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Rentenmärkte: Omikron bedeutet bislang Risk-Off
02.12.21 16:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen wiesen vor dem Hintergrund der neuen Covid-19 Variante Omikron in den vergangenen Tagen einen Abwärtstrend auf, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Zehnjährige Bunds würden derzeit bei -0,35% rentieren, die Pendants aus den USA bei 1,44%. Die Aktienmärkte seien bei Bekanntwerden der neuen Variante ebenfalls kräftig unter Druck geraten, kurz, es herrsche Risk-Off-Stimmung. Allerdings wisse man auch weiterhin nicht, wie ansteckend das Virus sei und ob die vorhandenen Impfstoffe gegen diese neue Virusvariante an Effektivität verlieren würden. Die Chefs von Moderna und von BioNTech hätten sich diese Woche dazu geäußert.
So gehe der Vorstandsvorsitzende von Moderna von einer deutlich geringeren Effektivität der Impfstoffe gegen Omikron aus. Der Vorstandsvorsitzende von BioNTech, Ugur Sahin, habe hingegen gemeint, man solle nicht die Nerven verlieren, er erwarte, dass der BioNTech-Impfstoff weiterhin gegen schwere Krankheitsverläufe schütze, insbesondere wenn man die Boosterimpfung erhalten habe.
Derweil habe die OECD ihre neuen Prognosen veröffentlicht, in denen aber die Omikron-Variante nicht berücksichtigt worden sei. Demnach werde die Weltwirtschaft 2022 mit einer Rate von 4,5% expandieren, für die Eurozone werde ein Wachstum von 4,3% erwartet. Aus Omikron würden sich Abwärtsrisiken für diese Prognose ergeben. In diesem Zusammenhang müsse auch die heutige Ministerpräsidentenkonferenz in Deutschland erwähnt werden, bei der weitere einschränkende Maßnahmen ergriffen werden könnten (darunter 2G für den Einzelhandel), die das Wachstum kurzfristig belasten würden.
Interessant sei, dass das Omikron-Risiko bei der FED noch nicht ganz angekommen sei. So habe FED-Chef Jerome Powell am 30.11. vor dem Kongress gesagt, die FED überlege die Reduktion der Anleiherückkäufe (Tapering) zu beschleunigen. Implizit bedeute das auch, dass die Leitzinserhöhungen vorgezogen werden könnten. Bemerkenswert sei auch die Aussage gewesen, die Inflation sei vermutlich nicht nur transitorisch hoch.
Die Märkte scheinen aber skeptisch zu sein, ob sich eine vorgezogene Straffung der Geldpolitik realisieren lässt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Christine Lagarde, EZB-Präsidentin, halte an ihrer Sicht fest, die Inflation werde im kommenden Jahr wieder sinken. Darüber hinaus scheine es unter den EZB-Mitgliedern Diskussionen darüber zu geben, ob man das PEPP-Anleiheankaufprogramm tatsächlich wie geplant im März beende oder es doch noch verlängere. Vor allem sei man unsicher, ob darüber bereits auf der Sitzung am 16. Dezember entschieden werden solle, oder ob man nicht lieber bis zum 3. Februar warte, wenn die nächste EZB-Entscheidung anstehe.
Unsicherheit, die ja bekanntlich den Bunds und Treasuries eher gut bekomme, habe zuletzt auch wegen des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine zugenommen. Russland habe Medienberichten zufolge 40 Bataillone in die Nähe der ukrainischen Grenze verlegt, das sollten rund 90.000 Soldaten sein. Dazu würden tausende von Panzern, Kampfflugzeuge und Raketensysteme kommen. Einige Militärexperten würden eine militärische Aktion im Januar oder Februar für möglich halten, weil dann der Frost für gute Verkehrsverhältnisse auf dem sonst matschigen Untergrund sorge.
Im Allgemeinen werde aber davon ausgegangen, dass Putin in erster Linie Druck auf den Westen ausüben wolle und kein Interesse an einem echten Krieg habe. Der amerikanische Außenminister Antony Blinken nehme die Sache in jedem Fall ernst und drohe mit einer entschlossenen Reaktion, beziehe sich dabei aber bisher offensichtlich nur auf neue Wirtschaftssanktionen. Heute (02.12.) würden Blinken und der russische Außenminister Sergej Lawrow zusammentreffen.
Morgen Abend (03.12.) laufe in den USA mal wieder der temporäre Haushalt aus. Wenn es bis dahin kein neues Budget gebe, drohe ein Government Shutdown. Außerdem müsse noch im Dezember die Schuldenobergrenze angepasst werden. Die Analysten würden bislang davon ausgehen, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner kein Interesse daran hätten, die Angelegenheit aus dem Ruder laufen zu lassen.
Datenseitig sei die Agenda geprägt durch zahlreiche PMI-Indikatoren für den Dienstleistungssektor. Interessant sei dies für die kleineren Länder der Eurozone, für die noch keine Schnellschätzungen vorlägen (03.12., für den Monat November). Spuren von Omikron werde man hier nicht feststellen können, wohl aber erste Wirkungen der neuen Restriktionen.
Auch der Dienstleistungs-ISM für die USA erscheine an diesem Tag. Unmittelbares Highlight sei der US-Arbeitsmarktbericht (03.12., Nov), von dem allgemein ein sehr freundliches Ergebnis in der Form eines kräftigen Beschäftigungszuwachses erwartet werde. Für Deutschland seien die Auftragseingänge für Oktober (06.12., Okt) zu beachten, am 07.12. folge dann die deutsche Industrieproduktion (Okt). Schauen sollte man auch auf die CPI-Inflationsdaten der USA (10.12., Nov). (02.12.2021/alc/a/a)
Zehnjährige Bunds würden derzeit bei -0,35% rentieren, die Pendants aus den USA bei 1,44%. Die Aktienmärkte seien bei Bekanntwerden der neuen Variante ebenfalls kräftig unter Druck geraten, kurz, es herrsche Risk-Off-Stimmung. Allerdings wisse man auch weiterhin nicht, wie ansteckend das Virus sei und ob die vorhandenen Impfstoffe gegen diese neue Virusvariante an Effektivität verlieren würden. Die Chefs von Moderna und von BioNTech hätten sich diese Woche dazu geäußert.
So gehe der Vorstandsvorsitzende von Moderna von einer deutlich geringeren Effektivität der Impfstoffe gegen Omikron aus. Der Vorstandsvorsitzende von BioNTech, Ugur Sahin, habe hingegen gemeint, man solle nicht die Nerven verlieren, er erwarte, dass der BioNTech-Impfstoff weiterhin gegen schwere Krankheitsverläufe schütze, insbesondere wenn man die Boosterimpfung erhalten habe.
Derweil habe die OECD ihre neuen Prognosen veröffentlicht, in denen aber die Omikron-Variante nicht berücksichtigt worden sei. Demnach werde die Weltwirtschaft 2022 mit einer Rate von 4,5% expandieren, für die Eurozone werde ein Wachstum von 4,3% erwartet. Aus Omikron würden sich Abwärtsrisiken für diese Prognose ergeben. In diesem Zusammenhang müsse auch die heutige Ministerpräsidentenkonferenz in Deutschland erwähnt werden, bei der weitere einschränkende Maßnahmen ergriffen werden könnten (darunter 2G für den Einzelhandel), die das Wachstum kurzfristig belasten würden.
Interessant sei, dass das Omikron-Risiko bei der FED noch nicht ganz angekommen sei. So habe FED-Chef Jerome Powell am 30.11. vor dem Kongress gesagt, die FED überlege die Reduktion der Anleiherückkäufe (Tapering) zu beschleunigen. Implizit bedeute das auch, dass die Leitzinserhöhungen vorgezogen werden könnten. Bemerkenswert sei auch die Aussage gewesen, die Inflation sei vermutlich nicht nur transitorisch hoch.
Unsicherheit, die ja bekanntlich den Bunds und Treasuries eher gut bekomme, habe zuletzt auch wegen des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine zugenommen. Russland habe Medienberichten zufolge 40 Bataillone in die Nähe der ukrainischen Grenze verlegt, das sollten rund 90.000 Soldaten sein. Dazu würden tausende von Panzern, Kampfflugzeuge und Raketensysteme kommen. Einige Militärexperten würden eine militärische Aktion im Januar oder Februar für möglich halten, weil dann der Frost für gute Verkehrsverhältnisse auf dem sonst matschigen Untergrund sorge.
Im Allgemeinen werde aber davon ausgegangen, dass Putin in erster Linie Druck auf den Westen ausüben wolle und kein Interesse an einem echten Krieg habe. Der amerikanische Außenminister Antony Blinken nehme die Sache in jedem Fall ernst und drohe mit einer entschlossenen Reaktion, beziehe sich dabei aber bisher offensichtlich nur auf neue Wirtschaftssanktionen. Heute (02.12.) würden Blinken und der russische Außenminister Sergej Lawrow zusammentreffen.
Morgen Abend (03.12.) laufe in den USA mal wieder der temporäre Haushalt aus. Wenn es bis dahin kein neues Budget gebe, drohe ein Government Shutdown. Außerdem müsse noch im Dezember die Schuldenobergrenze angepasst werden. Die Analysten würden bislang davon ausgehen, dass sowohl Demokraten als auch Republikaner kein Interesse daran hätten, die Angelegenheit aus dem Ruder laufen zu lassen.
Datenseitig sei die Agenda geprägt durch zahlreiche PMI-Indikatoren für den Dienstleistungssektor. Interessant sei dies für die kleineren Länder der Eurozone, für die noch keine Schnellschätzungen vorlägen (03.12., für den Monat November). Spuren von Omikron werde man hier nicht feststellen können, wohl aber erste Wirkungen der neuen Restriktionen.
Auch der Dienstleistungs-ISM für die USA erscheine an diesem Tag. Unmittelbares Highlight sei der US-Arbeitsmarktbericht (03.12., Nov), von dem allgemein ein sehr freundliches Ergebnis in der Form eines kräftigen Beschäftigungszuwachses erwartet werde. Für Deutschland seien die Auftragseingänge für Oktober (06.12., Okt) zu beachten, am 07.12. folge dann die deutsche Industrieproduktion (Okt). Schauen sollte man auch auf die CPI-Inflationsdaten der USA (10.12., Nov). (02.12.2021/alc/a/a)


