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Rentenmärkte: Leicht steigende Renditen bei einer weiterhin hohen Schwankungsbreite erwartet


08.10.12 16:23
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die deutsche Wirtschaft ist überraschend gut ins dritte Quartal gestartet, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Im Juli sei die Industrieproduktion um 1,3% angestiegen. Es bestehe somit Hoffnung auf ein geringes Wirtschaftswachstum im dritten Quartal. Der ZEW-Index sei zuletzt zum ersten Mal seit fünf Monaten wieder angestiegen. Die befragten Analysten würden aktuell deutlich optimistischer in die Zukunft als in den Vormonaten blicken.

Zu dieser positiveren Einschätzung habe sicherlich auch die EZB mit ihren geplanten Anleihekäufen beigetragen. Beim ifo-Geschäftsklima habe es hingegen einen erneuten Rückgang gegeben. Auch die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt lasse mehr und mehr nach. Die Zahl der Arbeitslosen sei im September zwar zurückgegangen, saisonbereinigt ergebe sich allerdings der sechste Anstieg der Arbeitslosenzahl in Folge.

In der Eurozone sei zwar der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe angestiegen, für den Servicesektor habe es allerdings erneut einen Rückgang gegeben. Zudem steige die Arbeitslosigkeit in der Eurozone unaufhörlich und habe mittlerweile mit 11,4% ein neues Rekordhoch erreicht. Eine schnelle Besserung sei nicht in Sicht. Trotz der hohen Arbeitslosigkeit sei die Inflation in der Eurozone auf 2,7% angestiegen. Damit liege die Inflation weiterhin deutlich über der Zielmarke der EZB. Dies dürfte weitere Zinssenkungen erschweren.

Im September habe die EZB ihr neues Ankaufprogramm mit dem Namen "Outright Monetary Transactions" beschlossen. Die Aktivierung des Ankaufprogramms werde wie bereits angedeutet an eine Gewährung von Hilfen aus dem EFSF bzw. ESM geknüpft. Eine wichtige Veränderung gegenüber dem bisherigen Ankaufprogramm sei ein Verzicht auf den bevorrechtigten Gläubigerstatus der EZB. Die EZB habe damit die Markterwartungen erfüllt. Auch das Bundesverfassungsgericht habe die Eilanträge gegen die Ratifizierung des ESM abgewiesen. Somit könnten die geplanten Rettungsmechanismen wie vorgesehen in Kraft treten.

Die Konjunktur in den USA scheine unverändert fragil. Die Einkaufsmanagerindices seien zumeist enttäuschend ausgefallen. Erfreulich sei jedoch, dass sich das Geschäftsklima in der US-Bauindustrie im September weiter aufgehellt habe. Mittelfristig dürften die Wahlen im November und das "fiscal cliff" d.h. auslaufende Steuererleichterungen in Höhe von knapp 600 Milliarden US-Dollar wie ein Damoklesschwert über den Märkten schweben. Insbesondere aufgrund der schwachen Daten vom Arbeitsmarkt sei das erneute Ankaufprogramm der amerikanischen Notenbank (FED) bereits erwartet worden.

Die FED beabsichtige monatlich für 40 Mrd. USD hypothekenbesicherte Wertpapiere aufzukaufen. Für das Programm gebe es keine zeitliche Beschränkung. Durch diese Maßnahme sollten die Zinsen für Hypothekendarlehen weiter gesenkt werden und damit die Zinslast der Hypothekenschuldner verringert werden.

Da das aktuelle Aufkaufprogramm bereits das dritte seit Ausbruch der Finanzkrise sei und das Zinsniveau bereits auf einem historisch niedrigen Niveau liege, sei eine positive Wirkung des erneuten Kaufprogramms alles andere als sicher. Die bisherigen Maßnahmen der FED hätten zumindest eine positive Wirkung auf die Preise von Vermögenswerten und Rohstoffen gehabt. Aufgrund gestiegener Energiepreise sei die Inflation wieder auf 1,7% angestiegen.

Die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen habe im Anschluss an die Entscheidungen der EZB und des Bundesverfassungsgerichts bis auf 1,73% ansteigen können. Zur Monatsmitte habe die Euphorie allerdings wieder nachgelassen. Folglich sei sie wieder auf 1,44% zurückgefallen. US-Bonds mit gleicher Laufzeit hätten sich im letzten Monat fast im Gleichklang mit der Bundrendite entwickelt und sich in einer volatilen Bewegung von ihren zuvor erreichten Tiefstständen entfernt. In den kommenden Wochen würden die Experten eine Fortsetzung des Trends hin zu leicht steigenden Renditen bei einer weiterhin hohen Schwankungsbreite erwarten. (Ausgabe Oktober 2012) (08.10.2012/alc/a/a)