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Rentenmärkte: Italien im Fokus


12.03.13 15:14
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Während die Verzinsung 10-jähriger US-Treasuries trotz der Zukäufe der FED deutlich gestiegen ist und aktuell um 2 Prozent schwankt, profitierte die 10-jährige deutsche Bundesanleihe zunächst vom unklaren Wahlausgang in Italien und fiel zuletzt auf ein Niveau von 1,50 Prozent, so die Experten der Alte Leipziger Trust.

Zwar habe EZB-Chef Mario Draghi wiederholt, dass sich die Wirtschaft in der Eurozone im Jahresverlauf erholen werde. Gleichwohl basiere diese Aussage überwiegend auf Hoffnungen. Der Euroraum stecke 2013 mit dem zuletzt prognostizierten Minus in der Rezession. Selbst in Deutschland hätten die jüngsten Auftragsdaten der Industrie negativ überrascht. Gleichwohl spreche gerade in Deutschland viel für einen baldigen Aufschwung. Dieser sollte von einer anziehenden globalen Nachfrage und einer stärkeren Binnenkonjunktur getragen sein.

Anders sehe das Bild in den Südstaaten der Europeripherie aus. In Griechenland, Portugal, Italien und Spanien sei von Erholung kaum etwas zu sehen. Der Konsum dort sei wegen der hohen Massenarbeitslosigkeit und der rigiden Sparpolitik äußerst schwach. Unternehmen seien kaum noch bereit zu investieren. Und nach der Italien-Wahl stehe der Fortgang der Reformen zur Debatte. Das Mitte-Links-Bündnis unter Führung von Pier Luigi Bersani sei zwar im Parlament die stärkste Kraft, habe aber im Senat keine Mehrheit. Damit sei eine Regierung nur in einer Koalition möglich. Eine Zusammenarbeit mit Berlusconi habe Bersani allerdings schon ausgeschlossen und die Protestbewegung unter Führung von Beppe Grillo habe bereits im Wahlkampf eine Beteiligung an einer möglichen Koalition ausgeschlossen.

Italien wirke im Moment unregierbar. Eine Fortsetzung des von Monti eingeschlagenen Reformkurses sei unter den gegebenen Umständen nur schwer vorstellbar. Für die weitere Entwicklung der Staatsschuldenkrise sei entscheidend, ob die EZB bereit sei, auch ohne Fortschritte bei den Reformen italienische Staatsanleihen zu kaufen. Ohne die Rückendeckung der EZB dürften die Investoren höhere Zinsen für italienische Staatsanleihen verlangen.

Die US-Verbraucher hätten sich nicht durch die Steuererhöhungen zum Jahresanfang vom Konsumieren abhalten lassen. Die Einzelhandelsumsätze hätten ebenso leicht zulegen können wie das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan. Gestiegene Immobilienpreise und Aktienbewertungen nahe den Höchstständen hätten sicherlich ihren Anteil an der anhaltend positiven Konsumstimmung.

Und auch der Arbeitsmarkt entwickle sich weiterhin solide. Die revidierten Zahlen für das Jahr 2012 würden einen höheren Beschäftigungsaufbau zeigen als bisher berichtet, durchschnittlich seien im vergangenen Jahr 181.000 Stellen pro Monat geschaffen worden. Die erteilten Baugenehmigungen hätten erneut zulegen können. Immobilienmakler würden von einem so niedrigen Bestand zum Verkauf stehender Häuser wie zuletzt im Jahr 1999 berichten, was einen Immobilienpreisanstieg erwarten lasse.

Schon im Mai stehe erneut die Anhebung der US-Schuldengrenze auf der Agenda. Sollten die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern weiter verhärtet bleiben, würden ernsthaftere Konsequenzen drohen. Das AAA-Rating der USA dürfte dann auch bei Moody's und Fitch zur Disposition stehen. (Ausgabe März 2013) (12.03.2013/alc/a/a)