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Rentenmarkt: Kurzfristiges Wachstum und langfristige Risiken
28.11.16 13:00
Goldman Sachs Asset Management
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Unsere längerfristigen Risikoszenarien fokussieren sich auf Europa, Japan und China, so Andrew Wilson, CEO für EMEA und Co-Head des Global Fixed Income und Liquidity Management Teams bei Goldman Sachs Asset Management.
Alle drei Länder bzw. Regionen würden unter einer wachsenden Schuldenlast leiden und hätten bei der Umsetzung von Strukturreformen, die zu einem nachhaltigeren Wirtschaftswachstum beitragen könnten, kaum Fortschritte erzielt. Politische Unterstützung sei vor allem von den Notenbanken gekommen, die mit immer extremeren Maßnahmen Vermögenswerte aufgebläht und die Volatilität unterdrückt hätten. Fiskalische Stimuli würden zu einer Verstärkung dieser Ungleichgewichte beitragen, aber auch helfen, die Wirtschaft zu stützen.
Die Experten von Goldman Sachs Asset Management halten die Ungleichgewichte in den genannten Ländern bzw. Regionen für höchst problematisch und gehen davon aus, dass sich der Neuausrichtungsprozess volatil gestalten wird. Da das Potenzial der Geldpolitik praktisch ausgeschöpft sei, könnten die Märkte einem neuen Regime entgegensteuern, was das Umfeld für Risikoanlagen noch schwerer gestalten würde. Kurzfristige Faktoren würden nichtsdestotrotz darauf hindeuten, dass dies allerdings erst einmal unwahrscheinlich sei. Trotzdem würden die Experten schon jetzt Ausschau nach Impulsgebern halten, die eine solche Veränderung herbeiführen könnten.
Wenn am Markt ein kurzfristiges Risiko für einen Regimewechsel bestehe, müsste der Impuls dafür aus der Eurozone kommen. Frankreich und Deutschland stünden 2017 Wahlen ins Haus. Angesichts der bevorstehenden Wahlen sowie der erhöhten Staatsausgaben für Flüchtlinge und Sicherheit sei die Fiskalpolitik in der Eurozone vom Spar- auf den Lockerungsmodus umgeschwenkt. Die Europäische Kommission toleriere bereits gewisse Haushaltsabweichungen und dürfte die Regeln für die Eurozone weiter flexibilisieren und sich noch entgegenkommender zeigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) verschaffe mit ihren Anleihekäufen den Staaten ebenfalls Spielraum für höhere Schulden, die einen Teil der Stimulierungslast von der EZB nehmen würden. Fiskalausgaben würden außerdem der EZB mehr Anleihen zum Kauf einbringen und damit Sorgen vor einer Drosselung der Käufe mangels EZB-fähiger Papiere zerstreuen.
Aus Sicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management haben diese politischen Herausforderungen das Potenzial, die bestehenden Spannungslinien in der Eurozone und Europa als Ganzes zu vertiefen. Da Europa in der Regel eine Politik der kleinen Schritte betreibe, dürften diese Spannungslinien weiter zunehmen, bis schlussendlich eine Krise entschiedenere Maßnahmen zur Reformierung der EU auslöse.
In Japan habe sich ein großer Schuldenberg angehäuft. Dieser werde jedoch zum größten Teil von den Japanern selbst getragen, die nach wie vor Vertrauen in die Kreditwürdigkeit ihres Staates hätten. Die Staatsschulden dürften im Zuge neuer fiskalischer Stimuli weiter steigen. Allerdings habe die Bank of Japan mit ihrem jüngsten geldpolitischen Ansatz eine clevere Möglichkeit zur Finanzierung dieser Schulden gefunden, ohne gleich den Übergang zum Helikoptergeld ankündigen zu müssen. Je mehr Anleihen die Regierung ausgebe, desto mehr werde die japanische Notenbank im Rahmen ihrer Politik aufkaufen, um die 10-jährigen Zinsen nahe null zu halten.
Mit der Zeit dürfte diese Dynamik schließlich zur Inflation führen, die laut Notenbank den Zielwert von 2 Prozent künftig auch überschreiten dürfe, dann aber möglicherweise nur noch schwer einzudämmen sein werde. Inflation würde der Schuldensituation der Regierung sicherlich zugute kommen, auf der anderen Seite jedoch die Ersparnisse einer alternden Bevölkerung von Anlegern heimischer Anleihen aufzehren. Dies könnte einen Wendepunkt für die inländische Unterstützung japanischer Staatspapiere bedeuten, wenngleich dies kurzfristig eher unwahrscheinlich erscheine.
China habe die am stärksten wachsende Verschuldung, zu der vor allem der Privatsektor des Landes beitrage (neben den Staatsbetrieben). Unsere Sorge besteht darin, dass mit einem Teil dieser Schulden unproduktive Vermögenswerte finanziert und diese letztendlich massive Zahlungsausfälle verursachen werden, da sie das für die Schuldenrefinanzierung benötigte Wachstum nicht liefern können, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management.
Irgendwann werde Chinas Privatsektor an den Punkt kommen, an dem an einem Abbau der Schulden kein Weg mehr vorbeiführe. Sollte diese Entschuldung wiederum durch Insolvenzen vollzogen werden, sehe man die Notwendigkeit einer umfassenden Bankenrekapitalisierung. Kurzfristig fokussiere sich die Regierung jedoch eher auf Stabilität als auf Reformen (das Bruttoinlandsprodukt sei das dritte Quartal in Folge um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen) und daran dürfte sich bis zum nationalen Volkskongress Ende 2017 auch nichts ändern.
Am 9. November sei Donald J. Trump zum designierten US-Präsidenten gewählt worden und die republikanische Partei habe sich in beiden Kongresskammern die Mehrheit sichern können. Viele Umfragen hätten bis zuletzt auf ein enges Rennen hingedeutet, das Ergebnis sei für die Märkte dann aber doch überraschend gekommen. Es sei gut möglich, dass die US-Notenbank FED aufgrund des Wahlausgangs die Zinsen in naher Zukunft nicht erhöhen werde. Die Erwartungen, dass sich die FED im Dezember abermals in Zurückhaltung übe, dürften die US-Zinsen auf kurze Sicht sinken lassen. Der Markt müsse das Wahlergebnis und dessen potenzielle politische Auswirkungen erst noch verdauen und in dieser Zeit würden die Spreads unter Druck bleiben. Sollten restriktivere finanzielle Bedingungen zu einer Abkühlung der US-Wirtschaft führen, könnten die Umsätze und Gewinne der Unternehmen unter Druck geraten werden.
Im heutigen Umfeld sollten Anlagen in Zinspapieren nach Ansicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management dazu dienen, die Differenzen zwischen dem kurz- und dem langfristigen Ausblick abzuwägen. Die Experten seien der Auffassung, dass der relativ positive kurzfristige Ausblick dafür spreche, das Engagement in höher rentierlichen Sektoren des Rentenmarkts beizubehalten. Allerdings würden die langfristigen Risiken letztendlich darauf hindeuten, dass das Umfeld für Wirtschaftswachstum und Risikoanlagen schwieriger werde. Ein solches langfristiges Base-Case-Szenario dürfte sich schwer vermeiden lassen.
Es sei am wahrscheinlichsten, dass die Politik in den nächsten sechs bis zwölf Monaten akkommodierend bleibe und das Wirtschaftswachstum in den meisten großen Volkswirtschaften unweit bzw. leicht über der Trendrate verharren werde. Dieses Umfeld habe bisher sehr förderlich auf die Risikonachfrage am Rentenmarkt gewirkt. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management sind sich jedoch auch der potenziellen Risiken für dieses Szenario sowie der Möglichkeit bewusst, dass regimeverändernde Katalysatoren ohne große Vorwarnung auftauchen könnten. Diese Herausforderung würden die Experten vorzugsweise durch Strategien angehen, die Long- und Short-Positionen kombinieren würden, um das Rendite- und Kurspotenzial zu erhalten und gleichzeitig eine Absicherung gegen das Risiko systemischer Veränderungen der Spreads oder Zinssätze zu bieten. (28.11.2016/alc/a/a)
Alle drei Länder bzw. Regionen würden unter einer wachsenden Schuldenlast leiden und hätten bei der Umsetzung von Strukturreformen, die zu einem nachhaltigeren Wirtschaftswachstum beitragen könnten, kaum Fortschritte erzielt. Politische Unterstützung sei vor allem von den Notenbanken gekommen, die mit immer extremeren Maßnahmen Vermögenswerte aufgebläht und die Volatilität unterdrückt hätten. Fiskalische Stimuli würden zu einer Verstärkung dieser Ungleichgewichte beitragen, aber auch helfen, die Wirtschaft zu stützen.
Die Experten von Goldman Sachs Asset Management halten die Ungleichgewichte in den genannten Ländern bzw. Regionen für höchst problematisch und gehen davon aus, dass sich der Neuausrichtungsprozess volatil gestalten wird. Da das Potenzial der Geldpolitik praktisch ausgeschöpft sei, könnten die Märkte einem neuen Regime entgegensteuern, was das Umfeld für Risikoanlagen noch schwerer gestalten würde. Kurzfristige Faktoren würden nichtsdestotrotz darauf hindeuten, dass dies allerdings erst einmal unwahrscheinlich sei. Trotzdem würden die Experten schon jetzt Ausschau nach Impulsgebern halten, die eine solche Veränderung herbeiführen könnten.
Wenn am Markt ein kurzfristiges Risiko für einen Regimewechsel bestehe, müsste der Impuls dafür aus der Eurozone kommen. Frankreich und Deutschland stünden 2017 Wahlen ins Haus. Angesichts der bevorstehenden Wahlen sowie der erhöhten Staatsausgaben für Flüchtlinge und Sicherheit sei die Fiskalpolitik in der Eurozone vom Spar- auf den Lockerungsmodus umgeschwenkt. Die Europäische Kommission toleriere bereits gewisse Haushaltsabweichungen und dürfte die Regeln für die Eurozone weiter flexibilisieren und sich noch entgegenkommender zeigen. Die Europäische Zentralbank (EZB) verschaffe mit ihren Anleihekäufen den Staaten ebenfalls Spielraum für höhere Schulden, die einen Teil der Stimulierungslast von der EZB nehmen würden. Fiskalausgaben würden außerdem der EZB mehr Anleihen zum Kauf einbringen und damit Sorgen vor einer Drosselung der Käufe mangels EZB-fähiger Papiere zerstreuen.
Aus Sicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management haben diese politischen Herausforderungen das Potenzial, die bestehenden Spannungslinien in der Eurozone und Europa als Ganzes zu vertiefen. Da Europa in der Regel eine Politik der kleinen Schritte betreibe, dürften diese Spannungslinien weiter zunehmen, bis schlussendlich eine Krise entschiedenere Maßnahmen zur Reformierung der EU auslöse.
Mit der Zeit dürfte diese Dynamik schließlich zur Inflation führen, die laut Notenbank den Zielwert von 2 Prozent künftig auch überschreiten dürfe, dann aber möglicherweise nur noch schwer einzudämmen sein werde. Inflation würde der Schuldensituation der Regierung sicherlich zugute kommen, auf der anderen Seite jedoch die Ersparnisse einer alternden Bevölkerung von Anlegern heimischer Anleihen aufzehren. Dies könnte einen Wendepunkt für die inländische Unterstützung japanischer Staatspapiere bedeuten, wenngleich dies kurzfristig eher unwahrscheinlich erscheine.
China habe die am stärksten wachsende Verschuldung, zu der vor allem der Privatsektor des Landes beitrage (neben den Staatsbetrieben). Unsere Sorge besteht darin, dass mit einem Teil dieser Schulden unproduktive Vermögenswerte finanziert und diese letztendlich massive Zahlungsausfälle verursachen werden, da sie das für die Schuldenrefinanzierung benötigte Wachstum nicht liefern können, so die Experten von Goldman Sachs Asset Management.
Irgendwann werde Chinas Privatsektor an den Punkt kommen, an dem an einem Abbau der Schulden kein Weg mehr vorbeiführe. Sollte diese Entschuldung wiederum durch Insolvenzen vollzogen werden, sehe man die Notwendigkeit einer umfassenden Bankenrekapitalisierung. Kurzfristig fokussiere sich die Regierung jedoch eher auf Stabilität als auf Reformen (das Bruttoinlandsprodukt sei das dritte Quartal in Folge um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen) und daran dürfte sich bis zum nationalen Volkskongress Ende 2017 auch nichts ändern.
Am 9. November sei Donald J. Trump zum designierten US-Präsidenten gewählt worden und die republikanische Partei habe sich in beiden Kongresskammern die Mehrheit sichern können. Viele Umfragen hätten bis zuletzt auf ein enges Rennen hingedeutet, das Ergebnis sei für die Märkte dann aber doch überraschend gekommen. Es sei gut möglich, dass die US-Notenbank FED aufgrund des Wahlausgangs die Zinsen in naher Zukunft nicht erhöhen werde. Die Erwartungen, dass sich die FED im Dezember abermals in Zurückhaltung übe, dürften die US-Zinsen auf kurze Sicht sinken lassen. Der Markt müsse das Wahlergebnis und dessen potenzielle politische Auswirkungen erst noch verdauen und in dieser Zeit würden die Spreads unter Druck bleiben. Sollten restriktivere finanzielle Bedingungen zu einer Abkühlung der US-Wirtschaft führen, könnten die Umsätze und Gewinne der Unternehmen unter Druck geraten werden.
Im heutigen Umfeld sollten Anlagen in Zinspapieren nach Ansicht der Experten von Goldman Sachs Asset Management dazu dienen, die Differenzen zwischen dem kurz- und dem langfristigen Ausblick abzuwägen. Die Experten seien der Auffassung, dass der relativ positive kurzfristige Ausblick dafür spreche, das Engagement in höher rentierlichen Sektoren des Rentenmarkts beizubehalten. Allerdings würden die langfristigen Risiken letztendlich darauf hindeuten, dass das Umfeld für Wirtschaftswachstum und Risikoanlagen schwieriger werde. Ein solches langfristiges Base-Case-Szenario dürfte sich schwer vermeiden lassen.
Es sei am wahrscheinlichsten, dass die Politik in den nächsten sechs bis zwölf Monaten akkommodierend bleibe und das Wirtschaftswachstum in den meisten großen Volkswirtschaften unweit bzw. leicht über der Trendrate verharren werde. Dieses Umfeld habe bisher sehr förderlich auf die Risikonachfrage am Rentenmarkt gewirkt. Die Experten von Goldman Sachs Asset Management sind sich jedoch auch der potenziellen Risiken für dieses Szenario sowie der Möglichkeit bewusst, dass regimeverändernde Katalysatoren ohne große Vorwarnung auftauchen könnten. Diese Herausforderung würden die Experten vorzugsweise durch Strategien angehen, die Long- und Short-Positionen kombinieren würden, um das Rendite- und Kurspotenzial zu erhalten und gleichzeitig eine Absicherung gegen das Risiko systemischer Veränderungen der Spreads oder Zinssätze zu bieten. (28.11.2016/alc/a/a)


