Erweiterte Funktionen
Rentenmarkt Abstinenz beim Ankauf von Staatsanleihen
10.04.12 16:17
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Schon lange wurde gemutmaßt, dass Portugal das nächste Griechenland ist, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Aber, dass so schnell auch Spanien in dieses iberische Fahrwasser geraten sei, sei doch für viele Experten überraschend gewesen. Die Märkte hätten schockiert auf die Meldungen reagiert, dass die Arbeitslosigkeit in Spanien den achten Monat in Folge angestiegen sei und die Staatsverschuldung nach Schätzung der Regierung in Madrid im laufenden Jahr auf 79,8% des Bruttoinlandsprodukts klettern werde. Das sei neuer politischer Zündstoff. Die logische Konsequenz seien steigende Renditen für spanische Staatsanleihen und sich ausweitende Spreads bei spanischen CDS gewesen. Nicht wenige Marktteilnehmer würden schon unken, dass die Wirkung der EZB-Liquiditätsspritzen (Dreijahrestender) nachlasse. Wenn das der Fall sein sollte, wie wolle man dann eine Staatspleite in dieser Größenordnung aufhalten?
Der Blick nach Spanien sei alles andere als ermutigend. Die jüngste Bondmarktauktion zeige, dass offensichtlich das Geldpolitik-Schwert der Europäischen Notenbank in Form der Dreijahrestender stumpf werde. Immer mehr Anleger scheinen sich von den Iberern abzuwenden, so die Analysten der Baader Bank. Das platzierte Volumen habe mit 2,6 Mrd. Euro am unteren Rand der Erwartungen gelegen. So habe z.B. die Anleihe mit einer Laufzeit bis 2020 nur zu steigenden Renditen (5,338% nach 5,156%) untergebracht werden können und das habe auch auf die anderen Laufzeiten - bei rückläufiger Nachfrage - zugetroffen.
Allerdings sollte man in diesem Zusammenhang auch bedenken, dass Spanien bereits 46% seiner Planung realisiert habe. Dennoch seien die Märkte verunsichert gewesen und die CDS seien in die Nähe der Rekordmarken vom November letzten Jahres gestiegen. Mit den Dreijahrestender von 1 Bill. Euro habe man sich also nur drei Monate Zeit erkauft. Ohne Beseitigung der fundamentalen Ursachen scheinen die Instrumente der Notenbank zur Lösung der Schuldenkrise nicht mehr auszureichen, so die Analysten der Baader Bank. Und dann helfe auch keine Brandmauer à la ESM und EFSF! Was wir brauchen sei eine wachstumsfreundliche Defizitreduzierung. Also die Quadratur des Kreises.
Asiaten seien geduldiger als Europäer. Besonders geduldig seien aber die Japaner. Die Wirtschaft des Landes gleiche einem Patienten im Wachkoma. Seit dem Platzen der "Bubble Economy" Anfang der neunziger Jahre sei das Land in einer Deflationsspirale gefangen. Alle Reanimations-Maßnahmen seien bisher fehlgeschlagen. In den vergangenen zehn Jahren sei Japans Wirtschaft zwischen einer Rezession und einem leichten Wachstum von max. 2,4% gependelt. Nach der Rezession im vergangenen Jahr durch die Katastrophe von Fukushima im März 2011 würden die Firmen für 2012 lediglich einen Gewinnanstieg um ca. 2% erwarten. Das könne bestenfalls den Verlust des Vorjahres ausgleichen. Nachdem der Japanische Yen in den letzten Jahren ungeahnte Stärke aufgewiesen habe, scheine nun die Zeit der Yen-Schwäche gekommen zu sein.
Endlich scheinen sich die Fundamentaldaten durchzusetzen und die wirtschaftlichen Probleme in den Vordergrund zu rücken, so die Analysten der Baader Bank. Eine schwächere Währung beflügle aber auch die Exporte und so könnte die Abwertung zum Dollar eine moderne Form des "Aufbauprogramms Ost" werden. Auch die japanische Notenbank, Bank of Japan, wolle schützend die Hand über das zarte Pflänzchen "Wachstum" halten und nehme sich ein Beispiel an den westlichen Notenbanken. Bereits im Februar seien überraschend die Ankäufe für Staatsanleihen ausgeweitet worden. Nach dem Motto "Viel hilft viel." Nichts solle unversucht bleiben, um die japanische Wirtschaft wieder flott zu bekommen.
Wer habe eigentlich gedacht, dass zwei Rettungspakte für Griechenland ausreichen würden? Es seien nicht einmal 21 Tage vergangen, seit dem Mittelmeerland das zweite Rettungspaket überwiesen worden sei, aber schon jetzt würden die Helenen die übrigen Europäer auf den Bedarf weiterer Hilfen vorbereiten. So habe die Athener Forschergruppe IOBE jüngst verlauten lassen, dass die griechische Wirtschaft nach ihrer Einschätzung in diesem Jahr wohl um 5% schrumpfen werde.
Darüber hinaus würden sie eine Arbeitslosenquote von rund 20% befürchten. Entwickle sich die Konjunktur und der Arbeitsmarkt derart schlecht, dürften die Sparziele des Landes in Gefahr geraten, so die IOBE. Damit seien die Forscher pessimistischer als die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds. Wen wundere, dass Premierminister Lukas Papademos fast zeitgleich gegenüber einer italienischen Zeitung von weiteren finanziellen Hilfen gesprochen habe, die das Land möglicherweise benötige. Die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds schätze den Bedarf Griechenlands schon jetzt auf 50 Mrd. EUR.
In finanzielle Not geratene Unternehmen seien leicht versucht, im Zuge einer Sanierung zusätzlich die ausstehenden Altanleihen zu restrukturieren. Anleger sollten dabei auf Ansprüche verzichten. Dieses Recht gebe den Firmen das Schuldverschreibungsgesetz von 2009. Das habe jetzt auch der Holzspezialist Pfleiderer nutzen wollen. Bei einer Versammlung hätten 75% der Gläubiger zugestimmt, dass sie bei einer 2007 aufgelegten Hybridanleihe gegen eine geringere Aktienbeteiligung auf ihre Ansprüche verzichten würden. Zwar gelte das Schuldverschreibungsgesetz für Anleihen, die ab dem 5. August 2009 aufgelegt worden seien. Aber das Gesetz könne sich unter Umständen auch auf Anleihen beziehen, die vor diesem Datum begeben worden seien. Für eine Änderung der Usancen genüge eine Zustimmung der einfachen Mehrheit von 75% der teilnehmenden Gläubiger (qualifizierte Mehrheit).
Das Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt habe jetzt allerdings entschieden, dass die Pfleiderer-Anleihe nicht von dem Schuldverschreibungsgesetz gedeckt sei. Warum? Das Papier habe Pfleiderer über eine niederländische Tochter aufgelegt. Die Richter hätten in erster Instanz geurteilt, dass die Altanleihen nur dann in den Anwendungsbereich fallen würden, wenn sie ausschließlich nach deutschem Recht begeben worden seien. In zweiter Instanz hätten sich die Richter auf das Rückwirkungsverbot gestützt, weil sich die Rechtsverhältnisse der vor 2009 begebenen Anleihen unzulässig verschlechtern würden.
Mit anderen Worten: Im Falle einer Restrukturierung von Altanleihen, die über ausländische Finanzierungstöchter begeben worden seien, müssten demnach faktisch 100% der Gläubiger zustimmen. Der Gläubiger habe damit etwas mehr Rechtssicherheit. Aber diese nutze im Falle notleidender Unternehmen, wie beim Solarkonzern Q-Cells, auch nichts mehr.
Auch diese Woche habe man unter dem altbekannten Börsenmotto zusammenfassen können: "Todgesagte leben länger." Zum wiederholten Male habe sich das Rentenbarometer angeschickt, den oberen Trendkanal zu durchstoßen und den bisherigen Höchststand zu testen. Ohne die Unterstützung aus den USA und ein erneutes Aufflackern der Euro-Schuldenkrise wäre diese Bewegung wahrscheinlich nicht gelungen.
Ob sich der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) allerdings in diesen Höhen behaupten könne, müsse abgewartet werden. Ein nachhaltiges Durchstoßen der Marken bei 138,74% (Hoch v. 4.4.2012) und 139,06% (Hoch v. 12.3.2012) würde sicherlich Absicherungsmaßnahmen und weniger Neuengagements initiieren, denn stets auf die Zuspitzung der Krisen zu spekulieren könne gefährlich sein. Irgendwann werde dieses Verhaltensmuster der Anleger nicht mehr funktionieren. Nach unten sei eine Unterstützungslinie bei 137,70% (Hoch vom 23.03.2012) vorhanden und lediglich im Falle des Durchbrechens drohe eine Abwärtswelle bis auf 135,22% (Tief vom 09.02.2012).
Erstmals seit einigen Wochen sei eine vorösterliche Zurückhaltung am Primärmarkt zu spüren gewesen. Anleihen hätten zwar weiterhin problemlos platziert werden können, dennoch habe die Performance zu wünschen übrig gelassen, da die Schuldverschreibungen meist mit geringerem Aufschlag - im Vergleich zur Sekundärkurve - gepreist worden seien. Normalerweise würden Unternehmen eine "Neuemissionsprämie" bieten, um neue Bonds erfolgreich am Kapitalmarkt platzieren zu können.
So habe erstmals der israelische Pharmakonzern Teva Ltd. eine in Euro begebene Schuldverschreibung emittiert. Die im Jahre 2019 endfällige Emission werde jährlich mit 2,875% verzinst und habe ein Gesamtvolumen von 1 Mrd. EUR.
Darüber hinaus zahle der finnische Netzbetreiber Fingrid Oyj seinen Investoren 3,5% über zwölf Jahre, um sich mit 300 Mio. EUR am Kapitalmarkt refinanzieren zu können. Durch das sehr gute A1/A+ Rating gelte der Bond für Institutionelle Kunden als solides Investment.
Aber auch französische Unternehmen seien stets auf der Suche nach der billigen Refinanzierung. So habe das französische Immobilienunternehmen Gecina (Baa3) am Kapitalmarkt 650 Mio. EUR für sieben Jahre zu 4,75% aufnehmen können. Und auch Peugeot habe diesen Schritt gewagt. Bei einem Rating von Ba1/BB+ sei das Unternehmen im "Ramschbereich" eingestuft und habe zur Mittelaufnahme in Höhe von 600 Mio. EUR eine jährliche Zinszahlung von 5,625% für ca. fünf Jahre ausloben können.
In der nächsten Woche sei ebenfalls mit einer geminderten Emissionstätigkeit zu rechnen und erst Mitte April werde man wieder annähernd Normalität erreichen können.
In dieser Woche habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts dem Geldmarkt 213,5 Mrd. EUR (Vw.: 213,5 Mrd. EUR) entzogen. Dieser Betrag entspreche der Summe der im Rahmen des Ankaufprogramms abgewickelten Transaktionen. Zum wiederholten Male sei die EZB in den vergangenen Tagen am Kapitalmarkt nicht aktiv geworden. Somit habe die EZB Gebote von 78 Instituten (Vw.: 82) über 415,044 Mrd. EUR (Vw.: 322,943 Mrd. EUR) erhalten. Der gewogene Durchschnittssatz habe 0,26% (Vw.: 0,26%) betragen.
In den USA seien in dieser Handelswoche den Investoren lediglich Geldmarktpapiere zum Kauf angeboten worden. Dabei habe es sich um 30 Mrd. US-Dollar als 4-Wochen-, 31 Mrd. US-Dollar als 3-Monat-, 29 Mrd. US-Dollar als 6-Monat- und 26 Mrd. US-Dollar als 52-Wochen-T-Bills gehandelt. Bereits in der Woche nach Ostern würden zusätzlich T-Bonds mit Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren aufgelegt.
In Euroland seien in dieser Handelswoche verschiedene Altemissionen Spaniens (ISIN ES0000012916/ WKN A0BEBS (2015); ISIN ES00000123J2/ WKN A1GU8C (2016); ISIN ES00000122T3/ WKN A1AY1D (2020)) und Frankreichs (ISIN FR0010517417/ WKN A0TJQ6 (2017); ISIN FR0011196856/ WKN A1GZ7K (2022); ISIN FR0010916924/ WKN A1AYTR (2026); ISIN FR0010773192/ WKN A1AJL2 (2041)) aufgestockt worden. Auch in Deutschland sei planmäßig die fünfjährige Bundesobligation Serie 162 den Anlegern im Tenderverfahren offeriert worden. Die mit einem Kupon von 0,75% ausgestatteten Wertpapiere seien bei einer 1,8-fachen Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von 0,80% - nahe dem bisherigen Rekordtief bei 0,79% - zugeteilt worden. Das Volumen der Gesamtemission belaufe sich - einschließlich des Aufstockungsbetrags in Höhe von 4 Mrd. EUR - nun auf 16 Mrd. EUR.
Aktuell leide die europäische Gemeinschaftswährung unter den weiterhin existierenden Schuldenproblemen und einem fester werdenden US-Dollar. Auch gegenüber den Alternativwährungen habe der Euro keinen Boden gut machen können. So habe der Euro im Bezug auf die Norwegische Krone sogar einen Teil der erzielten Währungsgewinne wieder aufgebraucht.
Da die Probleme in der Eurozone aber nicht kleiner würden, seien Privatanleger weiterhin auf der Suche nach Alternativen zum Euro. Fremdwährungsanleihen seien sicherlich eine Möglichkeit der Risikostreuung. Die Analysten würden vor diesem Hintergrund insbesondere Aktivitäten bei Anleihen auf Australische Dollar und Norwegische Kronen lautend beobachten.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (10.04.2012/alc/a/a)
Aber, dass so schnell auch Spanien in dieses iberische Fahrwasser geraten sei, sei doch für viele Experten überraschend gewesen. Die Märkte hätten schockiert auf die Meldungen reagiert, dass die Arbeitslosigkeit in Spanien den achten Monat in Folge angestiegen sei und die Staatsverschuldung nach Schätzung der Regierung in Madrid im laufenden Jahr auf 79,8% des Bruttoinlandsprodukts klettern werde. Das sei neuer politischer Zündstoff. Die logische Konsequenz seien steigende Renditen für spanische Staatsanleihen und sich ausweitende Spreads bei spanischen CDS gewesen. Nicht wenige Marktteilnehmer würden schon unken, dass die Wirkung der EZB-Liquiditätsspritzen (Dreijahrestender) nachlasse. Wenn das der Fall sein sollte, wie wolle man dann eine Staatspleite in dieser Größenordnung aufhalten?
Der Blick nach Spanien sei alles andere als ermutigend. Die jüngste Bondmarktauktion zeige, dass offensichtlich das Geldpolitik-Schwert der Europäischen Notenbank in Form der Dreijahrestender stumpf werde. Immer mehr Anleger scheinen sich von den Iberern abzuwenden, so die Analysten der Baader Bank. Das platzierte Volumen habe mit 2,6 Mrd. Euro am unteren Rand der Erwartungen gelegen. So habe z.B. die Anleihe mit einer Laufzeit bis 2020 nur zu steigenden Renditen (5,338% nach 5,156%) untergebracht werden können und das habe auch auf die anderen Laufzeiten - bei rückläufiger Nachfrage - zugetroffen.
Allerdings sollte man in diesem Zusammenhang auch bedenken, dass Spanien bereits 46% seiner Planung realisiert habe. Dennoch seien die Märkte verunsichert gewesen und die CDS seien in die Nähe der Rekordmarken vom November letzten Jahres gestiegen. Mit den Dreijahrestender von 1 Bill. Euro habe man sich also nur drei Monate Zeit erkauft. Ohne Beseitigung der fundamentalen Ursachen scheinen die Instrumente der Notenbank zur Lösung der Schuldenkrise nicht mehr auszureichen, so die Analysten der Baader Bank. Und dann helfe auch keine Brandmauer à la ESM und EFSF! Was wir brauchen sei eine wachstumsfreundliche Defizitreduzierung. Also die Quadratur des Kreises.
Asiaten seien geduldiger als Europäer. Besonders geduldig seien aber die Japaner. Die Wirtschaft des Landes gleiche einem Patienten im Wachkoma. Seit dem Platzen der "Bubble Economy" Anfang der neunziger Jahre sei das Land in einer Deflationsspirale gefangen. Alle Reanimations-Maßnahmen seien bisher fehlgeschlagen. In den vergangenen zehn Jahren sei Japans Wirtschaft zwischen einer Rezession und einem leichten Wachstum von max. 2,4% gependelt. Nach der Rezession im vergangenen Jahr durch die Katastrophe von Fukushima im März 2011 würden die Firmen für 2012 lediglich einen Gewinnanstieg um ca. 2% erwarten. Das könne bestenfalls den Verlust des Vorjahres ausgleichen. Nachdem der Japanische Yen in den letzten Jahren ungeahnte Stärke aufgewiesen habe, scheine nun die Zeit der Yen-Schwäche gekommen zu sein.
Endlich scheinen sich die Fundamentaldaten durchzusetzen und die wirtschaftlichen Probleme in den Vordergrund zu rücken, so die Analysten der Baader Bank. Eine schwächere Währung beflügle aber auch die Exporte und so könnte die Abwertung zum Dollar eine moderne Form des "Aufbauprogramms Ost" werden. Auch die japanische Notenbank, Bank of Japan, wolle schützend die Hand über das zarte Pflänzchen "Wachstum" halten und nehme sich ein Beispiel an den westlichen Notenbanken. Bereits im Februar seien überraschend die Ankäufe für Staatsanleihen ausgeweitet worden. Nach dem Motto "Viel hilft viel." Nichts solle unversucht bleiben, um die japanische Wirtschaft wieder flott zu bekommen.
Wer habe eigentlich gedacht, dass zwei Rettungspakte für Griechenland ausreichen würden? Es seien nicht einmal 21 Tage vergangen, seit dem Mittelmeerland das zweite Rettungspaket überwiesen worden sei, aber schon jetzt würden die Helenen die übrigen Europäer auf den Bedarf weiterer Hilfen vorbereiten. So habe die Athener Forschergruppe IOBE jüngst verlauten lassen, dass die griechische Wirtschaft nach ihrer Einschätzung in diesem Jahr wohl um 5% schrumpfen werde.
Darüber hinaus würden sie eine Arbeitslosenquote von rund 20% befürchten. Entwickle sich die Konjunktur und der Arbeitsmarkt derart schlecht, dürften die Sparziele des Landes in Gefahr geraten, so die IOBE. Damit seien die Forscher pessimistischer als die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds. Wen wundere, dass Premierminister Lukas Papademos fast zeitgleich gegenüber einer italienischen Zeitung von weiteren finanziellen Hilfen gesprochen habe, die das Land möglicherweise benötige. Die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds schätze den Bedarf Griechenlands schon jetzt auf 50 Mrd. EUR.
In finanzielle Not geratene Unternehmen seien leicht versucht, im Zuge einer Sanierung zusätzlich die ausstehenden Altanleihen zu restrukturieren. Anleger sollten dabei auf Ansprüche verzichten. Dieses Recht gebe den Firmen das Schuldverschreibungsgesetz von 2009. Das habe jetzt auch der Holzspezialist Pfleiderer nutzen wollen. Bei einer Versammlung hätten 75% der Gläubiger zugestimmt, dass sie bei einer 2007 aufgelegten Hybridanleihe gegen eine geringere Aktienbeteiligung auf ihre Ansprüche verzichten würden. Zwar gelte das Schuldverschreibungsgesetz für Anleihen, die ab dem 5. August 2009 aufgelegt worden seien. Aber das Gesetz könne sich unter Umständen auch auf Anleihen beziehen, die vor diesem Datum begeben worden seien. Für eine Änderung der Usancen genüge eine Zustimmung der einfachen Mehrheit von 75% der teilnehmenden Gläubiger (qualifizierte Mehrheit).
Das Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt habe jetzt allerdings entschieden, dass die Pfleiderer-Anleihe nicht von dem Schuldverschreibungsgesetz gedeckt sei. Warum? Das Papier habe Pfleiderer über eine niederländische Tochter aufgelegt. Die Richter hätten in erster Instanz geurteilt, dass die Altanleihen nur dann in den Anwendungsbereich fallen würden, wenn sie ausschließlich nach deutschem Recht begeben worden seien. In zweiter Instanz hätten sich die Richter auf das Rückwirkungsverbot gestützt, weil sich die Rechtsverhältnisse der vor 2009 begebenen Anleihen unzulässig verschlechtern würden.
Mit anderen Worten: Im Falle einer Restrukturierung von Altanleihen, die über ausländische Finanzierungstöchter begeben worden seien, müssten demnach faktisch 100% der Gläubiger zustimmen. Der Gläubiger habe damit etwas mehr Rechtssicherheit. Aber diese nutze im Falle notleidender Unternehmen, wie beim Solarkonzern Q-Cells, auch nichts mehr.
Auch diese Woche habe man unter dem altbekannten Börsenmotto zusammenfassen können: "Todgesagte leben länger." Zum wiederholten Male habe sich das Rentenbarometer angeschickt, den oberen Trendkanal zu durchstoßen und den bisherigen Höchststand zu testen. Ohne die Unterstützung aus den USA und ein erneutes Aufflackern der Euro-Schuldenkrise wäre diese Bewegung wahrscheinlich nicht gelungen.
Ob sich der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) allerdings in diesen Höhen behaupten könne, müsse abgewartet werden. Ein nachhaltiges Durchstoßen der Marken bei 138,74% (Hoch v. 4.4.2012) und 139,06% (Hoch v. 12.3.2012) würde sicherlich Absicherungsmaßnahmen und weniger Neuengagements initiieren, denn stets auf die Zuspitzung der Krisen zu spekulieren könne gefährlich sein. Irgendwann werde dieses Verhaltensmuster der Anleger nicht mehr funktionieren. Nach unten sei eine Unterstützungslinie bei 137,70% (Hoch vom 23.03.2012) vorhanden und lediglich im Falle des Durchbrechens drohe eine Abwärtswelle bis auf 135,22% (Tief vom 09.02.2012).
Erstmals seit einigen Wochen sei eine vorösterliche Zurückhaltung am Primärmarkt zu spüren gewesen. Anleihen hätten zwar weiterhin problemlos platziert werden können, dennoch habe die Performance zu wünschen übrig gelassen, da die Schuldverschreibungen meist mit geringerem Aufschlag - im Vergleich zur Sekundärkurve - gepreist worden seien. Normalerweise würden Unternehmen eine "Neuemissionsprämie" bieten, um neue Bonds erfolgreich am Kapitalmarkt platzieren zu können.
So habe erstmals der israelische Pharmakonzern Teva Ltd. eine in Euro begebene Schuldverschreibung emittiert. Die im Jahre 2019 endfällige Emission werde jährlich mit 2,875% verzinst und habe ein Gesamtvolumen von 1 Mrd. EUR.
Darüber hinaus zahle der finnische Netzbetreiber Fingrid Oyj seinen Investoren 3,5% über zwölf Jahre, um sich mit 300 Mio. EUR am Kapitalmarkt refinanzieren zu können. Durch das sehr gute A1/A+ Rating gelte der Bond für Institutionelle Kunden als solides Investment.
In der nächsten Woche sei ebenfalls mit einer geminderten Emissionstätigkeit zu rechnen und erst Mitte April werde man wieder annähernd Normalität erreichen können.
In dieser Woche habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts dem Geldmarkt 213,5 Mrd. EUR (Vw.: 213,5 Mrd. EUR) entzogen. Dieser Betrag entspreche der Summe der im Rahmen des Ankaufprogramms abgewickelten Transaktionen. Zum wiederholten Male sei die EZB in den vergangenen Tagen am Kapitalmarkt nicht aktiv geworden. Somit habe die EZB Gebote von 78 Instituten (Vw.: 82) über 415,044 Mrd. EUR (Vw.: 322,943 Mrd. EUR) erhalten. Der gewogene Durchschnittssatz habe 0,26% (Vw.: 0,26%) betragen.
In den USA seien in dieser Handelswoche den Investoren lediglich Geldmarktpapiere zum Kauf angeboten worden. Dabei habe es sich um 30 Mrd. US-Dollar als 4-Wochen-, 31 Mrd. US-Dollar als 3-Monat-, 29 Mrd. US-Dollar als 6-Monat- und 26 Mrd. US-Dollar als 52-Wochen-T-Bills gehandelt. Bereits in der Woche nach Ostern würden zusätzlich T-Bonds mit Laufzeiten von drei, zehn und 30 Jahren aufgelegt.
In Euroland seien in dieser Handelswoche verschiedene Altemissionen Spaniens (ISIN ES0000012916/ WKN A0BEBS (2015); ISIN ES00000123J2/ WKN A1GU8C (2016); ISIN ES00000122T3/ WKN A1AY1D (2020)) und Frankreichs (ISIN FR0010517417/ WKN A0TJQ6 (2017); ISIN FR0011196856/ WKN A1GZ7K (2022); ISIN FR0010916924/ WKN A1AYTR (2026); ISIN FR0010773192/ WKN A1AJL2 (2041)) aufgestockt worden. Auch in Deutschland sei planmäßig die fünfjährige Bundesobligation Serie 162 den Anlegern im Tenderverfahren offeriert worden. Die mit einem Kupon von 0,75% ausgestatteten Wertpapiere seien bei einer 1,8-fachen Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von 0,80% - nahe dem bisherigen Rekordtief bei 0,79% - zugeteilt worden. Das Volumen der Gesamtemission belaufe sich - einschließlich des Aufstockungsbetrags in Höhe von 4 Mrd. EUR - nun auf 16 Mrd. EUR.
Aktuell leide die europäische Gemeinschaftswährung unter den weiterhin existierenden Schuldenproblemen und einem fester werdenden US-Dollar. Auch gegenüber den Alternativwährungen habe der Euro keinen Boden gut machen können. So habe der Euro im Bezug auf die Norwegische Krone sogar einen Teil der erzielten Währungsgewinne wieder aufgebraucht.
Da die Probleme in der Eurozone aber nicht kleiner würden, seien Privatanleger weiterhin auf der Suche nach Alternativen zum Euro. Fremdwährungsanleihen seien sicherlich eine Möglichkeit der Risikostreuung. Die Analysten würden vor diesem Hintergrund insbesondere Aktivitäten bei Anleihen auf Australische Dollar und Norwegische Kronen lautend beobachten.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (10.04.2012/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 100,013 € | 100,018 € | -0,005 € | 0,00% | 17.04./17:58 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| FR0010916924 | A1AYTR | 101,66 € | 99,99 € | |
Werte im Artikel
06.12.18
, Baader Bank
Reform der Eurozone - ja, aber
02.04.15
, Baader Bank
Der Grexit rückt näher



