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Rentenmarkt: Auf zu neuen Höchstständen


18.12.15 12:49
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - 2015 war das Jahr der Notenbanken, so die Analysten der Weberbank.

Und wie bei einem guten Film sei das Spannendste zum Schluss gekommen. Beginnend mit der EZB Sitzung am 3. Dezember. Die beiden wichtigsten Entscheidungen - Senkung der Einlagenzinsen auf -0,3 Prozent und Verlängerung des Anleihenkaufprogramms - seien den hohen Erwartungen der Marktteilnehmer nicht gerecht geworden. Hätten sich doch viele auf eine Steigerung der monatlichen Käufe gefreut und die zusätzliche Liquidität als weiteren Treiber für die Aktienmärkte fest verplant. Die Enttäuschung an den Märkten sei dementsprechend hoch gewesen. Aus Sicht der Analysten zu Unrecht, da die EZB in dieser Situation richtig agiert habe. Warum?

Erstens haben wir keine historischen Anhaltspunkte darüber, wie ein so negativer Einlagesatz auf das Finanzsystem wirkt, so die Analysten der Weberbank. Niemand möchte wieder über neue Stützungsmaßnahmen für südeuropäische Banken sprechen. Ein behutsames Vorgehen der Notenbank sei sehr zu begrüßen. Zweitens spreche derzeit vieles dafür, dass man in den kommenden Monaten wieder mit fallenden Inflationsraten zu kämpfen habe. In diesem Umfeld würden die Spekulationen über zusätzliche Maßnahmen erneut schnell aufflammen. Daher sei es ebenfalls positiv, dass sich die EZB eine Ausweitung des Kaufprogramms noch vorbehalten habe.

Es bleibe also auch im ersten Quartal 2016 spannend. Den notenbankpolitischen Höhepunkt habe jedoch die amerikanische Notenbank (FED) am 16. Dezember gesetzt und die Ära der Nullzinspolitik beendet. Sieben Jahre nach der letzten Zinssenkung sei nun eine erste vorsichtige Erhöhung erfolgt. Auch wenn die FED das Gegenteil von der EZB mache, würden die Analysten diesen Schritt positiv bewerten. Er zeige wie gut es der amerikanischen Volkswirtschaft gehe. Und da die FED recht deutlich signalisiert habe, dass sie vorsichtig und maßvoll agieren werde, sollte sich das Wachstum in den USA nach Erachten der Analysten fortsetzen.

Politische Börsen hätten bekanntlich kurze Beine. Für geldpolitische Beine gelte dies nicht. Im Gegenteil könnten die Maßnahmen der Zentralbanken auf die Märkte eine sehr lange Wirkung entfalten. Insbesondere dann, wenn die Liquiditätssteuerung im Finanzsystem verbleibe und nicht den Weg in den Wirtschaftskreislauf finde. Für Europa bedeutet dies, dass uns eigentlich ein wunderbares Aktienjahr bevorstehen sollte, so die Analysten der Weberbank. Auch die soliden, wenn auch nicht euphorischen Wirtschaftsperspektiven, würden ein gutes Fundament für weitere Kursteigerungen darstellen. Daraus lasse sich eigentlich nur eine klare Kaufempfehlung ableiten, der sich die Analysten auch anschließen möchten. Die Frage werde nicht sein, ob man in Aktien investiere, sondern nur in welcher Höhe.

Dabei möchten die Analysten der Weberbank auf einen wichtigen Punkt hinweisen. Die hohe Liquidität habe einen entscheidenden Nebeneffekt - sie führe zu sehr hoher Schwankungen an den Börsen, besonders wenn der Markt negativ reagiere. Aus Sicht der Analysten sollte dies im kommenden Jahr noch mehr zu spüren sein. Schwankungen innerhalb eines positiven Umfelds seien grundsätzlich nichts Negatives. Bei zu hoher Ausprägung könnten sie jedoch nicht nur zu Magengrummeln, sondern auch zu Magenverstimmungen führen. Die Analysten der Weberbank empfehlen Anlegern jetzt nicht, zu Nebenwirkungen den Beipackzettel für Aktienanlagen zu lesen, sondern sich zu überlegen, ab welcher Schwankung sie nervös werden. Klinge einfach, sei aber in Wahrheit sehr schwierig zu beantworten. Jeder Anleger, der hierfür eine Antwort finde, werde nicht im falschen Moment den Ausstieg suchen. Denn auch 2016 sollten Schwächephasen zum Kauf genutzt werden, und dafür brauche man ein kühlen Kopf und einen gesunden Magen.

Auch für den Rentenmarkt würden die Analysten 2016 noch höhere Schwankungen, jedoch kein per se positives Umfeld erwarten. So sei während der ersten Jahreshälfte eher mit weiteren Renditerückgängen zu rechnen. Neue Rekordtiefstände seien durchaus möglich. Auch wenn sich viele sagen würden, nochniedriger gehe es doch gar nicht. Aber schaue man nur einmal kurz auf den Schweizer Anleihenmarkt: Um hier noch eine positive Rendite zu finden, seien schon Laufzeiten länger als zwölf Jahre notwendig. Kürzere Fälligkeiten, also auch für 10-jährige Anleihen, würden nur noch negative Renditen bieten. Das Argument, es ginge nicht mehr niedriger, sollte man also schnell vergessen. Dennoch sollte der Rentenmarkt im weiteren Jahresverlauf in schwieriges Fahrwasser geraten.

Aus Sicht der Analysten bestehe eine nicht zu vernachlässigende Wahrscheinlichkeit, dass man in Europa anfangen werde, über ein Ende der Anleihenkäufe zu debattieren. Die Diskussion allein würde für Preisrückgänge ausreichen. Fraglich werde sein, ob der Markt gleich einen Schiffbruch erleide oder lediglich mit sehr heftigem Seegang zu rechnen habe. Dies werde, und dafür müsse man kein Prophet sein, von der Kommunikation der EZB abhängen. Daher sollte man auch im kommenden Jahr besonders auf die Notenbanken achten und bereit sein, schnell zu handeln. (18.12.2015/alc/a/a)