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Rentenmärkte: Renditen wieder im Aufwind
09.02.23 13:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen sind in den vergangenen Tagen wieder deutlich gestiegen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Die T-Notes würden im zehnjährigen Bereich bei 3,61% und damit mehr als 20 BP höher als vor einer Woche rentieren. Bei den entsprechenden Bunds sei seit dem Zwischentief vom vergangenen Freitag (03.02.) zeitweise ein Sprung von knapp 30 BP auf 3,36% zu beobachten gewesen. Zuletzt hätten die Renditen wieder etwas nachgeben. Auslöser für die Entwicklung seien überraschend positive Konjunkturdaten aus den USA gewesen.
Die US-Beschäftigung sei im Januar um 517.000 Personen gestiegen, mehr als doppelt so viel als erwartet worden sei. Die Arbeitslosenrate befinde sich mit 3,4% nunmehr auf dem tiefsten Wert seit dem Ende der 1960er Jahre. Und der ISM-Index für den Dienstleistungssektor, der im Dezember noch unter die 50er Marke gefallen sei, habe einen Sprung auf 55,2 Punkte gemacht. Damit sei die bisherige Story "die USA befindet sich im zyklischen Abschwung und steuert unvermeidlich auf eine Rezession zu" ins Wanken geraten, auch wenn der private Konsum und natürlich der Immobiliensektor klare Anzeichen von Schwäche zeigen würden.
Die schwache Industrieproduktion in Deutschland (Dezember: -4,2% YoY) habe keine sichtbaren Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen. Tatsächlich sei ein wichtiger Teil des Rückgangs der Industrieproduktion auf den Rückgang der Energieproduktion zurückzuführen (neben dem Bausektor) und somit das Ergebnis der Sparsamkeit in vielen privaten Haushalten. So habe die Komponente Energieerzeugung fast 12% unter dem Niveau des Vorjahres gelegen, während das Verarbeitende Gewerbe "nur" 2,8% hinten gelegen habe.
Vor dem Hintergrund der neuen konjunkturellen Entwicklungen in den USA habe New York FED Präsident John Williams, eines der Schwergewichte im FOMC-Rat, gestern (08.02) Spekulationen angeheizt, dass die FED doch restriktiver sein würde, als der Markt das bislang erwartet habe: "Wir benötigen eine ausreichend restriktive Geldpolitik" und "wir müssen diese für einige Jahre aufrechterhalten, um sicherzustellen, dass wir auf die 2% Inflation kommen".
Auch FED-Präsident Jerome Powell, der bei der Pressekonferenz von vergangener Woche (01.02.) noch relativ milde gestimmt gewesen sei, habe bei seinem Vortrag vor dem Economic Club of Washington etwas umgesteuert und gesagt, dass die FED im Fall von erneut starken Arbeitsmarktberichten oder hoher Inflation die Leitzinsen häufiger anheben könnte, als das bislang eingepreist sei. An den Märkten sei die Erwartung bezüglich der FED Funds Rate etwas angehoben worden auf 5,1%, sodass also zwei weitere Anstiege auf die Bandbreite 5 bis 5,25% demnach möglich seien.
Die EZB habe in der vergangenen Woche an ihrem Kurs festgehalten, auch wenn ein leicht milderer Ton bei Christine Lagarde festzustellen gewesen sei. Derweil seien heute die Inflationsraten für Deutschland veröffentlicht worden, sie hätten sich wegen IT-Problemen bei Destatis verzögert. Die harmonisierte Inflationsrate (HVPI) sei von 9,6% auf 9,2% gefallen, die nicht-harmonisierte Inflation (VPI) sei hingegen von 8,6% auf 8,7% gestiegen. Gemäß der Überschlagsrechnung könnte dadurch die Inflationsrate der Eurozone um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte nach oben revidiert werden. Allerdings bezeichne Destatis die Zahlen für Deutschland nur als Schätzung. Die endgültigen Daten würden am 22.02. veröffentlicht.
Morgen werde bekannt gegeben, wie viel TLTRO-Kredite die Banken der Eurozone zurückzahlen würden. Es werde weiterhin von einer relativen Zurückhaltung ausgegangen, da der Liquiditätsbedarf offensichtlich immer noch hoch sei.
Beobachten sollte man auch die Streikaktivitäten im Vorfeld der Lohnverhandlungen unter anderem im öffentlichen Dienst, deren zweite Runde für den 22./23.02. vorgesehen sei. Hier stünden zweistellige Lohnerhöhungsforderungen im Raum. Heute und morgen finde ein EU-Sondergipfel statt, bei dem unter anderem über die Reaktion der EU auf den "Inflation Reduction Act" der USA gesprochen werde. Nächste Woche finde außerdem die Münchener Sicherheitskonferenz statt (17.- 19.02.). Schließlich sei noch auf die wiederzuholende Abgeordnetenhauswahl in Berlin hingewiesen.
Datenseitig sei das Highlight der kommenden Woche die Inflationsrate der USA für Januar (14.02.). Beachtung finden dürfte auch die Industrieproduktion in der Eurozone (15.02., Dezember) und den USA (15.02., Januar). (09.02.2023/alc/a/a)
Die T-Notes würden im zehnjährigen Bereich bei 3,61% und damit mehr als 20 BP höher als vor einer Woche rentieren. Bei den entsprechenden Bunds sei seit dem Zwischentief vom vergangenen Freitag (03.02.) zeitweise ein Sprung von knapp 30 BP auf 3,36% zu beobachten gewesen. Zuletzt hätten die Renditen wieder etwas nachgeben. Auslöser für die Entwicklung seien überraschend positive Konjunkturdaten aus den USA gewesen.
Die US-Beschäftigung sei im Januar um 517.000 Personen gestiegen, mehr als doppelt so viel als erwartet worden sei. Die Arbeitslosenrate befinde sich mit 3,4% nunmehr auf dem tiefsten Wert seit dem Ende der 1960er Jahre. Und der ISM-Index für den Dienstleistungssektor, der im Dezember noch unter die 50er Marke gefallen sei, habe einen Sprung auf 55,2 Punkte gemacht. Damit sei die bisherige Story "die USA befindet sich im zyklischen Abschwung und steuert unvermeidlich auf eine Rezession zu" ins Wanken geraten, auch wenn der private Konsum und natürlich der Immobiliensektor klare Anzeichen von Schwäche zeigen würden.
Die schwache Industrieproduktion in Deutschland (Dezember: -4,2% YoY) habe keine sichtbaren Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen. Tatsächlich sei ein wichtiger Teil des Rückgangs der Industrieproduktion auf den Rückgang der Energieproduktion zurückzuführen (neben dem Bausektor) und somit das Ergebnis der Sparsamkeit in vielen privaten Haushalten. So habe die Komponente Energieerzeugung fast 12% unter dem Niveau des Vorjahres gelegen, während das Verarbeitende Gewerbe "nur" 2,8% hinten gelegen habe.
Auch FED-Präsident Jerome Powell, der bei der Pressekonferenz von vergangener Woche (01.02.) noch relativ milde gestimmt gewesen sei, habe bei seinem Vortrag vor dem Economic Club of Washington etwas umgesteuert und gesagt, dass die FED im Fall von erneut starken Arbeitsmarktberichten oder hoher Inflation die Leitzinsen häufiger anheben könnte, als das bislang eingepreist sei. An den Märkten sei die Erwartung bezüglich der FED Funds Rate etwas angehoben worden auf 5,1%, sodass also zwei weitere Anstiege auf die Bandbreite 5 bis 5,25% demnach möglich seien.
Die EZB habe in der vergangenen Woche an ihrem Kurs festgehalten, auch wenn ein leicht milderer Ton bei Christine Lagarde festzustellen gewesen sei. Derweil seien heute die Inflationsraten für Deutschland veröffentlicht worden, sie hätten sich wegen IT-Problemen bei Destatis verzögert. Die harmonisierte Inflationsrate (HVPI) sei von 9,6% auf 9,2% gefallen, die nicht-harmonisierte Inflation (VPI) sei hingegen von 8,6% auf 8,7% gestiegen. Gemäß der Überschlagsrechnung könnte dadurch die Inflationsrate der Eurozone um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte nach oben revidiert werden. Allerdings bezeichne Destatis die Zahlen für Deutschland nur als Schätzung. Die endgültigen Daten würden am 22.02. veröffentlicht.
Morgen werde bekannt gegeben, wie viel TLTRO-Kredite die Banken der Eurozone zurückzahlen würden. Es werde weiterhin von einer relativen Zurückhaltung ausgegangen, da der Liquiditätsbedarf offensichtlich immer noch hoch sei.
Beobachten sollte man auch die Streikaktivitäten im Vorfeld der Lohnverhandlungen unter anderem im öffentlichen Dienst, deren zweite Runde für den 22./23.02. vorgesehen sei. Hier stünden zweistellige Lohnerhöhungsforderungen im Raum. Heute und morgen finde ein EU-Sondergipfel statt, bei dem unter anderem über die Reaktion der EU auf den "Inflation Reduction Act" der USA gesprochen werde. Nächste Woche finde außerdem die Münchener Sicherheitskonferenz statt (17.- 19.02.). Schließlich sei noch auf die wiederzuholende Abgeordnetenhauswahl in Berlin hingewiesen.
Datenseitig sei das Highlight der kommenden Woche die Inflationsrate der USA für Januar (14.02.). Beachtung finden dürfte auch die Industrieproduktion in der Eurozone (15.02., Dezember) und den USA (15.02., Januar). (09.02.2023/alc/a/a)


