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Rentenmärkte: Knall in Berlin
07.11.24 16:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Märkte erleben turbulente Zeiten, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Auf beiden Seiten des Atlantiks hätten politische Ereignisse für Bewegung gesorgt. Zum einen der unerwartet klare Wahlsieg des Republikaners Donald Trump gegen Kamala Harris in den USA, zum anderen das abrupt verkündete Ende der Ampel-Koalition in Deutschland. Die Reaktionen der Anleihemärkte hätten entsprechend unterschiedlich ausfallen können. In den USA würden Erwartungen an eine deregulierte Wirtschaftspolitik unter Trump mit Steuersenkungen und höheren Zöllen die Renditen der T-Notes befeuern, die nun bei 4,43% notieren würden - ein deutlicher Anstieg zur Vorwoche.
In Deutschland habe das Ende der Ampel-Koalition zu volatileren Bewegungen bei Bundesanleihen geführt. Nach einem anfänglichen Rückgang würde die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen einen Tag nach der Regierungsauflösung steigen und läge aktuell bei 2,5%. Im Fokus stünde nun die heutige Fed-Sitzung (7.11.), bei der HCOB Economics mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte rechne und einen weiteren Schritt in dieser Größenordnung für Dezember erwarte.
Obwohl der gewählte, aber noch nicht vereidigte US-Präsident Donald Trump in der Wählergunst vor allem durch Unmut über die Wirtschaft gepunktet habe, würde sich die US-Wirtschaft weiterhin robust zeigen. Jüngste Konjunkturdaten stützten diesen Eindruck: Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sei im Oktober unerwartet auf 56 gestiegen - der höchste Stand seit August 2022. Auch die persönlichen Ausgaben hätten mit einem Zuwachs von 0,5% im September eine stärkere Dynamik als erwartet verzeichnet. Belastungen durch Hurrikane und Arbeitsniederlegungen an den Häfen hätten sich als weniger gravierend als befürchtet erwiesen. Auf dem Arbeitsmarkt hingegen würde sich eine Verlangsamung abzeichnen.
Nun stünden die Zeichen sogar auf einen "Red Sweep", also eine vollständige Kontrolle der Republikaner über Repräsentantenhaus, Senat und Präsidentschaft. Unsicher bliebe lediglich der endgültige Ausgang im Repräsentantenhaus. Die Märkte würden dennoch nicht ungetrübt nach vorn blicken. Anders als 2016, als sich die US-Wirtschaft erst langsam erholt habe, stünde sie heute vor einer möglichen Überhitzung und steigender Inflation. Hohe Anleiherenditen und potenzielle Handelskonflikte könnten die Finanzierungsbedingungen verschärfen und das globale Wachstum belasten. Zwar sei die kurzfristige Risikobereitschaft hoch, doch mittelfristig würden Gegenwinde zunehmen.
Am Mittwoch sei die deutsche Regierungskoalition zerbrochen, nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz Finanzminister Lindner entlassen und vorgezogene Neuwahlen für Anfang nächsten Jahres angekündigt habe - nur Stunden nach Trumps Wahlsieg in den USA. Die Märkte würden weitere Details aus Berlin abwarten, zeigten sich jedoch wenig erschüttert.
Wirtschaftlich sende Deutschland derzeit moderat positive Signale: Die Industrie habe mit einem Anstieg der Aufträge um 4,2% im September die stärkste Erholung seit Juni verzeichnet und habe die Markterwartungen deutlich übertroffen. Eine politische Krise wie in Frankreich sei derzeit wohl nicht zu erwarten. Ein Erstarken der AfD bei der nächsten Wahl und die selbst auferlegte Schuldenbremse würden jedoch gewisses Destabilisierungspotenzial bergen.
Größere Risiken könnten zudem durch mögliche Handelsbarrieren unter der kommenden Trump-Administration entstehen. Unabhängig davon, wann es zu Neuwahlen komme, würden sich Unternehmen - wenn sie nicht schon damit begonnen hätten - strategisch an die neuen Gegebenheiten anpassen. Der französische Zentralbankchef und einflussreiche EZB-Ratsvertreter François Villeroy de Galhau habe jüngst gewarnt, dass der Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl ein "Weckruf für Europa" sein müsse. Auf einer Konferenz in Frankreich habe er von einem erhöhten Risiko für die Weltwirtschaft gesprochen, sollte Trump in den USA eine Politik mit höheren Defiziten und erhöhter Inflation umsetzen.
Villeroy de Galhau habe betont, Europa müsse sich darauf einstellen und sich gegen mögliche inflationäre Impulse aus den USA wappnen. Gleichzeitig habe in den USA in den vergangenen Tagen die "Blackout"-Periode geherrscht - ein Schweigegebot für Fed-Mitglieder vor der heutigen Zinssitzung (07.11.), bei der die Märkte fest von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte ausgingen. Besondere Aufmerksamkeit würde der anschließenden Pressekonferenz gelten, bei der Fed-Chef Jerome Powell vermutlich zu möglichen Auswirkungen der anstehenden Trump-Regierung befragt werde. Powells Reaktionen seien spannend, da Trump ihn während seiner ersten Amtszeit oft scharf kritisiert habe und seine Rückkehr ins Amt die geldpolitische Dynamik neu beeinflussen könnte.
In der kommenden Woche stünden einige wichtige Wirtschaftsdaten an. In den USA werde morgen (08.11.) der Konsumentenvertrauenindex der Universität Michigan für den November veröffentlicht, der Aufschluss darüber geben könnte, ob das Momentum im US-Einzelhandel anhielte. Am 13. November würden die US-Verbraucherpreise für den Oktober folgen, die laut dem HCOB Nowcast der Analysten sowohl im Kernbereich als auch insgesamt leicht ansteigen dürften.
Ebenso könnten die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion der USA am 15. November für Oktober den Eindruck über die Konjunkturentwicklung zu Beginn des vierten Quartals weiter schärfen. In der Eurozone werde am 13. November die Industrieproduktion für den September veröffentlicht, die den Gesamteindruck über das dritte Quartal abrunden sollte. Zusätzlich würden die Märkte am 12. November die ZEW-Umfrageergebnisse für die Eurozone und Deutschland erwarten, die neue Einsichten in die aktuelle wirtschaftliche Lage im November bieten könnten.
Ein weiteres Highlight seien die Inflationszahlen aus China, die am 9. November veröffentlicht würden. Der Verbraucherpreisindex (VPI) und der Produzentenpreisindex (PPI) für Oktober würden zeigen, ob die Deflationsgefahr im Reich der Mitte gebannt oder weiterhin präsent sei. Schließlich werde der Sachverständigenrat für die wirtschaftliche Entwicklung am kommenden 13. November sein jährliches Gutachten veröffentlichen. Am Montag sei in den USA Feiertag (Veterans Day). (07.11.2024/alc/a/a)
Auf beiden Seiten des Atlantiks hätten politische Ereignisse für Bewegung gesorgt. Zum einen der unerwartet klare Wahlsieg des Republikaners Donald Trump gegen Kamala Harris in den USA, zum anderen das abrupt verkündete Ende der Ampel-Koalition in Deutschland. Die Reaktionen der Anleihemärkte hätten entsprechend unterschiedlich ausfallen können. In den USA würden Erwartungen an eine deregulierte Wirtschaftspolitik unter Trump mit Steuersenkungen und höheren Zöllen die Renditen der T-Notes befeuern, die nun bei 4,43% notieren würden - ein deutlicher Anstieg zur Vorwoche.
In Deutschland habe das Ende der Ampel-Koalition zu volatileren Bewegungen bei Bundesanleihen geführt. Nach einem anfänglichen Rückgang würde die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen einen Tag nach der Regierungsauflösung steigen und läge aktuell bei 2,5%. Im Fokus stünde nun die heutige Fed-Sitzung (7.11.), bei der HCOB Economics mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte rechne und einen weiteren Schritt in dieser Größenordnung für Dezember erwarte.
Obwohl der gewählte, aber noch nicht vereidigte US-Präsident Donald Trump in der Wählergunst vor allem durch Unmut über die Wirtschaft gepunktet habe, würde sich die US-Wirtschaft weiterhin robust zeigen. Jüngste Konjunkturdaten stützten diesen Eindruck: Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sei im Oktober unerwartet auf 56 gestiegen - der höchste Stand seit August 2022. Auch die persönlichen Ausgaben hätten mit einem Zuwachs von 0,5% im September eine stärkere Dynamik als erwartet verzeichnet. Belastungen durch Hurrikane und Arbeitsniederlegungen an den Häfen hätten sich als weniger gravierend als befürchtet erwiesen. Auf dem Arbeitsmarkt hingegen würde sich eine Verlangsamung abzeichnen.
Nun stünden die Zeichen sogar auf einen "Red Sweep", also eine vollständige Kontrolle der Republikaner über Repräsentantenhaus, Senat und Präsidentschaft. Unsicher bliebe lediglich der endgültige Ausgang im Repräsentantenhaus. Die Märkte würden dennoch nicht ungetrübt nach vorn blicken. Anders als 2016, als sich die US-Wirtschaft erst langsam erholt habe, stünde sie heute vor einer möglichen Überhitzung und steigender Inflation. Hohe Anleiherenditen und potenzielle Handelskonflikte könnten die Finanzierungsbedingungen verschärfen und das globale Wachstum belasten. Zwar sei die kurzfristige Risikobereitschaft hoch, doch mittelfristig würden Gegenwinde zunehmen.
Wirtschaftlich sende Deutschland derzeit moderat positive Signale: Die Industrie habe mit einem Anstieg der Aufträge um 4,2% im September die stärkste Erholung seit Juni verzeichnet und habe die Markterwartungen deutlich übertroffen. Eine politische Krise wie in Frankreich sei derzeit wohl nicht zu erwarten. Ein Erstarken der AfD bei der nächsten Wahl und die selbst auferlegte Schuldenbremse würden jedoch gewisses Destabilisierungspotenzial bergen.
Größere Risiken könnten zudem durch mögliche Handelsbarrieren unter der kommenden Trump-Administration entstehen. Unabhängig davon, wann es zu Neuwahlen komme, würden sich Unternehmen - wenn sie nicht schon damit begonnen hätten - strategisch an die neuen Gegebenheiten anpassen. Der französische Zentralbankchef und einflussreiche EZB-Ratsvertreter François Villeroy de Galhau habe jüngst gewarnt, dass der Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl ein "Weckruf für Europa" sein müsse. Auf einer Konferenz in Frankreich habe er von einem erhöhten Risiko für die Weltwirtschaft gesprochen, sollte Trump in den USA eine Politik mit höheren Defiziten und erhöhter Inflation umsetzen.
Villeroy de Galhau habe betont, Europa müsse sich darauf einstellen und sich gegen mögliche inflationäre Impulse aus den USA wappnen. Gleichzeitig habe in den USA in den vergangenen Tagen die "Blackout"-Periode geherrscht - ein Schweigegebot für Fed-Mitglieder vor der heutigen Zinssitzung (07.11.), bei der die Märkte fest von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte ausgingen. Besondere Aufmerksamkeit würde der anschließenden Pressekonferenz gelten, bei der Fed-Chef Jerome Powell vermutlich zu möglichen Auswirkungen der anstehenden Trump-Regierung befragt werde. Powells Reaktionen seien spannend, da Trump ihn während seiner ersten Amtszeit oft scharf kritisiert habe und seine Rückkehr ins Amt die geldpolitische Dynamik neu beeinflussen könnte.
In der kommenden Woche stünden einige wichtige Wirtschaftsdaten an. In den USA werde morgen (08.11.) der Konsumentenvertrauenindex der Universität Michigan für den November veröffentlicht, der Aufschluss darüber geben könnte, ob das Momentum im US-Einzelhandel anhielte. Am 13. November würden die US-Verbraucherpreise für den Oktober folgen, die laut dem HCOB Nowcast der Analysten sowohl im Kernbereich als auch insgesamt leicht ansteigen dürften.
Ebenso könnten die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion der USA am 15. November für Oktober den Eindruck über die Konjunkturentwicklung zu Beginn des vierten Quartals weiter schärfen. In der Eurozone werde am 13. November die Industrieproduktion für den September veröffentlicht, die den Gesamteindruck über das dritte Quartal abrunden sollte. Zusätzlich würden die Märkte am 12. November die ZEW-Umfrageergebnisse für die Eurozone und Deutschland erwarten, die neue Einsichten in die aktuelle wirtschaftliche Lage im November bieten könnten.
Ein weiteres Highlight seien die Inflationszahlen aus China, die am 9. November veröffentlicht würden. Der Verbraucherpreisindex (VPI) und der Produzentenpreisindex (PPI) für Oktober würden zeigen, ob die Deflationsgefahr im Reich der Mitte gebannt oder weiterhin präsent sei. Schließlich werde der Sachverständigenrat für die wirtschaftliche Entwicklung am kommenden 13. November sein jährliches Gutachten veröffentlichen. Am Montag sei in den USA Feiertag (Veterans Day). (07.11.2024/alc/a/a)


