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Rentenmärkte: Powell ohne Power
18.09.20 09:20
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Reaktionen an den Märkten für T-Notes und Bunds auf die FED-Sitzung vom 16.09. waren unspektakulär, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes lägen derzeit bei 0,69%, die der entsprechenden Bunds bei -0,47%, was gegenüber der Vorwoche praktisch keine Veränderung bedeute. Eine etwas stärkere Antwort auf die Sitzung der US-Notenbank sei an den Aktienmärkten zu sehen. Dort sei eine allgemeine Enttäuschung zu spüren gewesen. In der Tat habe die FED keine neuen Beschlüsse gefasst, sondern lediglich die Forward Guidance verstärkt. Gemäß Statement werde sie ihren Leitzins erst dann anheben, wenn wieder Vollbeschäftigung herrsche und die Inflation 2,0% erreicht habe und - das sei die dritte Bedingung - man ausreichend Anzeichen habe, dass sich die Inflation für eine gewisse Weile über 2,0% bewegen werde.
Kombiniert man das mit den Prognosen der FED-Mitglieder, die erst für das Jahr 2023 eine Inflation von 2,0% vorhersähen, ergebe sich daraus, dass mit einer ersten Zinserhöhung nicht früher als 2024 gerechnet werden könne. Grundsätzlich könnte daher der Leitzins in den USA für mehr als drei Jahre nahe 0% bleiben. Überraschend sei diese Perspektive nicht und viele Marktteilnehmer hätten sich mehr erhofft. Sie hätten offensichtlich erwartet, dass die FED pro-aktiver werde und etwa die Anleiheankäufe erhöhe. Im August habe die FED 95 Mrd. US-Dollar an Anleihen angekauft.
Das Vorgehen der FED sei nachvollziehbar. Sie wisse, dass eine noch aggressivere Geldpolitik ohne die Hilfe des Staates nicht eine höhere Inflation erzwingen könne. Sie gehe daher den Weg, den Märkten zu signalisieren, dass sie nichts tun werde, um den Aufschwung zu bremsen. Wenn also die Aktivität weiter zunehme, werde sie keinen Schritt unternehmen, der auch nur im Verdacht stehe, die Finanzierungsbedingungen zu verschärfen.
Die FED habe im Übrigen noch ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr kräftig nach oben angepasst. Man erwarte jetzt nicht mehr einen Rückgang des BIP um 6,5%, sondern nur noch um 3,7%. Die Arbeitslosenrate solle gemäß FED per Ende des Jahres auf 7,6% sinken (derzeit: 8,4%). Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden die Prognose für etwas optimistisch halten, da sie für die kalte Jahreszeit eine stärkere Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Aktivität durch steigende Corona-Infektionsraten erwarten würden.
Von der EU-Kommission sei die Ankündigung gekommen, dass die Mittel für den Next Generation EU Fund in Höhe von 750 Mrd. Euro zu 30% mit grünen Anleihen finanziert werden sollten. Das könnte diesem Marktsegment einen veritablen Schub verleihen, von dem Anleger und andere Emittenten grüner Anleihen profitieren sollten. Noch sei der Next Generation EU Fund aber nicht vom EU-Parlament verabschiedet worden und auch die nationalen Parlamente müssten dem Fond noch zustimmen.
In den kommenden Tagen sei auf einige Stimmungsindices zu achten. Dazu würden die Konsumentenvertrauensindices aus den USA (Michigan, 18.09.) und Deutschland (GfK, 23.09.), die Flash PMI-Indices für die Eurozone, Deutschland und Frankreich (23.09.) sowie der ifo-Index für Deutschland (24.09.) gehören. Insgesamt würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank hier eine abnehmende Dynamik erwarten. (Ausgabe vom 17.09.2020) (18.09.2020/alc/a/a)
Die Renditen der zehnjährigen T-Notes lägen derzeit bei 0,69%, die der entsprechenden Bunds bei -0,47%, was gegenüber der Vorwoche praktisch keine Veränderung bedeute. Eine etwas stärkere Antwort auf die Sitzung der US-Notenbank sei an den Aktienmärkten zu sehen. Dort sei eine allgemeine Enttäuschung zu spüren gewesen. In der Tat habe die FED keine neuen Beschlüsse gefasst, sondern lediglich die Forward Guidance verstärkt. Gemäß Statement werde sie ihren Leitzins erst dann anheben, wenn wieder Vollbeschäftigung herrsche und die Inflation 2,0% erreicht habe und - das sei die dritte Bedingung - man ausreichend Anzeichen habe, dass sich die Inflation für eine gewisse Weile über 2,0% bewegen werde.
Kombiniert man das mit den Prognosen der FED-Mitglieder, die erst für das Jahr 2023 eine Inflation von 2,0% vorhersähen, ergebe sich daraus, dass mit einer ersten Zinserhöhung nicht früher als 2024 gerechnet werden könne. Grundsätzlich könnte daher der Leitzins in den USA für mehr als drei Jahre nahe 0% bleiben. Überraschend sei diese Perspektive nicht und viele Marktteilnehmer hätten sich mehr erhofft. Sie hätten offensichtlich erwartet, dass die FED pro-aktiver werde und etwa die Anleiheankäufe erhöhe. Im August habe die FED 95 Mrd. US-Dollar an Anleihen angekauft.
Die FED habe im Übrigen noch ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr kräftig nach oben angepasst. Man erwarte jetzt nicht mehr einen Rückgang des BIP um 6,5%, sondern nur noch um 3,7%. Die Arbeitslosenrate solle gemäß FED per Ende des Jahres auf 7,6% sinken (derzeit: 8,4%). Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden die Prognose für etwas optimistisch halten, da sie für die kalte Jahreszeit eine stärkere Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Aktivität durch steigende Corona-Infektionsraten erwarten würden.
Von der EU-Kommission sei die Ankündigung gekommen, dass die Mittel für den Next Generation EU Fund in Höhe von 750 Mrd. Euro zu 30% mit grünen Anleihen finanziert werden sollten. Das könnte diesem Marktsegment einen veritablen Schub verleihen, von dem Anleger und andere Emittenten grüner Anleihen profitieren sollten. Noch sei der Next Generation EU Fund aber nicht vom EU-Parlament verabschiedet worden und auch die nationalen Parlamente müssten dem Fond noch zustimmen.
In den kommenden Tagen sei auf einige Stimmungsindices zu achten. Dazu würden die Konsumentenvertrauensindices aus den USA (Michigan, 18.09.) und Deutschland (GfK, 23.09.), die Flash PMI-Indices für die Eurozone, Deutschland und Frankreich (23.09.) sowie der ifo-Index für Deutschland (24.09.) gehören. Insgesamt würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank hier eine abnehmende Dynamik erwarten. (Ausgabe vom 17.09.2020) (18.09.2020/alc/a/a)


