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Rentenmärkte im dritten Quartal 2012 mehrmals am Scheideweg
26.10.12 10:27
DONNER & REUSCHEL AG
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Im dritten Quartal 2012 standen die Kapitalmärkte mehrmals am Scheideweg, so die Analysten der DONNER & REUSCHEL AG.
Die Ende Juni vereinbarten EU-Gipfelkompromisse hätten den strauchelnden Märkten keine nennenswerten Impulse geben können. Erst im September hätten die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken eine Trendumkehr eingeleitet. Um die Markterwartungen zu erfüllen, hätten die EZB und die FED ihre expansive Geldpolitik verstärkt und damit die Liquiditätsbasis signifikant beeinflusst.
Vor der OMT-Ankündigung der EZB am 6. September 2012 hätten sich die wachsenden Zweifel der Investoren an der Schuldentragfähigkeit Spaniens und Italiens deutlich am Verlauf der zehnjährigen Renditekurve beider Länder gezeigt. Die spanischen und italienischen Renditen für zehnjährige Staatsanleihen hätten 6,9 Prozent und 5,7 Prozent betragen. Mit knapp 7 Prozent wachse für Spanien die Gefahr, den Kapitalmarktzugang zu verlieren. Erst das Signal der EZB zu "unlimitierter" Anleihenkaufbereitschaft habe etwaigen Marktverwerfungen entgegenwirken und die Lage letztlich beruhigen können.
Weitere prägende Ereignisse im September seien die EU-politischen Fortschritte in den Strukturreformen gewesen. Das positive Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur ESM-Rechtmäßigkeit nach dem deutschen Grundgesetz sowie dessen Ratifizierung hätten die Rentenmärkte kurzfristig beflügelt. Die Vorbereitungen für die Arbeitsaufnahme des Rettungsschirms würden nun konkrete Formen annehmen. Vorgesehen sei ein Garantiemechanismus von insgesamt 700 Mrd. EUR mit einer maximalen Kreditvergabekapazität in Höhe von 500 Mrd. EUR. Nachdem die Ereignisrisiken weitgehend abgewendet worden seien, hätten Investoren großvolumig von renditearmen Kernländeranleihen auf Staatsanleihen aus der Peripherie umgeschichtet.
Daraufhin habe der Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) von über 141 auf ca. 138 Punkte nachgegeben, habe sich aber sehr schnell wieder oberhalb dieser Marke stabilisiert. Der Seitwärtstrend in der Drei-Monats-Betrachtung spiegle die extreme politische Getriebenheit des deutschen Rentenbarometers wider. Am Primärmarkt hätten neben Spanien und Italien weitere EU-Regierungen wie z. B. Ungarn und Tschechien die günstigen Kreditbedingungen am Markt genutzt. Sie hätten im September mehr Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeiten als geplant emittiert. Diese hätten genügend Anklang bei Investoren gefunden. Auch Emittenten aus der Industrie hätten den Emissionskalender mit zahlreichen neuen Platzierungen gefüllt. Peripherie-Unternehmen hätten sogar einen Anteil von knapp 25 Prozent am gesamten Emissionsvolumen.
Der Besuch der Kanzlerin Angela Merkel in Griechenland und der zum gleichen Zeitpunkt erwartete Troika-Bericht würden darauf hindeuten, dass das Szenario eines Griechenland-Austritts oder gar eines Zerfalls der Eurozone allmählich ausgepreist sei. Trotzdem werde das Thema die Anleger weiterhin beschäftigen. Folglich würden die Marktrisiken der Krisenentwicklung auf einem hohen Niveau bleiben, was sich negativ auf die Liquidität auswirken könnte.
In den USA würden das Kopfan-Kopf-Rennen vor der Präsidentschaftswahl und die Möglichkeit einer radikalen Umkehr der gegenwärtigen Obama-Wirtschaftspolitik die Märkte zusätzlich verunsichern. Sollte es jedoch den Regierungen und den Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks gelingen - die aktuelle Frühindikatorenentwicklung wie die Einkaufmanagerindices und das Konsumentenvertrauen würden es vermuten lassen - das Wirtschaftswachstum zu forcieren, würde das makroökonomische Umfeld für die Kreditmärkte und folglich das Unternehmensanleihensegment nachhaltig positiv beeinflusst werden. Darüber hinaus dürften die Renditen für US-Treasuries nicht unberührt bleiben, sollte die FED wie angekündigt ihr MBS-Ankaufprogramm (über 900 Mrd. USD) in der vorgesehenen Zeit ausschöpfen.
Bei der Allokation von Unternehmensanleihen lohne sich stets eine Betrachtung der aktuellen Sektoren-Performance wie Energie, Healthcare und Automobil. Ferner sollten die Bonitätsrisiken der Emittenten berücksichtigt werden. Der ITRAXX Europe, ein Index für Kreditausfallrisiken der größten europäischen Unternehmen, habe eine beinahe spiegelbildliche Entwicklung zum EURO STOXX 50.
Die Nicht-Banken aus den Krisenländern hätten von der Einengung der Credit Spreads gleichermaßen profitieren können. Mit den jüngsten politischen Entscheidungen fänden Bankanleihen aus der Peripherie wieder mehr Beachtung bei Investmententscheidungen der Großinvestoren, da ein höherer Gleichlauf der Bankenschuldverschreibungen mit Staatsanleihen angenommen werde. Dazu trage auch der begonnene Konsolidierungsprozess im angeschlagenen spanischen Bankensektor bei.
Im Bereich Hochzinsanleihen hätten sich Emittenten aus der Peripherie trotz der September-Rally lediglich unterproportional erholen können. Das habe zum Teil an den Herabstufungen dieser Länder im Rahmen der Euroschuldenkrise gelegen. Aufgrund der starken Abhängigkeit von positiver Konjunkturentwicklung sollte eine selektive Beimischung dieser Anleihenklasse im Portfolio in Betracht gezogen werden. Die Herabstufung Spaniens durch S&P per 11. Oktober habe zu keinen größeren Verwerfungen auf der Investorenseite geführt. Der Druck, den Schutz des Rettungsschirms zu beanspruchen, bleibe latent vorhanden. (Ausgabe 4. Quartal 2012) (26.10.2012/alc/a/a)
Die Ende Juni vereinbarten EU-Gipfelkompromisse hätten den strauchelnden Märkten keine nennenswerten Impulse geben können. Erst im September hätten die geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken eine Trendumkehr eingeleitet. Um die Markterwartungen zu erfüllen, hätten die EZB und die FED ihre expansive Geldpolitik verstärkt und damit die Liquiditätsbasis signifikant beeinflusst.
Vor der OMT-Ankündigung der EZB am 6. September 2012 hätten sich die wachsenden Zweifel der Investoren an der Schuldentragfähigkeit Spaniens und Italiens deutlich am Verlauf der zehnjährigen Renditekurve beider Länder gezeigt. Die spanischen und italienischen Renditen für zehnjährige Staatsanleihen hätten 6,9 Prozent und 5,7 Prozent betragen. Mit knapp 7 Prozent wachse für Spanien die Gefahr, den Kapitalmarktzugang zu verlieren. Erst das Signal der EZB zu "unlimitierter" Anleihenkaufbereitschaft habe etwaigen Marktverwerfungen entgegenwirken und die Lage letztlich beruhigen können.
Weitere prägende Ereignisse im September seien die EU-politischen Fortschritte in den Strukturreformen gewesen. Das positive Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur ESM-Rechtmäßigkeit nach dem deutschen Grundgesetz sowie dessen Ratifizierung hätten die Rentenmärkte kurzfristig beflügelt. Die Vorbereitungen für die Arbeitsaufnahme des Rettungsschirms würden nun konkrete Formen annehmen. Vorgesehen sei ein Garantiemechanismus von insgesamt 700 Mrd. EUR mit einer maximalen Kreditvergabekapazität in Höhe von 500 Mrd. EUR. Nachdem die Ereignisrisiken weitgehend abgewendet worden seien, hätten Investoren großvolumig von renditearmen Kernländeranleihen auf Staatsanleihen aus der Peripherie umgeschichtet.
Der Besuch der Kanzlerin Angela Merkel in Griechenland und der zum gleichen Zeitpunkt erwartete Troika-Bericht würden darauf hindeuten, dass das Szenario eines Griechenland-Austritts oder gar eines Zerfalls der Eurozone allmählich ausgepreist sei. Trotzdem werde das Thema die Anleger weiterhin beschäftigen. Folglich würden die Marktrisiken der Krisenentwicklung auf einem hohen Niveau bleiben, was sich negativ auf die Liquidität auswirken könnte.
In den USA würden das Kopfan-Kopf-Rennen vor der Präsidentschaftswahl und die Möglichkeit einer radikalen Umkehr der gegenwärtigen Obama-Wirtschaftspolitik die Märkte zusätzlich verunsichern. Sollte es jedoch den Regierungen und den Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks gelingen - die aktuelle Frühindikatorenentwicklung wie die Einkaufmanagerindices und das Konsumentenvertrauen würden es vermuten lassen - das Wirtschaftswachstum zu forcieren, würde das makroökonomische Umfeld für die Kreditmärkte und folglich das Unternehmensanleihensegment nachhaltig positiv beeinflusst werden. Darüber hinaus dürften die Renditen für US-Treasuries nicht unberührt bleiben, sollte die FED wie angekündigt ihr MBS-Ankaufprogramm (über 900 Mrd. USD) in der vorgesehenen Zeit ausschöpfen.
Bei der Allokation von Unternehmensanleihen lohne sich stets eine Betrachtung der aktuellen Sektoren-Performance wie Energie, Healthcare und Automobil. Ferner sollten die Bonitätsrisiken der Emittenten berücksichtigt werden. Der ITRAXX Europe, ein Index für Kreditausfallrisiken der größten europäischen Unternehmen, habe eine beinahe spiegelbildliche Entwicklung zum EURO STOXX 50.
Die Nicht-Banken aus den Krisenländern hätten von der Einengung der Credit Spreads gleichermaßen profitieren können. Mit den jüngsten politischen Entscheidungen fänden Bankanleihen aus der Peripherie wieder mehr Beachtung bei Investmententscheidungen der Großinvestoren, da ein höherer Gleichlauf der Bankenschuldverschreibungen mit Staatsanleihen angenommen werde. Dazu trage auch der begonnene Konsolidierungsprozess im angeschlagenen spanischen Bankensektor bei.
Im Bereich Hochzinsanleihen hätten sich Emittenten aus der Peripherie trotz der September-Rally lediglich unterproportional erholen können. Das habe zum Teil an den Herabstufungen dieser Länder im Rahmen der Euroschuldenkrise gelegen. Aufgrund der starken Abhängigkeit von positiver Konjunkturentwicklung sollte eine selektive Beimischung dieser Anleihenklasse im Portfolio in Betracht gezogen werden. Die Herabstufung Spaniens durch S&P per 11. Oktober habe zu keinen größeren Verwerfungen auf der Investorenseite geführt. Der Druck, den Schutz des Rettungsschirms zu beanspruchen, bleibe latent vorhanden. (Ausgabe 4. Quartal 2012) (26.10.2012/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 125,6798 € | 125,3577 € | 0,3221 € | +0,26% | 01.01./01:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0009652644 | 965264 | 131,95 € | 124,26 € | |


