlassen und sei im August auf 0,1% YoY gekrochen. Moderate Verbesserungen in den Einzelhandelsdaten würden auf einen leichten Anstieg im September hindeuten, mit einer Konsensschätzung von 0,2% YoY. In den USA würden die Währungshüter besonders auf die Veröffentlichung des Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan achten. Im September habe dieser bei 68,1 gelegen, deutlich unter dem langfristigen Gleichgewicht. Für die kommenden Oktoberdaten werde im Durchschnitt der Ökonomen ein Wert von 67,2 erwartet. (Ausgabe vom 12.10.2023) (13.10.2023/alc/a/a)
Der massive und beispiellose Angriff der Terrorgruppe Hamas auf Israel am vergangenen Wochenende habe jedoch dazu geführt, dass Investoren vermehrt Staatsanleihen als "sicheren Hafen" gesucht hätten. Dies habe zu einem Rückgang der Renditen der T-Notes um fast 20 Basispunkte auf 4,61% und der deutschen Bundesanleihen um etwa 15 Basispunkte auf 2,74% geführt. Ganz offensichtlich würden die Investoren die neuen geopolitischen Unsicherheiten höher als die stabile US-Wirtschaftslage und die wachsenden Inflationsbedenken aufgrund der stark gestiegenen Ölpreise beurteilen. Die europäische Wirtschaft bleibe auf schwachem Niveau, zeige jedoch im verarbeitenden Gewerbe erste vorsichtige Anzeichen der Hoffnung.
Der Angriff der Hamas Terrororganisation auf Israel habe zu einem kräftigen Anstieg der Ölpreise geführt, da die Befürchtung aufkomme, dass er die Spannungen im gesamten Nahen Osten verschärfen könnte. Dies sei alarmierend, da die Region ein bedeutender Rohölproduzent sei. Der Konflikt füge zusätzliche geopolitische Risiken in einen Markt ein, der bereits mit Angebotseinschränkungen und sinkenden Lagerbeständen zu kämpfen habe.
In Europa gebe es verhaltenen Optimismus in der Industrie. Die deutsche Industrie habe im August überraschend einen deutlichen Anstieg der Aufträge um 3,9 Prozent gegenüber dem Vormonat verzeichnet, während Analysten durchschnittlich lediglich mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent gerechnet hätten. Die Zahlen zur Industrieproduktion in Deutschland würden das Bild etwas relativieren, da sie im August im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent gesunken seien. Obwohl die Schrumpfungsrate im Vergleich zum Vormonat (Juli: -0,6% MoM) gesunken sei, habe der Konsens für August nur einen Rückgang von 0,1 Prozent prognostiziert.
Auch Europa werde die Entwicklungen im Nahen Osten aufmerksam verfolgen müssen, um gegebenenfalls angemessen auf einen Preisschock reagieren zu können. In den vergangenen Monaten sei in der Kommunikation durchaus mit möglichen Zinsanhebungen noch in diesem Jahr geliebäugelt worden. Allerdings hätten zahlreiche Vertreter der Federal Reserve in den letzten Tagen betont, dass ein Anstieg der Renditen langfristiger Staatsanleihen bereits zur Verschärfung der Finanzbedingungen beitrage und den Bedarf für weitere Zinserhöhungen verringere. Die Analysten würden nach wie vor davon ausgehen, dass weder im Oktober-Meeting in Washington noch in Frankfurt weitere Zinsschritte erwartet würden.
In Bezug auf bevorstehende wirtschaftliche Daten würden sich die Augen auf den ZEW-Indikator für die Konjunkturerwartungen in Deutschland richten, der am 17. Oktober veröffentlicht werde. Im September habe dieser bei -11,4 gelegen und damit eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vormonat gezeigt. Für den Oktober werde erwartet, dass der Index erneut verschlechtere. In China stünden Inflationszahlen für den 13. Oktober an. Die Gesamtinflation habe zuletzt den deflationären Bereich verlassen und sei im August auf 0,1% YoY gekrochen. Moderate Verbesserungen in den Einzelhandelsdaten würden auf einen leichten Anstieg im September hindeuten, mit einer Konsensschätzung von 0,2% YoY. In den USA würden die Währungshüter besonders auf die Veröffentlichung des Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan achten. Im September habe dieser bei 68,1 gelegen, deutlich unter dem langfristigen Gleichgewicht. Für die kommenden Oktoberdaten werde im Durchschnitt der Ökonomen ein Wert von 67,2 erwartet. (Ausgabe vom 12.10.2023) (13.10.2023/alc/a/a)


