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Rentenmärkte: Selektion steht im Vordergrund


10.01.14 15:03
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Es hat begonnen. Nein, nicht nur das neue Jahr, sondern auch die Verringerung der Überschwemmung der Kapitalmärkte mit amerikanischem Notenbankengeld, so die Analysten der Weberbank.

Lange sei darüber diskutiert und noch mehr spekuliert worden. Große Verwerfungen seien mit dem Start befürchtet worden. Aber passiert sei eigentlich nichts. Seit der scheidende Zentralbankpräsident Bernanke Tatsachen geschaffen und den Einstieg in den Ausstieg verkündet habe, hätten die internationalen Aktienindices zugelegt. Und das sei auch nicht verwunderlich. So habe die Notenbank betont, dass die Rückführung "datenabhängig" erfolgen werde, also nur, wenn es die wirtschaftliche Entwicklung auch zulasse. Im Januar sei der erste Schritt erfolgt.

Die Konjunktur sei gemäß der Einschätzung der Federal Reserve Bank (FED) also in der Lage, diesen Schritt zu verkraften. Ein erfreuliches Signal! Über die Feiertage seien nur wenig neue Zahlen gemeldet worden. Aber die, die gekommen seien, seien überwiegend positiv gewesen. Insbesondere der amerikanische Immobilienmarkt belebe sich weiter, und auch die Auftragslage verbessere sich.

Gleiches sei für Deutschland vermeldet worden: Nach den schwachen Oktoberdaten seien im November wieder rund zwei Prozent mehr Aufträge vergeben worden. Der viel beachtete ifo-Geschäftsklimaindex signalisiere für die kommenden Monate sogar noch größere Anstiege. Und das in einem Umfeld, in dem die Europäische Zentralbank die Konjunkturentwicklung in noch höherem Maße unterstützen dürfte - für Deutschland eine vielversprechende Perspektive.

Auf europäischer Ebene seien noch ein paar größere Stolpersteine zu überwinden: Einer sei die derzeit niedrige Investitionstätigkeit. Insbesondere bei kleineren und mittelgroßen Unternehmen aus den südlicheren Ländern werde diese durch eine restriktive Kreditvergabe gehemmt. Und genau hier möchte die EZB zusätzliche Impulse setzen und so die Entwicklung weiter stützen.

Gute Voraussetzungen für einen freundlichen Aktienmarkt - und das trotz der sehr guten Entwicklungen im vergangenen Jahr. Die Argumentation zahlreicher Marktteilnehmer, dass aufgrund der Bewegungen die Unternehmen mittlerweile sehr teuer bewertet seien, könnten die Analysten nicht teilen.

Insbesondere der historische Vergleich klassischer Kennzahlen führe schnell zu Fehleinschätzungen. Hintergrund sei, dass diese Maßstäbe häufig das niedrige Zinsumfeld nicht berücksichtigen würden. Werde dieses mit in die Bewertung einbezogen, zeige sich nach wie vor eine hohe Attraktivität. Für einen weiterhin positiven Verlauf müssten sich aber zumindest in Europa die Gewinnperspektiven verbessern. Hier seien die Analystenschätzungen noch verhalten, selbst in Ländern wie Frankreich.

Auch der Rentenmarkt sei freundlich gestartet. Die positiven Signale seien jedoch weniger in den Kursbewegungen zu sehen gewesen, sondern in der Emissionstätigkeit. Mit Spannung sei der erste Versuch Irlands, sich wieder über den Kapitalmarkt zu refinanzieren, erwartet worden. Er sei gelungen, mit vollem Erfolg. Drei Milliarden Euro habe Irland als Kredit über eine Anleihe aufnehmen wollen. Nachfrage habe es sogar über 14 Milliarden Euro und das sogar zu einem für Irland attraktiven Zins gegeben. Ein für den europäischen Staatsanleihenmarkt und dessen Gesundung positives Signal.

Aber auch die ersten Unternehmen und Finanzhäuser hätten begonnen, Anleihen zu platzieren. Ebenfalls erfolgreich. Die Nachfrage nach Risikoprämien sei ungebrochen hoch. Obwohl nach Ansicht der Analysten nicht jede Emission attraktiv sei und auch bei bereits am Markt befindlichen Anleihen genauer hingeschaut werden sollte. Im Durchschnitt seien die Renditeaufschläge für europäische Unternehmensanleihen im vergangenen Jahr um rund ein Drittel gesunken. Eine vergleichbar dynamische Entwicklung sei nach Erachten der Analysten in diesem Jahr nicht zu mehr erwarten.

Mehr Potential würden Emittenten aus nicht industrialisierten Ländern aufweisen: Je nach Bonitätssegment lägen die Aufschläge doppelt so hoch wie bei europäischen Unternehmen. Das Rentensegment der Schwellenländeranleihen leide jedoch noch unter den im August vergangenen Jahres eingesetzten Mittelabflüssen, welche kurzfristig noch anhalten könnten. Sofern hier eine Stabilisierung erfolgt sei, würden die Analysten ein Engagement empfehlen.

Spannend dürfte auch die Entwicklung des Währungspaares Euro/US-Dollar werden. Derzeit würden die Argumente zugunsten des Greenbacks überwiegen. Die nun begonnene Verringerung der Liquiditätsversorgung durch die FED bei einer anhaltend expansiv ausgerichteten europäischen Geldpolitik sollte den Euro vorerst weiter belasten. Das Tauziehen werde jedoch mehr von der Diskussion geprägt sein, welche Notenbank zuerst eine Leitzinserhöhung vornehme. Die Debatte könnte in den USA starten, vermutlich noch in diesem Jahr, und somit den US-Dollar stützen. (10.01.2014/alc/a/a)