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Rentenmärkte feiern mögliche EZB-Neubesetzung
08.07.19 13:00
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die europäischen Rentenmärkte verzeichneten in der Berichtswoche eine fulminante Aufwärtsbewegung, so die Experten von Union Investment.
Auf Indexebene (iBoxx Sovereigns) habe es beachtliche Zugewinne gegeben. Zunächst habe der Ausgang des G20-Gipfels vom vorangegangenen Wochenende gestützt. Der vorerst geschlossene Burgfrieden zwischen den USA und China mindere - zumindest vorerst - die Risiken im Handelsstreit. Vor allem habe aber eine Personalie die jüngste Marktentwicklung geprägt. Für die Anleger überraschend sei zur Wochenmitte die derzeitige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, für den Posten als Präsidentin der Europäischen Zentralbank nominiert worden. Der Vorschlag der EU-Staats- und Regierungschefs zur Nachfolge von Mario Draghi sei in Marktkreisen aber nicht unumstritten und stoße auf ein geteiltes Echo. Ihre bisherige Erfahrung als Chefin des IWF werde der gelernten Juristin zweifellos zugute kommen.
Den bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen im Rahmen des IWF-Mandats zufolge dürfte sich im Falle einer Implementierung von Christine Lagarde wenig an der konkreten geldpolitischen Ausrichtung der EZB ändern. Diese sei als langjährige IWF-Chefin mit der geldpolitischen Thematik vertraut und habe sich in der Vergangenheit diesbezüglich eher weitgehend pragmatisch gezeigt. Damit sei im Prinzip eine Fortsetzung der aktuellen geld- und zinspolitischen Linie der EZB zu rechnen. Am wahrscheinlichsten dürfte ein - im Vergleich zu Mario Draghi - veränderter kommunikativer Stil zu erwarten sein.
Nach in der Presse veröffentlichten Meinungen von Ökonomen und Marktbeobachtern werde allerdings eine nicht ausreichende geldpolitische Expertise von Frau Lagarde bemängelt. Die fehlende Erfahrung lasse viele Beobachter eine weitere Politisierung der Europäischen Zentralbank befürchten.
Die Reaktion des Marktes sei jedenfalls eindeutig gewesen: Die Aussicht auf eine kontinuierliche Fortsetzung der offensiven Geld- und Zinspolitik und damit einhergehende Beibehaltung des Niedrigzinsumfeldes habe die Nachfrage nach Rentenpapieren befeuert. Quer durch den europäischen Rentenmarkt und auch den mit Risiko behafteten Anleihesegment seien die Notierungen gestiegen. Entsprechend deutlich seien teils die Renditen gefallen, der Trend zur Kurvenverflachung habe sich fortgesetzt.
So habe die hohe Nachfrage nach Bundesanleihen dort zu einem neuen Allzeittief geführt. Zehnjahrespapiere hätten auf dem derzeitigen Einlagensatz der EZB mit minus 0,40 Prozent so niedrig wie noch nie rentiert. Der Begriff "Japanisierung", also eine Welt mit dauerhaft niedrigen Zinsen und einer damit einhergehenden geringen Inflation, sei am Markt wieder deutlicher thematisiert worden. Rekordstände seien auch in Belgien zu beobachten gewesen. Belgische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hätten renditeseitig erstmals im Minusbereich gelegen.
Am deutlichsten hätten aber italienischen Staatsanleihen auf die Erwartungen an die EZB reagiert. Die italienische Zehnjahresrendite sei von 2,10 auf 1,55 Prozent gefallen, bevor es am Freitag im Rahmen einer Konsolidierung wieder in Richtung 1,65 Prozent gegangen sei. Dennoch sei der Renditeverfall am italienischen Markt beachtlich gewesen. Die italienische Zinskurve habe sich über alle Laufzeiten hinweg überwiegend deutlich nach unten bewegt. Der Renditeabstand (Spread) zu deutschen Bundesanleihen (zehn Jahre) sei zeitweise auf weniger als zwei Prozent gefallen. Zum Vergleich: Ende Mai seien es noch 2,87 Prozent gewesen.
Zu der deutlichen Reaktion hätten aber auch Neuigkeiten hinsichtlich des Budgetstreits mit der EU-Kommission beigetragen. Mit der Aussicht auf eine Begrenzung des Haushaltsdefizits 2020 und potenziellen Kosteneinsparungen werde ein Defizitverfahren nun wohl vermieden.
Europäische Unternehmensanleihen hätten ebenfalls zulegen können. Einige italienische Neuemissionen, die gegen Wochenschluss platziert worden seien, hätten sich hoher Nachfrage erfreut. Die Spreadentwicklung des Gesamtmarktes habe sich in der Berichtswoche aber eher verhalten gezeigt. Anleihen aus den Schwellenländern hätten angesichts rückläufiger US-Staatsanleiherenditen, die unter die Zwei-Prozentmarke gefallen seien, ebenfalls zugelegt. Die Risikoprämien dort hätten sich etwas eingeengt. (Ausgabe vom 05.07.2019) (08.07.2019/alc/a/a)
Auf Indexebene (iBoxx Sovereigns) habe es beachtliche Zugewinne gegeben. Zunächst habe der Ausgang des G20-Gipfels vom vorangegangenen Wochenende gestützt. Der vorerst geschlossene Burgfrieden zwischen den USA und China mindere - zumindest vorerst - die Risiken im Handelsstreit. Vor allem habe aber eine Personalie die jüngste Marktentwicklung geprägt. Für die Anleger überraschend sei zur Wochenmitte die derzeitige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, für den Posten als Präsidentin der Europäischen Zentralbank nominiert worden. Der Vorschlag der EU-Staats- und Regierungschefs zur Nachfolge von Mario Draghi sei in Marktkreisen aber nicht unumstritten und stoße auf ein geteiltes Echo. Ihre bisherige Erfahrung als Chefin des IWF werde der gelernten Juristin zweifellos zugute kommen.
Den bisherigen Erfahrungen und Beobachtungen im Rahmen des IWF-Mandats zufolge dürfte sich im Falle einer Implementierung von Christine Lagarde wenig an der konkreten geldpolitischen Ausrichtung der EZB ändern. Diese sei als langjährige IWF-Chefin mit der geldpolitischen Thematik vertraut und habe sich in der Vergangenheit diesbezüglich eher weitgehend pragmatisch gezeigt. Damit sei im Prinzip eine Fortsetzung der aktuellen geld- und zinspolitischen Linie der EZB zu rechnen. Am wahrscheinlichsten dürfte ein - im Vergleich zu Mario Draghi - veränderter kommunikativer Stil zu erwarten sein.
Nach in der Presse veröffentlichten Meinungen von Ökonomen und Marktbeobachtern werde allerdings eine nicht ausreichende geldpolitische Expertise von Frau Lagarde bemängelt. Die fehlende Erfahrung lasse viele Beobachter eine weitere Politisierung der Europäischen Zentralbank befürchten.
So habe die hohe Nachfrage nach Bundesanleihen dort zu einem neuen Allzeittief geführt. Zehnjahrespapiere hätten auf dem derzeitigen Einlagensatz der EZB mit minus 0,40 Prozent so niedrig wie noch nie rentiert. Der Begriff "Japanisierung", also eine Welt mit dauerhaft niedrigen Zinsen und einer damit einhergehenden geringen Inflation, sei am Markt wieder deutlicher thematisiert worden. Rekordstände seien auch in Belgien zu beobachten gewesen. Belgische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hätten renditeseitig erstmals im Minusbereich gelegen.
Am deutlichsten hätten aber italienischen Staatsanleihen auf die Erwartungen an die EZB reagiert. Die italienische Zehnjahresrendite sei von 2,10 auf 1,55 Prozent gefallen, bevor es am Freitag im Rahmen einer Konsolidierung wieder in Richtung 1,65 Prozent gegangen sei. Dennoch sei der Renditeverfall am italienischen Markt beachtlich gewesen. Die italienische Zinskurve habe sich über alle Laufzeiten hinweg überwiegend deutlich nach unten bewegt. Der Renditeabstand (Spread) zu deutschen Bundesanleihen (zehn Jahre) sei zeitweise auf weniger als zwei Prozent gefallen. Zum Vergleich: Ende Mai seien es noch 2,87 Prozent gewesen.
Zu der deutlichen Reaktion hätten aber auch Neuigkeiten hinsichtlich des Budgetstreits mit der EU-Kommission beigetragen. Mit der Aussicht auf eine Begrenzung des Haushaltsdefizits 2020 und potenziellen Kosteneinsparungen werde ein Defizitverfahren nun wohl vermieden.
Europäische Unternehmensanleihen hätten ebenfalls zulegen können. Einige italienische Neuemissionen, die gegen Wochenschluss platziert worden seien, hätten sich hoher Nachfrage erfreut. Die Spreadentwicklung des Gesamtmarktes habe sich in der Berichtswoche aber eher verhalten gezeigt. Anleihen aus den Schwellenländern hätten angesichts rückläufiger US-Staatsanleiherenditen, die unter die Zwei-Prozentmarke gefallen seien, ebenfalls zugelegt. Die Risikoprämien dort hätten sich etwas eingeengt. (Ausgabe vom 05.07.2019) (08.07.2019/alc/a/a)


