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Rentenmärkte: Risikoaufschläge reduzieren sich


10.05.13 11:16
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - So richtig an Fahrt aufgenommen hat die Weltkonjunktur noch immer nicht, und so lesen sich die Konjunkturprognosen derzeit wenig euphorisch, so die Analysten der Weberbank.

Schuld daran seien die nach wie vor holprigen Wirtschaftsdaten aus den Wachstumsländern wie China oder Brasilien, die Rezession im Euroraum sowie ein Wirtschaftswachstum in den USA, das unter dem langfristigen Potenzialwachstum liege.

Die US-Regierung müsse bekanntermaßen massiv einsparen, und daher könne es nur wenig überraschen, dass sich die Sparbemühungen auch in den Wirtschaftdaten niederschlagen würden. Im ersten Quartal habe das Wachstum auf das Jahr hochgerechnet immerhin 2,5 Prozent betragen - erwartet seien allerdings volle drei Prozent gewesen. Erfreulich sei dabei, dass sich der US-Konsum weitestgehend resistent zeige und den größten Wachstumsbeitrag leiste. Das gehe einher mit einer günstigen Arbeitsmarktentwicklung. Der Aufbau an Arbeitsplätzen sei zuletzt besser als erwartet gewesen.

Anders in Europa: Die Arbeitslosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen, sei in den südeuropäischen Staaten besonders hoch, und somit leide auch der Konsum in Griechenland, Spanien, Portugal und Co. Zuletzt habe man sogar in Deutschland einen Rückgang der Einzelhandelsumsätze verschmerzen müssen. Hierzulande baue die wichtige Exportwirtschaft auf eine Erholung auch in Asien und Lateinamerika. Doch diese lasse weiter auf sich warten. Die Umfragen unter Einkaufmanagern in China sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor würden für einen schwachen Auftakt in das zweite Quartal sprechen, nachdem das erste ja schon etwas enttäuscht habe.

Doch es sei nicht alles schlecht im Reich der Mitte: Zuletzt habe man wieder Stabilisierungstendenzen im Außenhandel gesehen, zudem hätten Regierung und Notenbank aufgrund der nachlassenden Inflation verstärkt Möglichkeiten, die Konjunktur zu unterstützen. In einer Zwickmühle befinde sich dagegen Brasilien. Dort treffe eine sehr hohe Inflation von über 6,5 Prozent auf ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent im vergangenen Jahr. Die Zentralbank habe nun reagiert und die Zinsen von 7,25 auf 7,5 Prozent erhöht, weitere kleine Schritte sollten in den nächsten Monaten folgen. Für die Wirtschaftsentwicklung sei eine Zinserhöhung allerdings hinderlich.

Die Europäische Zentralbank habe hingegen die Zinsen gesenkt. Der Leitzins betrage nun noch 0,5 Prozent nach zuvor 0,75. Im Vorfeld der Zinsentscheidung hätten die europäischen Rentenmärkte ihren Trend fortgesetzt und seien weiter gestiegen. Bemerkenswert sei zuletzt gewesen, wie sehr sich die Risikoaufschläge der Anleihen aus den Peripheriestaaten wie Portugal, Spanien oder Italien gegenüber deutschen Renten hätten abbauen können. Eine zehnjährige Anleihe aus Portugal habe nun zum Beispiel erstmals nach der Inanspruchnahme von Rettungsgeldern erfolgreich am Markt platziert werden können. Man könne diese Entwicklung als abnehmende Risikoaversion interpretieren oder einfach nur als Anlagenotstand. Denn eine auskömmliche Kaufrendite gebe es nur noch bei Akzeptanz einer langen Laufzeit oder bei Abstrichen in der Bonität des Emittenten.

Gleiches gelte für europäische Unternehmensanleihen. Eine gute Beimischung böten nach Erachten der Analysten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern sowie Wandelanleihen. Letztere würden, aufgrund ihrer impliziten Möglichkeit, in Aktien gewandelt zu werden, von steigenden Aktienmärkten profitieren. Und diese würden in der Tat zurzeit scheinbar unentwegt steigen. Nachdem nun auch der DAX sein bisheriges Allzeithoch, das im Juli 2007 bei 8.151 Zählern erreicht worden sei, habe überbieten können, eröffne sich neues Potenzial. Die amerikanischen Leitindizes Dow Jones Industrial und S&P 500 hätten diese Barriere bekanntlich bereits vor einigen Wochen überwunden.

Aber es gebe neben dem charttechnischen Signal auch fundamentale Gründe, die innerhalb Europas für einen Schwerpunkt auf deutschen Aktien sprechen würden. Deutsche Unternehmen seien weiterhin nicht zu teuer bewertet, ziehe man die erwarteten Gewinne heran. Da die Gewinnerwartungen sogar steigen würden, seien höhere Kurse von DAX-Unternehmen durchaus gerechtfertigt. Aufgrund der exportorientierten deutschen Wirtschaft würden sich DAX-Anleger nun also frühzeitig für eine Belebung der globalen Konjunktur positionieren. Anscheinend tue die schwächere Berichtssaison, die vor allem durch die Automobilindustrie versalzen worden sei, daran derzeit kein Abbruch, und zum Ende des Jahres werde ohnehin wieder mit einer Belebung gerechnet.

Der in den letzten Wochen massiv gefallene Goldpreis biete für viele Investoren, die Gold als Absicherung dauerhaft physisch halten möchten, eine Einstiegsgelegenheit. Die Analysten könnten sich im Umfeld abnehmender Risikoaversion und steigender Aktienmärkte aber weiter fallende Preise des Edelmetalls vorstellen. Für sie sei Gold daher derzeit unattraktiver als Anlagen in die Aktienmärkte. Sie würden daher mit Neuengagements abwarten. (10.05.2013/alc/a/a)